Heute habe ich einen Geburtstagsbrief geschrieben. Bin lange mit der Tram gefahren, um den Briefkasten mit meinem Geschriebenen zu füllen.
BLAU Traum. Ewiger Schlaf, blaue Leere, die atmet. Schwebend, entrückt, bleiern. Philosophisches Nichts, konzeptuelle Weite, ertrinkende Zeit. Indigovergessen. Lapislazulileid. Schwermut. Kindliches Unbehagen. Blaue Stunde. Marienmantel.
ROT Rose, Koralle, Mohn. Bittersüß. Holundermund, Granatapfelkern, Kirschstein. Samtig, unendlich, obsessiv. Purpur, Scharlach, Zinnober.
GELB Galle und Glorie. Schwefel und Krankheit. Gift und Schande. Wille, Kraft, Selbsterkenntnis. Ekel, Gier und Lust. Sehnsucht, Eidotter, Rausch. Verrat. Feigheit. Gelbsucht. Judenstern.
Wer bin ich? Wer will ich sein? Wie blickst du auf mich? Wie formt sich mein Sein für das Außen? Gewänder? Präsenz? Körper(form)? Stimme? Spiele ich auf der Vorderbühne oder…
Es ist bitterkalt, als wir durch das Gartenzimmer ins Freie treten. Die Schneedecke unberührt, die Luft feucht und für einen Nachmittag viel zu dunkelgrau. Die mitgebrachte Lampe kann ein wenig…
Bachs „Herz und Mund und Tat und Leben“ dröhnt aus dem Lautsprecher. Das Kantaten-Bekenntnis zu Gott und Jesus. Ein Schrei: „Gott ist tot!“ Auf Zarathustra und Nietzsche war Gott-sei-Dank Verlass.…
Besudelt schön. Die Stimmung kippt. Wie in jenem Augenblick, als das unschuldige Schneewittchen den roten Apfel des Verhängnisses aß und für uns tot schien. Ein Moment der Traurigkeit, kein Weg…
Als sie den weißen Mantel zum ersten Mal wahrnahm, war er sorgfältig geglättet hinterlegt auf einem Stromkasten am Ende ihrer Straße. Es war diese Zeit zwischen den Jahren, diese Zeitlosigkeit…
Eigentlich wollte ich nur zwei Kameras ausprobieren, die ich jahrelang nicht benutzt hatte. Außerdem lagen im Kühlschrank noch Filmrollen, lange abgelaufen, feucht geworden – natürliche Filmsuppe also. Ein Versuch, ohne…
Alle Fäden führten nach Guben. Irgendwie. Und auf einmal war ich auch noch in Polen. Aber der Reihe nach. Lange hatte ich keine ostdeutsche Stadt mehr analog fotografiert. Zu viel…
Alles ist vergänglich. Sicherlich auch die Angst. Das muss so sein. Auch sie wird alt und älter. Beißt zum Schluss ins Gras, wie alle(s) andere(n) auch. Kuh beißt ins Gras.…
Worte waren ihr Werkzeug. Schon immer. Nur ihre Intensität passte sich ihren Leben an. Worte waren ihre Brücke zueinander. Wie selbstverständlich gingen sie hinüber, hörten, lasen die Melodien des anderen.
Am Anfang war die Angst (I) Atemschwere.Nebelland.Gezeitenhaut.Schleierdunkel.Tränennest. Am Anfang war die Angst (II) Sie hat so viele Gesichter. Diese Angst. Das neblige ist sein derzeitiger Favorit. Im Nebel kennt er…
Am Anfang war die Angst (II) Atemnotung.Notwend.Graugrund.Schraffurschatten.Trübschimmer. Am Anfang war die Angst (I) Letzter Monat des Jahres. 12 von 12. Ende. Sack zuschnüren. Hinein in die Fluten, die gar nicht…
Ungeputzter Schleier hinter Augen, gedämpfte Worte zwischen Lippen, Tränchentropfen zwischen Wimpern. Kratzspuren entlang der pulsierenden Adern.
Da stehen viele Betten in diesem Sanatorium. Eines neben dem anderen. Sie bilden horizontale und vertikale Reihen. Gleich einem Schachbrett. Doch es sind immer noch nicht genügend Betten in diesem…
Die Tränen. Sobald die holzigen Finger in ihrem Hals stecken, rinnen sie in Bächen über ihre fleischigen Wangen. Sie ist nicht geübt im Kotzen. Dabei ist alles zum Kotzen in…

















