Diese Filmsuppe hatte sich ganz alleine angerührt. Eine Fujicolor Superia 1600-Filmrolle lag ungefähr 25 Jahre in meinem Kühlschrank. Vor einem Vierteljahr passierte dort eine kleine Havarie. Alle Filmrollen, die nicht gut genug verpackt waren, badeten in einer nicht näher zu bestimmenden Flüssigkeit und trockneten danach ein paar Wochen vor sich hin. Wow. Abgelaufener Film aus einer ganz anderen Zeit meines Lebens. Lange gehütet wie ein Schatz. Dann gebadet. Dann getrocknet. Dann belichtet. Dann selbst entwickelt. Sieh an, was das Material zusammen mit dem Licht für Farben zaubern kann. Ich bin berührt. Viel Licht brauchte der Film. Ich belichtete ihn (für alle Techniknerds) wie einen ISO 800-Film und pushte bei der Entwicklung noch einmal um eine Stufe. Hui. Das war ein leckeres Fest.
Die Lebenden werden zu Toten,
die Toten werden zum Leben erweckt.
Die Toten feiern ihre Feste, wie sie fallen.
Die Lebenden sind stumm, steif, unsicher.
Ihre Sehnsucht nach Sicherheit und einem langen Leben
versetzt sie in eine Starre.
Lebensstarre.
Ziemlich lange nicht mehr hier gewesen.
Räume und Zustände haben sich geändert.
Die Zeit macht dies alleine und regelmäßig.
Der Vergänglichkeit in den letzten Jahren beim Vergehen zugeschaut.
Hunderte kleine Tode gestorben.
Dennoch gefeiert und dem Rausch die Stirn geboten.
Das tanzende Glitzer in den verschiedenen Farben aufgehängt.
Dem Abschied und dem Schmerz mit einem Lachen begegnet.
Die Hüften sind breit, die Haut marmoriert von Striemen, von Zeit. Das Fettgewebe legt sich weich über den Beckenknochen. Die Haut fällt in tiefen Falten an den Oberschenkeln, an den Hüften, am Bauch. Aufgezeichnete Jahre, aufgezeichnetes Gewicht, aufgezeichnetes Leben.
Die Schwere sitzt in meinem Körper, Herz und Geist. Hat sich dort verfestigt. „Ich bin ein Monument." Weiterhin. Die Blumen, mitgereist aus der Heimat. Ihre Köpfchen hängen, der erste, flüchtige Blick auf sie, ist ein Blick auf das vermeintlich Gestorbene. Der zweite Blick zeigt ihr Leben. Sie duften, sie fühlen, sie leben. Wollen von mir verspeist werden. So führe ich sie zum Mäulchen, klemme sie zwischen die Zähne, presse sie an die Lippen. Obszön. Zärtlich. Gleichzeitigkeit. Was mache ich mit etwas, das ich liebe und das mich beschwert? Ich verschlinge es. Ich halte es fest. Ich lasse es nicht los.
Beide dachten über die Lücke nach. So viel Lücke, so wenig Lücke. Welche Lücke verspüren sie und was genau meint diese Lücke? Die Lücke, die vielen Schmerz oder Kopfweh bedeutet. Die Lücke, die vermissen lässt, die nichts füllt, die grau in grau in grau daherkommt. Aber beide denken die Lücke in eine andere Richtung. Die Lücke, die Platz lässt, die Lücke, die Raum gibt, um tief durchzuatmen, die Lücke, die in allen Farben der Welt leuchten kann und in allen Formen daherkommt. Die mehr gibt, als dass sie nimmt, die auch mit Gefühlen in den Ring tritt, aber oft mit solchen, die uns wachsen lassen, in die Höhe und in die Breite.
Lützen mit Adolf ohne Nietzsche im DDR-Modus & ein Hauch Bad Dürrenberg
Neue (Zug)Reisegeschichten aus (ost)deutschem Land, mit dem Konvolut analoger Kameras, immer regelmäßig aktualisiert wird Leipzig, auch neue Orte kommen hinzu. Zu diesem Zeitpunkt gibt es 10 Kapitel meiner 9-Euro-Ausblicke. Hier geht es zum Inhaltsverzeichnis: ➨ 9-Euro-Ausblicke-Und-Weiterreisend / Inhaltsverzeichnis Ich bekam eine Nachricht mit dem Bild eines DDR-Wandbildes: „Kennste bestimmt schon?“. Ne. Kannte ich noch nicht, […]
Meine Selbstporträt-Serien bestehen derzeit aus wilden Remixen aus analoger und digitaler Fotografie. Ich arbeite mit altem Filmmaterial, schaue, was das Material aushält (pushen, viel Licht, wenig Licht), entwickle es dann in der Dunkelkammer – zu lange, zu kurz, mit verschiedenen Temperaturen. Ein interessantes Experimentieren mit dem Zufall. Zusätzlich arbeite ich digital, um das Thema nicht aus den Augen zu verlieren, um mich bei der Selbstinszenierung zu beobachten, um den Raum offen zu halten, den der Zufall auch schließen könnte.
Linda und Dzevad Karahasan inspirierten mich zu dieser Serie. Und ich mich selbst. Weil ich „Schlaf" auf meinen Zettel mit den zehn Worten geschrieben hatte – als zehntes und damit letztes Wort. Aber eines nach dem anderen.
Masse. Volumen. Schwerkraft.
Nicht leicht, nicht gefällig, nicht mühelos.
Und: nicht zu übersehen.
Körper hat Stand. Körper nimmt Raum. Körper bleibt: eindrücklich.
Haut über Fett, gewichtig an Hüften und den Schenkeln.
Mädel dreh dich. Aber sachte.