fotografiert von A. Tcherkassova Die Wälin will kein Wal mehr sein, denn das freie Sterben wäre ihr dann nicht mehr erlaubt. Die Wälin will kein Wal mehr sein, denn sie würde sich in ihren banalen Netzen verheddern, wäre ihnen ausgeliefert, mehr als je zuvor. Die Wälin will kein Wal mehr sein, denn das Walsein ist […]
Stich. Wundmal. Zeichen.
Alle drei brauchen die Oberfläche.
Alle drei verändern sie.
Alle drei bleiben.
Und alle drei kennen einen Schmerz, der nicht schreit.
Der sich einrichtet.
Der irgendwann aufhört, sich Schmerz zu nennen und anfängt,
normal zu heißen.
tack tack tack
ruhe.los
tack tack tack.
luft.los
tack tack tack
kraft.los
es wütet und trotzt
es schreit
es treibt
tack tack tack
das leid
leidet
die sehnsucht
sehnt oder süchtet, je nachdem
der kummer
kümmert sich einfach nicht
es wütet und kotzt
tack tack tack
ru.ckt.
zu.ckt
fu.ckt,
tack tack tack.
Meursault denkt: ob man jetzt stirbt oder erst in zwanzig Jahren, die Welt wird weitergehen, als sei nichts gewesen. Andere werden leben, als wäre das Sterben nur ein schmaler Fehler im System der Zeit. Früh oder spät: kein Unterschied, kein Trost, kein Sinn. Nur das unausweichliche Schweigen des Endes.
„Damit sich alles erfüllte, damit ich mich weniger allein fühlte, brauchte ich nur zu wünschen, dass am Tag meiner Hinrichtung viele Zuschauer da sein würden und dass sie mich mit Schreien des Hasses empfangen.“ Dieser letzte Satz aus Camus Fremdem erregte dich.
Skulptur oder Körper.
Material oder Fleisch.
Oberfläche oder Inneres.
Hülle oder Kern.
Form oder das, was formt.
Abbild oder Anwesenheit.
Gewicht oder das, was wiegt.
Stille oder das, was schweigt.
Vergänglich oder das, was bleibt.
Erde oder das, was daraus wird.
Schicht oder Haut.
Abdruck oder Berührung.
Anfang oder das, was sich erinnert.
Und zu viele Fragezeichen, um sie setzen zu wollen.
Eigenleib. Nicht Körper. Nicht Objekt. Nicht Erklärung. Das Schwere. Das Warme. Das Rote. Das Lebendige.
Kein Name. Keine Referenz. Keine Fußnote. Nur die Haltung, das schonungslose Schauen, das Fleisch als Wahrheit, der Körper ohne Entschuldigung.
Licht. Augen. Nichts. (Fast nichts. Mehr.)
Erst das Licht zu viel. Dann die Augen zu wenig. Dann nur noch eine Erinnerung.
All das klingt wie ein schlechter Scherz. All das klingt wie eine Geschichte, die sie sich erzählen an den Stammtischen. All das klingt, als sei dies weg, weit weg. Aber nein, es ist nah, für diese zwei Augen näher, als die Seele ertragen, vertragen kann. Diese weint, weil die Augen zu krank sind, um ihrer Aufgabe nachzukommen. Fast blind. Erblindet. Innerhalb zweier Monate. 60 Tage, die das Leben auf den Kopf stellten, umkrempelten, zu einem anderen Leben führten. Dem Augenlicht beraubt in 1440 Stunden.
Berlino. So nannte ich dich immer. Ganz liebevoll. Aber diese Beziehung hatten wir nicht (mehr) in den letzten Jahren. Nix mit Liebe. Alles an dir war schwierig für mich. Alles in dir war schwierig. Für mich. Immer nur kurze Zwischenstopps und Umsteigesituationen. Mehr war nicht drin. Berlino im Frühling. Ich wollte eine Annäherung. Ich wollte eine Klärung. Ich wollte eine paar Bildnisse einsammeln. Wir beide also wieder in Verbindung. Es war schön, es war bunt, es war ein Mix aus Sonnen und Wolken, es war wieder ein bisschen Zuhause. Es war auch ein Laufen ohne Pause. All
die Orte mussten in einen Tag passen. Hatten sie letztendlich auch und ich war danach ziemlich kaputt.
Grobkorn, Riss, Falte, Bruchkante, Schattenrand, Druckstelle, Abdruck, Nachhall, Restwärme, Widerstand, Reibung, Schwere, Zug, Drängen, Überschuss, Leerstelle, Halbdunkel. Hingabe, Spur, Sediment, Leuchtkraft zu viel, zu nah, zu eng, zu laut, nicht glatt, nicht fertig, nicht gefällig, aus dem Takt, gegen den Strich, neben der Spur, unter der Haut, im Nachglühen, im Vergehen müde, zäh, aufgeraut, verdichtet, […]