Erinnerst du dich an den Rock mit den strengen Falten? Den du trugst, als du ein Straßenköter-Schaf warst? Erinnerst du dich an die Scheren, die versuchten, damals, ein so starkes Band zu zerschneiden? Sie konnten (oder wollten) es nicht, die vermeintlich stumpfen Scheren. Oder das Band so fest, so ineinander verdreht, so anscheinend unkaputtbar. Doch. Ich weiß. Nun. Das Wasser wird diese Kraft aufbringen. Auch wenn es lange dauern kann. Aber schau hin, der Rock schon gekürzt. Auch der Wal. der herabsinkt in die Tiefe See endet als Meeresschnee.
Das Meer nimmt auf. Es kleidet, es färbt, es lässt tanzen, bevor es behält. Das Meer als Raum, nicht mehr der tiefe Grund, auf den etwas fällt, sondern die Essenz, aus der alles gemacht ist. Licht, das durch Wasser bricht. Es treibt darin, hängt darin, mal aufrecht, mal gekippt, mal ganz umgedreht, als hätte die Schwerkraft aufgehört zu existieren.
Der Schnee fällt weiter. Dieser Schnee, der auf eine Fortsetzung gedrungen hat. Die Farbe des Fallens hat sich verschoben, als hätte jemand das Licht ausgewechselt, das durch das Wasser bricht. Pink leuchtet, Schwarz scheint. Es kommt etwas durch, dass sich nicht mehr an Grau hält, weil Grau vielleicht immer nur die eine mögliche Entscheidung war. Unsere Vorstellung von Tod: gedämpft, gedimmt, entfärbt, als hätte das Sterben ein Anrecht auf Stille und Blässe, als wäre Trauer nur echt, wenn sie trauert mit dem Schleier aus weißen Lilien.
was in der Tiefsee fällt. organisch, winzig, unaufhaltsam, Partikel aus dem, was einmal war, kein Zurück, nur das Fallen selbst, das Sinken als einzige Richtung, Sarah Moon war da, während wir arbeiteten, nicht gerufen, einfach da. diese Frauen in ihren Kleidern, die nicht ganz von hier sind, diese Körper, die sich dem Licht entziehen und ihm gleichzeitig ausliefern, diese Unschärfe, die keine Schwäche ist, sondern Wissen. das Verschwimmen, als einzige Aussage.
Die Wangen überströmen Glitzertränen. Ihr Fluss reißt nicht ab. Die Haut spannt, kribbelt merkwürdig. Die Haare gebändigt bis sie sich nicht mehr zusammenhalten lassen. Der Körper wankt in kreisrunden Bewegungen. Der Geist schärfer als bisher. Die Freude aus den Gliedern geflossen. die Lust in die Glieder gekrochen. Den Gleichschritt verlernt. Das Funktionieren abgeschafft. Die Moral der Zeit in einer Schublade abgelegt, den Schlüssel im Ofen gebacken.
gezählt. die Tage.
unsere Tage.
1…2…6…199…203…3004…18154…
Tag für Tag.
die Zeit schreitet voran. majestätisch.
weiter und weiter.
kein Unterlass. keine Unterbrechung. keine Umkehr.
abgezählt. nachgezählt.
Zahlen. nur Zahlen.
der Abakus aus Tiflis rechnet mit.
plus. plus. plus.
irgendwann ein Ende.
keine Perlen mehr auf der Schnur.
keine Tage mehr übrig.
Kerze aus. Licht aus. Schlaf.
ich liebe den Schlaf.
die Träume, die mich besuchen.
die schweren Lider, die sich langsam gen Licht räkeln.
ein Schlaf ohne Aufwachen?
really?
... und du glaubst nicht an Wunder – eine Fortsetzung
...und du glaubst nicht an Wunder – eine Fortsetzung" setzt die Fotoserie fort und verschiebt den Fokus auf einen schwangeren Körper, der zwischen Alltag, Ritual und Verletzlichkeit changiert. Küchenmotive treffen auf Lametta, Spiegelscherben und rote Kreismarkierungen, die den Körper wie eine Landkarte oder ein Versuchsobjekt erscheinen lassen. Die Serie fragt nach dem Wunder der Schwangerschaft, aber auch nach dem, was an diesem Zustand fremd, inszeniert und beunruhigend sein kann. Entstanden in warmem Licht, mit starkem Korn und einer rohen, theatralischen Bildsprache.
Membran. Ich. ist eine analoge Fotoserie in zwei Teilen, aufgenommen auf Fomapan Ortho 400, gepusht. Im Mittelpunkt steht ein dicker Körper und transparente Folie als Material und Metapher. Folie als Kokon, als Schutz, als Gefängnis, als zweite Haut. Die Serie fragt nach dem Wunsch, sich vor der Welt zu verbergen, und danach, was von einem Menschen übrig bleibt, wenn er sich einpackt. Entstanden in einem theatralischen Setting mit schweren Vorhängen und hartem Licht. Analoge Fotografie, Kunstfotografie, Körperbild, Inszenierung.
Die Folie ist älter geworden, zerschlissener, vertrauter. Der Körper hat sich arrangiert. Mit der Folie, mit dem Verstecken, mit sich selbst. Aufgenommen auf Fomapan Ortho 400, gepusht, mit hartem Licht und theatralischem Setting aus schweren Vorhängen und altem Holzboden.
Sonntagmorgen. 11 Uhr Alexanderplatz. Ostberlin. Der letzte Tag des Monats Mai. Die Sonne brannte. Beim letzten Besuch vor ein paar Wochen war mir mein coloriges Filmmaterial ausgegangen. Deswegen hatte ich die Nuttenbrosche, den Brunnen der Völkerfreundschaft auf dem Alex, nur dilettantisch in schwarz/weiß fotografiert. Aber die bunten Bildchen von Pflanzen und Vögelchen sind in monochromer Darstellung natürlich verschenkt. Deshalb an diesem Morgen eine kleine fotografische Tour, again.