Martin war Balletttänzer und unterrichtet nun. Schauspieler sein, irgendwann, oder bald. Wir wissen es noch nicht genau. Zusammen haben wir mit meiner Großformatkamera Mentor auf Papiernegativen analoge Porträts von Martin gemacht. Wir können so wunderbar zusammen kreative Utopien entwickeln. Wir können zusammen so viele Worte wechseln.
Der Fisch ist auch mein Freund. Das nordische ICH kann mit ihnen kommunizieren, natürlich, es versteht die Fischsprache ganz gut. Ihm fällt es nur immer schon schwer, sie alle auseinanderzuhalten und zu unterscheiden. Aber dieses ICH weiß genau, wie sie sich anfühlen, die Wassertiere, wenn es selbst durch das schimmernde Nass schwimmt und die Fischlein den Bauch und die Brüste streifen. Das schönste Gefühl auf der ganzen Welt.
Form follows function.
F wie F reiheit.
F wie f uck, ich hänge fest. In diesen F esseln.
F wie F unktionsstörung.
F wie F assung bewahren.
F wie weiterhin F ragen stellen.
F wie f inde den F ehler.
F wie F alle. Sie ist ein Nagelbrett.
F wie F lucht. Fluchtfahrzeug verbrannt.
F wie F allhöhe. Du kannst das überleben!
Versuch. Flügelschlag. Das Versagen der Energiereserven. Freiheit weggeflogen, aufgesogen, in weite Ferne gezogen. Flügellahm. Prinzessin Vogelfrei kämpft mit den Winden von vorn. Weh und Lust. Freiheit eingebüßt. Doch gesehen immer noch am Horizont. Flügellahm nicht bewegungslos. Jede Bewegung kostet. Das Doppelte, das Dreifache. Kostet mehr, als sie einbringt, und weiter und weiter. Schlag auf Schlag. Bunte Flügelchen mit abgebrochenen Federchen. Frei-heit. Flügelfederfreiheit. Kein Ast hält. Brüchiges Holz durch die Hitzen der Welt. Das Fliegen und das (herunter) Fallen. Prinzessin Vogelfrei trägt beides, ineinander verwoben. Bunt bleibt! Lächeln bleibt!! Freiheit bleibt!!!
Erinnerst du dich an den Rock mit den strengen Falten? Den du trugst, als du ein Straßenköter-Schaf warst? Erinnerst du dich an die Scheren, die versuchten, damals, ein so starkes Band zu zerschneiden? Sie konnten (oder wollten) es nicht, die vermeintlich stumpfen Scheren. Oder das Band so fest, so ineinander verdreht, so anscheinend unkaputtbar. Doch. Ich weiß. Nun. Das Wasser wird diese Kraft aufbringen. Auch wenn es lange dauern kann. Aber schau hin, der Rock schon gekürzt. Auch der Wal. der herabsinkt in die Tiefe See endet als Meeresschnee.
Das Meer nimmt auf. Es kleidet, es färbt, es lässt tanzen, bevor es behält. Das Meer als Raum, nicht mehr der tiefe Grund, auf den etwas fällt, sondern die Essenz, aus der alles gemacht ist. Licht, das durch Wasser bricht. Es treibt darin, hängt darin, mal aufrecht, mal gekippt, mal ganz umgedreht, als hätte die Schwerkraft aufgehört zu existieren.
Der Schnee fällt weiter. Dieser Schnee, der auf eine Fortsetzung gedrungen hat. Die Farbe des Fallens hat sich verschoben, als hätte jemand das Licht ausgewechselt, das durch das Wasser bricht. Pink leuchtet, Schwarz scheint. Es kommt etwas durch, dass sich nicht mehr an Grau hält, weil Grau vielleicht immer nur die eine mögliche Entscheidung war. Unsere Vorstellung von Tod: gedämpft, gedimmt, entfärbt, als hätte das Sterben ein Anrecht auf Stille und Blässe, als wäre Trauer nur echt, wenn sie trauert mit dem Schleier aus weißen Lilien.
was in der Tiefsee fällt. organisch, winzig, unaufhaltsam, Partikel aus dem, was einmal war, kein Zurück, nur das Fallen selbst, das Sinken als einzige Richtung, Sarah Moon war da, während wir arbeiteten, nicht gerufen, einfach da. diese Frauen in ihren Kleidern, die nicht ganz von hier sind, diese Körper, die sich dem Licht entziehen und ihm gleichzeitig ausliefern, diese Unschärfe, die keine Schwäche ist, sondern Wissen. das Verschwimmen, als einzige Aussage.
Die Wangen überströmen Glitzertränen. Ihr Fluss reißt nicht ab. Die Haut spannt, kribbelt merkwürdig. Die Haare gebändigt bis sie sich nicht mehr zusammenhalten lassen. Der Körper wankt in kreisrunden Bewegungen. Der Geist schärfer als bisher. Die Freude aus den Gliedern geflossen. die Lust in die Glieder gekrochen. Den Gleichschritt verlernt. Das Funktionieren abgeschafft. Die Moral der Zeit in einer Schublade abgelegt, den Schlüssel im Ofen gebacken.
gezählt. die Tage.
unsere Tage.
1…2…6…199…203…3004…18154…
Tag für Tag.
die Zeit schreitet voran. majestätisch.
weiter und weiter.
kein Unterlass. keine Unterbrechung. keine Umkehr.
abgezählt. nachgezählt.
Zahlen. nur Zahlen.
der Abakus aus Tiflis rechnet mit.
plus. plus. plus.
irgendwann ein Ende.
keine Perlen mehr auf der Schnur.
keine Tage mehr übrig.
Kerze aus. Licht aus. Schlaf.
ich liebe den Schlaf.
die Träume, die mich besuchen.
die schweren Lider, die sich langsam gen Licht räkeln.
ein Schlaf ohne Aufwachen?
really?