Filmsuppe und andere analoge Fotografie-Spielereien
yStolpern oder kriechen? Oder einfach üben und wie eine Braumeisterin die besten Rezepte für die neuen analogen Prozesse finden? Das kreative zweitausendvierundzwanzig will (noch) nicht richtig in Fahrt kommen, thematisch zumindest. Es fällt mir ziemlich schwer, das Thema des letzten Jahres loszulassen. 1923 war so ein Reichtum, lange habe ich nicht geschafft, alles abzuarbeiten, was hätte noch Raum einnehmen können. Nun bin ich da in 2024 und kann mein neues Jahresthema noch nicht spüren. Bereits seit letztem Oktober hatte ich Ausschau gehalten, und ziemlich schnell "JA" gesagt, als DAS Thema mir begegnete. Theoretisch ist ES also schon da, liegt vor mir in großen Lettern, aber im Herzen hat's sich noch nicht eingenistet. Und so lasse ich meinem neuen Jahresthema die Zeit und den Raum, um sich in Ruhe zu entfalten, größer und wichtiger zu werden, damit ich hoffentlich bald anfangen kann, mit ihm zu arbeiten. Bis dahin lerne und lehre ich.
Ein Jahr voll 1923er Gedanken. Ein Jahr 2023. Ein Jahr erschaffen, denken, leben, fühlen auch. Ein heftiges Jahr. Als ich am 1. Januar 2023 am Grabstein meiner Großmutter stand, hätte ich mir nicht ausdenken können, was in einem Jahr alles stecken kann. So viel Kraft. So viel Energie. So viel Veränderung. So viel Leid. So viel Traurigkeit. So viel Wucht. So viel Unbehagen. So viel Rausch. So viel Bewegung. So viel Erstarren. So viel Herz. So viel Neu. So viel Nähe. So viel Naivität. So viele Farben. So viele Dimensionen. So viel Rhythmus. So viel Groteske. So viel Melancholie. So viele Tränen. So lautes Lachen. Krieg. Monströse Begegnungen. Loslassen. Entdeckungen. Erwartungen. Enttäuschungen. Tanz und Tod. Blick und Distanz. Witz, Diabolik, Sinnlichkeit. Zerstörung. Wut. Magie. Ich. Mir. Mich. Mein. „Zum Kotzen schön“ (Otto Dix)
Ich hänge am Tod. Oder hängt dieser gar an mir? Solange ich mich erinnern kann, stellte ich die Frage: Gehen wir heute auf den Friedhof? Sobald meine Frage im Raum herumschwirrte, war die Antwort schon in Stein gemeißelt: Natürlich. So trabte ich an Großmutters Hand und an ihrer Seite den Weg zum Friedhof der Stadt, in der ich geboren wurde. Dort befand sich Großvaters Grab. Ein Großvater, der nur drei Monate, bevor ich das Licht der Welt erblicken sollte, starb, um in dieser Grabstelle ewig weiterzuleben. Oma und ich besuchten Benno. Tot oder lebendig. Spielte doch keine Rolle. Besuch war Besuch. Großvater war Großvater. Zu Hause, also in Omas Wohnung (Zeit meines Lebens hatte ich nicht nur ein Zuhause, Orte, die ich von Herzen liebte, nannte ich schnell "Zuhause", auch wenn sie nur kurz durch mein Leben hindurch reisten), schaute ich mir die alten Fotografien aus dem Karton an. Schließlich brauchte ich ja ein Bild von Benno in meinem Kopf.
Im Körper der Seekuh, von Wellen getragen,
Webt die Kupplerin ihr Netz, so stetig und träge.
Prothese der Zeit, in der das
Grünes Halstuch tanzt im Nebel,
Umhüllt von einer dritten Sicht.
In des Auges tiefschwarzer Schlund, ein Schimmer von Rot,
Geboren in die Leere, in die Stille aufgebrochen, fast tot.
Zäh, wie das Flüstern der Zeit,
Weben Kriechtiere, in Unsichtbarkeit geweiht.
In Äons Labyrinth, ein Wesen, nicht gebeugt, allein,
Durch Gassen aus Lügen und Verrat gegangen, auf der Suche nach dem weisen Stein.
Bewohnt ein Irrgarten der Leiden--Sucht, von bunten Schatten überzogen,
Will es der Vergangenheit begegnen, doch die Stille bleibt ungebogen.
Immer für eine Überraschung gut, der Drei-Tages-Workshop im November Auch in diesem November gab es den dreitägigen Intensiv-Fotoworkshop bei mir in Leipzig. Mit Abstand ist dies der beliebteste Fotografie-Workshop in meinem wechselnden Angebotsreigen. Dieser Workshop hat es in sich, ein großer Packen an Theorie und viele praktische Übungen dazu. Immer wieder anders, immer wieder gut […]
Gespenster gehen um in dieser Welt, Gespenster von Terror & Krieg, aber auch Gespenster des neuen Nationalismus, Patriotismus, Fanatismus, wieder aufsteigenden Patriarchats, Gespenster der Veränderung von Macht und Interessen, Gespenster aus den Religionen dieser Welt. Gespenster der Verblendung, der Verzweiflung, der Verbitterung.
Hat sie sich ins eigene Fleisch geschnitten oder wurde ihr das Messer hinterrücks ins Fleisch gerammt? Tropft das Blut aus ihr heraus, weil sich die Wunde so tief ins Fleisch verkrochen hat? Beginnt das Fleisch abzufallen vom Knochen, weil sich die Traurigkeit manifestiert und zur chronischen Krankheit wird? Dabei liegt der Dreizack doch neben ihr. […]
Licht und Schatten. Wir blätterten zusammen in einem Buch herum mit genau diesem Titel. Simon erzählte von der neuen Staffel von Babylon Berlin, ich trennte mit meiner Kuchenkabel ein Stück Teig vom Obst. Es war Simons zweiter Selbstgebackener. Ich hatte schon ein paar mehr gebacken im Leben, aber keiner war so lecker. Unsere großen Türkenpötte […]