Zeit vergeht. Läuft. Keine Rücksicht. Das Ende rückt näher. Ticktack, zappzerapp. Der Anfang längst vergessen. Das Außen gerät durcheinander, nicht zum ersten Mal, und ordnet sich wieder, nicht zum ersten Mal. Schwäche wird abgelöst durch Stärke, und andersherum. Ein Kreis, ein ewiger Kreis. Erschöpfung trifft auf Leichtigkeit und Spieltrieb.
Gestalten. Die eine hat den Pelz um sich gelegt wie eine zweite Haut, dunkles Haar fällt darüber, das Gesicht halb verschluckt vom Korn des Papiers. Die andere trägt Strohhut und Hosenträger in Streifen. Hockt, wartet, beobachtet mit einem Blick, der älter wirkt als gelebt. Großformatkamera, Mentorin, Papiernegative. Jedes Bild ein Universum, mit Rand in Rissen, […]
Zauberei. Das Wort klang so viel schöner als das englische: Its magic. Sie wiederholte es ein paar Mal. Sauberrei. Sauberrei. Mit ihrem herrlichen argentinischen Akzent. Sauberrei. Aus dem harten Z wurde ein weiches S, aus dem Rachen-R ein rollendes. Ich verschwand wieder unter dem glitzernden Stoff hinter meiner Großformatkamera, Zauberei. Eine Begegnung wie ein Zufall, der keiner war.
Martin war Balletttänzer und unterrichtet nun. Schauspieler sein, irgendwann, oder bald. Wir wissen es noch nicht genau. Zusammen haben wir mit meiner Großformatkamera Mentor auf Papiernegativen analoge Porträts von Martin gemacht. Wir können so wunderbar zusammen kreative Utopien entwickeln. Wir können zusammen so viele Worte wechseln.
Das Meer nimmt auf. Es kleidet, es färbt, es lässt tanzen, bevor es behält. Das Meer als Raum, nicht mehr der tiefe Grund, auf den etwas fällt, sondern die Essenz, aus der alles gemacht ist. Licht, das durch Wasser bricht. Es treibt darin, hängt darin, mal aufrecht, mal gekippt, mal ganz umgedreht, als hätte die Schwerkraft aufgehört zu existieren.
Der Schnee fällt weiter. Dieser Schnee, der auf eine Fortsetzung gedrungen hat. Die Farbe des Fallens hat sich verschoben, als hätte jemand das Licht ausgewechselt, das durch das Wasser bricht. Pink leuchtet, Schwarz scheint. Es kommt etwas durch, dass sich nicht mehr an Grau hält, weil Grau vielleicht immer nur die eine mögliche Entscheidung war. Unsere Vorstellung von Tod: gedämpft, gedimmt, entfärbt, als hätte das Sterben ein Anrecht auf Stille und Blässe, als wäre Trauer nur echt, wenn sie trauert mit dem Schleier aus weißen Lilien.
was in der Tiefsee fällt. organisch, winzig, unaufhaltsam, Partikel aus dem, was einmal war, kein Zurück, nur das Fallen selbst, das Sinken als einzige Richtung, Sarah Moon war da, während wir arbeiteten, nicht gerufen, einfach da. diese Frauen in ihren Kleidern, die nicht ganz von hier sind, diese Körper, die sich dem Licht entziehen und ihm gleichzeitig ausliefern, diese Unschärfe, die keine Schwäche ist, sondern Wissen. das Verschwimmen, als einzige Aussage.
Die Wangen überströmen Glitzertränen. Ihr Fluss reißt nicht ab. Die Haut spannt, kribbelt merkwürdig. Die Haare gebändigt bis sie sich nicht mehr zusammenhalten lassen. Der Körper wankt in kreisrunden Bewegungen. Der Geist schärfer als bisher. Die Freude aus den Gliedern geflossen. die Lust in die Glieder gekrochen. Den Gleichschritt verlernt. Das Funktionieren abgeschafft. Die Moral der Zeit in einer Schublade abgelegt, den Schlüssel im Ofen gebacken.
Licht und Schatten. Wir blätterten zusammen in einem Buch herum mit genau diesem Titel. Simon erzählte von der neuen Staffel von Babylon Berlin, ich trennte mit meiner Kuchenkabel ein Stück Teig vom Obst. Es war Simons zweiter Selbstgebackener. Ich hatte schon ein paar mehr gebacken im Leben, aber keiner war so lecker. Unsere großen Türkenpötte […]
von Antje Kröger & Paul Thomas Taue, gehängt an totem Holz. Später gesellen sich netzartige Strukturen aus dünnem Seil dazu. Efeu rankt lebendigplastisch empor zum Himmel, versucht so sein Glück. Es formt sich langweilig-gleichförmig überall da, wo sich Platz auftut. Die Luft der Freiheit erstickt. Das tote Holz knarrt. Der lebendige Leib steigt in den […]
Zähne, scharf wie Dolche, zerschneiden die Wirklichkeit, enthüllen die geheime Verwesung unter der Oberfläche. Fleisch, ein Panzer aus Sehnsucht und Wunsch, trägt die Narben der Zeit stolz auf seiner Haut. Die Verwesung, unvermeidliche Muse, singt leise das morbide Lied. Eine stinkende Wolke, heraufsteigend aus dem Abgrund, umarmt unsere Sinne, sie erinnert uns an die Vergänglichkeit der Dinge. Die Unsterblichkeit ist ein Witz, über den nur die Toten lachen können.
In einer Siedlung nahe der großen Stadt mit den Zwiebeltürmen, deren Name längst im Nebel der Geschichte verblasst war, ereignete sich ein lautes Sterben. Die Zeiten des Umbruchs und der Unsicherheit ätzten ihre Spuren tief in die Seelen der Menschen in dieser abgelegenen Gemeinschaft. Gewalt und Drogen durchzogen die Landstraßen, die Menschen flüsterten Geschichten von Verlust und Schmerz in den Wind. Die Mauern der alten Häuser hüteten düstere Geheimnisse, die Luft war schwer von Tristesse.
Parallelität. 1923. 2023.
Zeit. So flüchtig manchmal. So zäh oft. So gleich. So ähnlich. Wiederholungen. Kann Zeit sich überhaupt wiederholen? Nein. Nur Ereignisse in Zeiten. Ereignisse sind gekoppelt an ihre Zeit, im ersten Anschein. Beim genauen Hinsehen. Mehr. Zeit läuft nur in eine Richtung. In unserer Welt schon. Dennoch. Alles ist wahr. Alles ist falsch. Und manchmal ist da nur ein Gefühl von parallelen Ereignissen.
Im Glanz vergang’ner Habsburgzeit, ein Reich so weit, Wo Donauströme sanft wie Seidenfäden gleiten. Die Sehnsucht lodert. Nach einer Ära, längst entschwunden, im Vergessen. Ungarns Zauber, ewig in den Sternen steht. Großeltern Dorf, so fern, Die ungarische Sprache, Musik im Ohr, jedoch nicht in der Kehle. Ein junger Mann, der nicht mehr will leben, 20 […]
Die Alte liegt auf einer Bank am Rande einer mit Gänseblümchen übersäten satten Wiese. Als ich näher an sie herantrete, setzt sie sich auf, legt beide Hände vor ihr Gesicht und beginnt zu schluchzen. Innerhalb weniger Momente sind ihre Hände Tränen-nass, es tropft laut auf das Weich der Wiese. Ich wundere mich erst ob der Situation, dann verstört sie mich. Mir verschlägt es kurz den Atem und lang die Sprache. Kein Wort will mehr über meine Lippen kommen. Mein Herz stolpert. Meine Augen füllen sich mit den Wassern der Meere. Mein Sein ist geladen, emotional aufgeladen, durch den Kummer der Alten. Plötzlich schaut sie mich an. Aus dem Nichts erscheint das schönste Lächeln, das meine Augen bisher erblicken durften. Ich schüttele ungläubig den Kopf. "Mein Mädchen, spiel mit mir!"
Diese Kamera hat mir mehr über die Fotografie erzählt, als jedes Buch, jeder Mensch, jede Reportage ... Ihr Name ist und war für mich Programm! Dabei wusste ich, als ich sie während der Pandemie erwarb, nicht viel oder gar nichts über Großformatkameras. Ich wusste nur, dass ich lernen wollte, Wetplates anzufertigen. Dafür brauchte ich ein analoges Gerät. Schnell packte ich Gelegenheit am Schopfe, in einem Forum erstand ich eine gebrauchte Mentor Studio, die irgendwie in den Westen von Deutschland gereist war. Ein wenig probierte ich mit Wetplates herum, stellte aber schnell fest, dass diese Art der Fotografie nichts für mich war, zu langsam, zu chemisch, zu anstrengend. Nun stand die Kamera herum. Bis ich Karoline Schneider aus Berlin auf einer Ausstellung traf. Von ihr waren dort Wetplates und Papiernegative zu sehen, von mir Polaroids. Wir begegneten uns im analog kreativen Raum. Diese Begegnung schätze ich bis heute so sehr. Weil Karoline mich fragte, warum ich nicht einfach Fotopapier in die Kassetten legte, um diese direkt zu belichten und anschließend in der Dunkelkammer zu entwickeln? Ja, warum eigentlich nicht?
Sehen umfasst nicht nur die Fähigkeit, elektromagnetische Wellen zu registrieren, sondern auch die, auf diese Wellen zu reagieren. Die Stäbchen und Zapfen in unserer Netzhaut nehmen den Lichtreiz wahr, leiten diese Information zum Gehirn weiter, und wir reagieren auf die Information. Auch Pflanzen können das visuelle Signal in physiologisch erkennbare Instruktionen übersetzen.