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Zauberei

Zauberei. Das Wort klang so viel schöner als das englische: It’s magic. Sie wiederholte es ein paar Mal. Sauberrei. Sauberrei. Mit ihrem herrlichen argentinischen Akzent. Sauberrei. Aus dem harten Z wurde ein weiches S, aus dem Rachen-R ein rollendes. Ich verschwand wieder unter dem glitzernden Stoff hinter meiner Großformatkamera, Zauberei. Eine Begegnung wie ein Zufall, der keiner war. 

Wir wohnen nur wenige Häuser voneinander entfernt und wären uns doch auf der Straße wahrscheinlich nie begegnet. Ein Hinweis über einen Hinweis hat uns zusammengeführt. Zwei sehr unterschiedliche Menschen: unterschiedliches Alter, unterschiedliche Herkunft. Gleich ist: beide Frauen, beide arbeiten mit ihren Körpern, beide brennen für die Kunst. Ich Fotokünstlerin, sie Tänzerin. Sie Fahrradfahrerin, ich Fußgängerin. Sie kleinschmal, ich großmonumental. Sie beweglich und geschmeidig und stark, ich wuchtig und stark, sie dunkelkurzhaarig, ich blondlockig.

Wir teilen die Liebe zum analogen Leben. Sie kam ohne Handy zu mir. Im Moment zu sein, das genossen wir beide, ohne Worte darüber verlieren zu müssen. Sie erzählte von ihrer Kindheit mit Discman und Videokassetten, eigentlich viel zu jung dafür, und doch trug sie diese Erinnerungen wie ein kleines Geheimnis mit sich.

Wir einigten uns auf Englisch als unsere Sprache. Manchmal fanden wir die passenden Worte nicht und redeten dann mit dem ganzen Körper. Ich erzählte von Ostdeutschland, der leidvollen Geschichte dahinter. Sie erzählte von den Madres de Plaza de Mayo aus Buenos Aires. Die Wunden unserer Heimaten. Wir hatten uns so viel zu erzählen, zwei Nachbarinnen unterschiedlich gleich, zusammengeführt durch einen Hinweis über einen Hinweis.

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25. August 2026

Antje Kröger lebt und arbeitet als freie Fotografin und Fotokünstlerin in Leipzig. Das Spektrum ihrer Tätigkeit reicht vom Portraitieren anspruchsvoller Einzelkunden bis hin zu umfassend fotografisch künstlerischen Arbeiten in den Bereichen Werbung, Musik, Mode, Film, Theater etc. Im Fokus ihrer Arbeiten steht der Mensch, die Kommunikation mit dem Gegenüber ist der Schlüssel ihres Werks.

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rausch als erster taumel. der moment, in dem die grenzen der haut nicht mehr halten, in dem farbe zu blut wird, blut zu farbe, in dem zwei gesichter sich übereinanderlegen, keines mehr das eigene. lametta wie ein vorhang zwischen wachsein und traum, traum und wachsein. gold, das schneidet, licht, das lügt. der körper bemalt, beschriftet, überschrieben. rote linien, die adern nachzeichnen oder sie erfinden. was zuerst nur schatten war, geworfenes licht, wird mit rotem lippenstift nachgezogen, festgehalten, behauptet, der schatten zur wunde gemacht, die vorlage zur handlung. rausch als erster schritt in die auflösung. der mensch selbst verschwimmt darin, er ist nicht einer, der den rausch erlebt, er ist der rausch, sein gesicht löst sich auf, bevor die kamera es fassen kann, seine konturen zerlaufen wie farbe im wasser. bevor der tod kommt, bevor die imagination übernimmt.
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