DER RAUSCH
rausch als erster taumel. der moment, in dem die grenzen der haut nicht mehr halten, in dem farbe zu blut wird, blut zu farbe, in dem zwei gesichter sich übereinanderlegen, keines mehr das eigene. lametta wie ein vorhang zwischen wachsein und traum, traum und wachsein. gold, das schneidet, licht, das lügt. der körper bemalt, beschriftet, überschrieben. rote linien, die adern nachzeichnen oder sie erfinden. was zuerst nur schatten war, geworfenes licht, wird mit rotem lippenstift nachgezogen, festgehalten, behauptet, der schatten zur wunde gemacht, die vorlage zur handlung. rausch als erster schritt in die auflösung. der mensch selbst verschwimmt darin, er ist nicht einer, der den rausch erlebt, er ist der rausch, sein gesicht löst sich auf, bevor die kamera es fassen kann, seine konturen zerlaufen wie farbe im wasser. bevor der tod kommt, bevor die imagination übernimmt.










DER TOD
der tod trägt eine maske aus gold und schachbrettmuster, einen schnabel wie die pestärzte einst, die kamen, um zu berühren, was niemand mehr berühren wollte. er versteckt sein gesicht. würden wir uns noch mehr ängstigen, könnten wir es sehen? ist es von narben überhäuft? jung oder alt? ist der tod ein mann, eine frau oder ein zwischenwesen? wir wissen so wenig über des tods gestalt und wesen. rotes haar wie das letzte, was noch lebt, wird gegriffen, gehalten, verwischt zwischen händen, die nicht wissen, ob sie umarmen oder festhalten. die bilder verdoppeln, verdreifachen sich, als könnte der tod nicht an einem ort bleiben. hände, die durchs haar fahren wie durch etwas, das man loslassen muss und nicht loslassen kann. nach dem rausch kommt die maske. kalt, glänzend, nicht-persönlich, und darunter ein gesicht, das man nie ganz sieht. vielleicht ist genau das die einzige antwort, die bleibt, dass niemand sie sehen darf, bevor die imagination übernimmt.










DIE IMAGINATION
imagination. das, was bleibt, wenn rausch und tod durchlebt sind. körper, die sich aneinander lehnen, einer dick, offen, ungeschönt, der andere mit verbundenen augen, als hätte er genug gesehen. rotes haar wie eine noch lodernde flamme, die zwischen ihnen brennt. ein stück stoff um die sehenden augen, welches nicht schützt, sondern trennt. zwischen sehen und vorstellen, zwischen wissen und ahnen. die dicke haut wird nicht versteckt, die dellen und falten sind da, sichtbar, real, kein makel, nur körper. die vorstellung vom selbst ist oft fremd. das fremde, andere allerdings, ein wunsch häufig. dies in seiner gleichzeitigkeit zu begreifen, schwer bis unmöglich. die vorstellungskraft setzt sich über den tod hinweg. sie darf alles denken, fühlen und sein. sie ist ein teil, der uns zaubern können lässt; der letzte, der bleibt, wenn alles andere, rausch und tod, längst verklungen ist.








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