// ÜbernachtSchlaflosfahrtvonLEipzig-nach-Wien, Busfahrt 76A, Friedhof der Namenlosen, Alberner Hafen in Bauhausoptik, Donau im kalten Boden-Morgen-Nebel, Museumsquartier zum Ersten und zum Zweiten, Kroatisches Super-Frühstück im Hipster-Bezirk, sonnengetränkter Himmel, Wiener Schmäh, Graffiti-Kunst und andere Graphiken an Giebeln und Häuserwänden, antike mechanische Standwaagen im öffentlichen Raum, Ukrainische Flüchtlinge, teure Caféhausbesuche mit wechselnden Angeboten, Klimt, Kokoschka, Schiele, Würstelstand, Tauben, den Opfern des Faschismus, Fenster Café, weihrauchgetränkte Orthodoxe Kirche, Tram-Fahrten, Regenspaziergang an der Donau, Club Flex als Fotokulisse, Herminengasse, Naschmarkt, Albertina, Basquiat, Picassos Friedenstaube, Paul Klee, Spiegellabyrinth im Edelcafé, Bosna, kaputter Winterprater, viel fleischliche Kulinarik, U-Bahnfahrten, Matzleinsdorfer Platz, Berggasse 19, Sigmund Freud, Man Ray, Psychoanalyse und Surrealismus, Freundetreffen, Judenplatz, Helmut Newton, Heilige Drei Könige, Shakespeare im Burgtheater, Der Mann der verwöhnt, Sonne zum Abschied, Busfahrt der Tränen //
Prag (Juni 2022) – Ein Käfig ging einen Vogel suchen
„Sie sind ein Deutscher, nicht wahr?«»Ja«, sagte Karl, »Ich bin noch nicht lange in Amerika.«»Woher sind Sie denn?«»Aus Prag in Böhmen«, sagte Karl.»Sehen Sie einmal an«, rief die Oberköchin in einem stark englisch betonten Deutsch und hob fast die Arme, »dann sind wir ja Landsleute, ich heiße Grete Mitzelbach und bin aus Wien. Und Prag […]
Ein warmer August-Tag, eine überteuerte Taxifahrt, zwei Friedhöfe, eine Suche nach des Großmutters Grab und sechs Schläfenlocken Die Dichterstadt Czernowitz gehörte erst zur österreichisch-ungarischen k.u. k.-Monarchie, dann zu Rumänien und zur Sowjetunion. Deswegen war ich in diese Stadt gekommen: Der alte, jüdische Friedhof von Czernowitz, 1866 eröffnet. Derzeit zählt er ungefähr 55 000 Gräber. Die […]
Ende März 2022Ich muss die Arbeit an dieser Reisereportage dringend abschließen. Zu viel passiert Stunde um Stunde, Tag um Tag. Marina Weisband sagte die Tage, wenn es so weitergehen würde, sei die Existenz der Ukraine bedroht und nächsten Winter gäbe es dieses Land nicht mehr. Unglaublich. Nicht zu glauben. Schon jetzt gibt es Orte im […]
Warum habe ich diese alten Schätzchen ausgegraben? (Habe übrigens nur mein digitales Werk von dieser Reise gefunden, erst einmal. Die Negativstreifen werde ich im Archiv suchen, dazu muss ich länger abtauchen.) Warum das Zeigen dieser Fotos in diesem Augenblick des Weltgeschehens? Schließlich liegt die Reise fast 18 Jahre zurück. Aber ich erinnerte mich dieser Tage […]
Destrudo // 101 Spaziergänge auf dem Leipziger Ostfriedhof
Mit Sonne auf meinen Schultern 101 mal gelogen. Übertrieben. Gefühlt nur. Nur einmal mit dem analogen Fotoapparat eingefangen. Bisher. Bisher nur begangen, beschaut, befühlt, betreten, beobachtet. Bewegt, beschwingt. Bedächtig. Bewegung ins Spiel gebracht. Die Welt zu weit in der Welt. Statische Mauern innen drinnen abgerissen, das Außen schmilzt zeitlupisch. Abgestützte Grabplatten, das Konterfei eines Sowjets, […]
Palermo – Italien ohne Sizilien macht gar kein Bild in der Seele: hier ist erst der Schlüssel zu allem (Oktober 2021)
Palermo zum Dritten! In eben jenem Anlauf klappte es für Antje endlich, die sizilianische Hauptstadt zu erreichen. Begonnen hatte alles mit einem „Für“, damals bei „Fresse zeigen“. Eine Dame, die für Palermo war, mit der Begründung, dass der palermitische Bürgermeister, Leoluca Orlando, sagte: „Wer in Palermo ist, ist Palermitani“. Das war 2016, zu einem Zeitpunkt, an dem an Palermos Stränden Unmengen an Flüchtlingen anlandeten. Unter welchen Umständen will man sich gar nicht ausmalen. Dies führte zu dem Versuch, eine der Reiserouten, die Antje alljährlich, aus fotografischem Interesse beginnt, in Palermo enden zu lassen. Doppelt wurde ihr das verwehrt. Erst durch Corona, dann durch zu hohe Kosten für Flüge oder zu wenig finanziellen Background, ganz klar war das nicht zu trennen. Eventuell könnte Covid auch indirekt für beide Absagen verantwortlich sein.
Genua ist ehrlich. Gnadenlos ehrlich, wenn sie ihren Gästen zur Begrüßung mehr Ratten vor die Füße schickt, als Menschen vor die Augen. Sie hat eine gezierte Ehrlichkeit, die versteckt. Die das, was doch auf der Hand liegen sollte, erst nur in kleinen Dosen und Ausschnitten zeigt, den geduldigen Gästen, dann aber doch alles gibt, was sie sich vorgestellt haben und dann noch viel mehr.
Visionär ehrlich, wenn es die Durchmischung von Menschen zeigt, die Europas Zukunft prägen wird, prägen muss. Es ist jeglicher Hautton vertreten. Worte etlicher verschiedener Sprachen schwirren durch die Luft. Es gibt Clans, Familien groß und in klein, Einzelgänger, freiwillige und dazu gezwungene, es gibt die Gutbetuchten und die Bettelarmen, die Aufgetakelten und die lässig, kaum Bekleideten, Paare und Gruppen, durchmischte und klar aufgeteilte.
Los. Fahren. An. Kommen. Beide Zustände elementar für das Reisen. In diesen Zeiten gesellt sich übergroße Vorfreude dazu. Möglichkeit hatte sich seit einer bleiernen Ewigkeit nicht verändert. Manchmal war ich kurz an meine Kindertage vor 1989 erinnert. „Frei“ fühlte ich dennoch fast immer. Alles hängt von der Perspektive und dem Wissen (darum) ab. Spontane Entscheidung […]
Balkanreise (Albanien, Nordmazedonien, Serbien) September 2019
Februar 2021 (der zweite Versuch, es aufzuschreiben): Endlich kann ich meine letzte Reisereportage auf den Weg bringen. Denn unseren Besuch in Genua, Italien im letzten Sommer wird ja Tobi schreiben. Und mehr Reisen waren aufgrund der weltweiten Pandemie leider nicht möglich. Ich bin ausgehungert und habe Durst nach Welt. Ich vermisse sie. Die Menschen, die […]