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Ich bin ein Mädchen des Nordens. Ich bin ein Mädchen der Stadt. Ich liebe die Stadt.

Niemals kann diese zu groß für mich sein. In sie wurde ich hineingeschleudert, aus ihr werde ich wieder hinauskatapultiert werden – irgendwann. Niemals kam und kommt für mich das Dorfleben, ein Landleben infrage. Als kleines Mädchen war „meine“ Stadt mittelgroß, als etwas größeres Mädchen war sie klein, wenig-tönig, zu eng für mein weites Denken. Als großes Mädchen zog ich in die große Stadt, die immer weiter wuchs und das Wachsen bis heute nicht verlernt hat. Hinweg. Hinaus aus dem Norden.

Jeden Kindheits-Sommer besuchte ich die Papa-Großeltern auf dem Land. Ich mochte Oma und Opapa sehr, ihre Geschichten, ihre Liebe zu mir. Aber mit dem Leersein im ziemlich kleinen Dorfe konnte ich mich niemals anfreunden. Meine Großmutter und mein Vater wohl auch nicht. Die Großmama war in Königsberg aufgewachsen. Damals, in ihren Kindertagen eine stattliche Stadt mit fast 400.000 Einwohnern. Als junge Frau katapultierte sie ein Flüchtlingstreck nach deutscher Kriegsniederlage in das sächsische Dorf an der Grenze zu Brandenburg. Aber sie war und blieb immer eine Madame der Stadt. Die schwarz/weißen Fotografien der Eleganz, stehend auf der Dorf-Schlafzimmerkommode, zeigten dies deutlich. Dennoch, bis zu ihrem Tod harrte sie aus, nahm ihr Schicksal an. In Würde würde ich gerne schreiben, aber es war wohl eher eine Kapitulation. Das in die Jahre gekommene Wohnhaus am Rande des Dorfes neben dem Kuhstall, mit Wald und Wiese vor der Tür bot ihr ein gutes Zuhause, aber das ostpreußische Herz wurde nie wirklich satt im ländlichen Sachsen, es sehnte sich nach Mensch, nach Kultur, nach mehr Leben und Erleben, nach Heimat.

Vati (gesprochen in DDR-deutsch!) flüchtete aus dieser Dorf-Enge, der Enge des Ortes, der Familie, der Konventionen und Erwartungen, wieder Richtung Norden, in die mittelgroße Stadt. Zeitlebens blieb er jedoch auf der Suche. Er suchte und suchte, kam aber nicht hinweg über die Grenze, die damals politisch gesetzt war. Sein Leben war zu kurz für mehr Stadt, sein Herz blieb hungrig, auch.

Manchmal besuche ich das nördliche Landleben für ein paar Tage. Oder das Leben in der kleinen Stadt mütterlicherseits, die heute noch viel weniger Töne hat, als zu dem Zeitpunkt, als ich sie verließ. Diese Tage sind meist voller Emotionen, weil es Tage mit Familie oder Freunden sind. Diese leben auf meinem liebsten Stück Erde des deutschen Landes, in Mecklenburg. Das Stück Land glänzt in seiner Schönheit, natürlich. Aber es quält auch mit Tristesse, sobald ich länger als drei Tage dort verweile, es schnürt mir die Kehle zu und lässt mich am langen Arm verhungern. So ist das wohl mit der Liebe zur Heimat. Das Schöne und das Hässliche, gefühliges Wechsel-Duschen. Was wäre das eine ohne das andere und das andere ohne das eine?


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