Ich bin ein Mädchen des Nordens. Ich bin ein Mädchen der Stadt. Ich liebe die Stadt.
Niemals kann diese zu groß für mich sein. In sie wurde ich hineingeschleudert, aus ihr werde ich wieder hinauskatapultiert werden – irgendwann. Niemals kam und kommt für mich das Dorfleben, ein Landleben infrage. Als kleines Mädchen war "meine" Stadt mittelgroß, als etwas größeres Mädchen war sie klein, wenig-tönig, zu eng für mein weites Denken. Als großes Mädchen zog ich in die große Stadt, die immer weiter wuchs und das Wachsen bis heute nicht verlernt hat. Hinweg. Hinaus aus dem Norden.
Ich hänge am Tod. Oder hängt dieser gar an mir? Solange ich mich erinnern kann, stellte ich die Frage: Gehen wir heute auf den Friedhof? Sobald meine Frage im Raum herumschwirrte, war die Antwort schon in Stein gemeißelt: Natürlich. So trabte ich an Großmutters Hand und an ihrer Seite den Weg zum Friedhof der Stadt, in der ich geboren wurde. Dort befand sich Großvaters Grab. Ein Großvater, der nur drei Monate, bevor ich das Licht der Welt erblicken sollte, starb, um in dieser Grabstelle ewig weiterzuleben. Oma und ich besuchten Benno. Tot oder lebendig. Spielte doch keine Rolle. Besuch war Besuch. Großvater war Großvater. Zu Hause, also in Omas Wohnung (Zeit meines Lebens hatte ich nicht nur ein Zuhause, Orte, die ich von Herzen liebte, nannte ich schnell "Zuhause", auch wenn sie nur kurz durch mein Leben hindurch reisten), schaute ich mir die alten Fotografien aus dem Karton an. Schließlich brauchte ich ja ein Bild von Benno in meinem Kopf.
Ein warmer August-Tag, eine überteuerte Taxifahrt, zwei Friedhöfe, eine Suche nach des Großmutters Grab und sechs Schläfenlocken Die Dichterstadt Czernowitz gehörte erst zur österreichisch-ungarischen k.u. k.-Monarchie, dann zu Rumänien und zur Sowjetunion. Deswegen war ich in diese Stadt gekommen: Der alte, jüdische Friedhof von Czernowitz, 1866 eröffnet. Derzeit zählt er ungefähr 55 000 Gräber. Die […]
Destrudo // 101 Spaziergänge auf dem Leipziger Ostfriedhof
Mit Sonne auf meinen Schultern 101 mal gelogen. Übertrieben. Gefühlt nur. Nur einmal mit dem analogen Fotoapparat eingefangen. Bisher. Bisher nur begangen, beschaut, befühlt, betreten, beobachtet. Bewegt, beschwingt. Bedächtig. Bewegung ins Spiel gebracht. Die Welt zu weit in der Welt. Statische Mauern innen drinnen abgerissen, das Außen schmilzt zeitlupisch. Abgestützte Grabplatten, das Konterfei eines Sowjets, […]
inspiriert von* TOTENVÖGELVon einem Berliner Friedhof Ihn schließen Feuerwände ein,Ganz leer und ohne Scharten:Ein Nebel wankt von Stein zu SteinIm schlimmen Totengarten. Im Nebel sitzen dünn und mattDie Toten in den EschenUnd stieren nach der lieben StadtDurch Mauern ohne Breschen. Ein Schlot schreibt wie ein RiesenstiftIm Nebel schwarze Reihen.Die Toten plappern nach die Schrift,So klug […]