zeitz-analogefotografie-agat18k-kirchwand

Herbst-Zeitz-Los Ende September

Neue (Zug)Reisegeschichten aus (ost)deutschem Land, mit dem Konvolut analoger Kameras, immer regelmäßig aktualisiert wird Leipzig, auch neue Orte kommen hinzu.


Zu diesem Zeitpunkt gibt es 9 Kapitel meiner 9-Euro-Ausblicke. Hier geht es zum Inhaltsverzeichnis:

9-Euro-Ausblicke-Und-Weiterreisend / Inhaltsverzeichnis


zeitz-analogefotografie-agat18k-orangerie
Herbst-Zeitz-Los Ende September

Zeitz, Ende September 2025. Eine Stadt ohne Menschen, dafür Autos, die rumcruisen, und kleine Gangs aus jugendlichen Mopedfahrern, wie ich sie aus meiner Jugend kenne. Zeitz, ein schön sanierter Bahnhof, kaum Menschen. Einmal in der Stunde fährt ein Bummelzug aus Leipzig in die Stadt in Sachsen‑Anhalt, die einst geblüht haben muss. Die verfallenen Gründerzeithäuser stammen aus dieser Blüte. Manche hoffen ja tatsächlich, dass Zeitz vor dem Aussterben gerettet werden kann. Ich glaube das nicht. Habe in den letzten Jahren so viele dieser mittelgroßen Oststädte besucht. Überall quält sich die Strukturlosigkeit, und die Veralterung der Einwohnerinnen schlängelt sich durch den Alltag. So wie Detroit und Cleveland in den USA, nur eben in der ehemaligen DDR. Keine Jobs, wenig Kunst und Kultur, und etwas zu essen suchte ich an einem Samstag auch ohne Ergebnis. Was nützt die „schöne Natur“, was nützen ehemalige Schlösser und Fabriken, die nun Museum sind, Kirchen, die saniert werden, und eine alte Fabrik als Co‑Working‑Platz, wenn die Menschen, die in Zeitz leben müssen, keine Zukunftspläne mehr haben, weil sie nur einen ruhigen Lebensabend genießen wollen, die billige Miete brauchen oder ihr abbezahltes Häuschen nun auch nutzen wollen? Leben ohne Utopie. Leere. Vereinsamung. Rassismus. Wirtschaftlicher Exodus. Schade. 

Vor der ehemaligen Orangerie, die jetzt eine Schnitzelmanufaktur ist, schaut ein Alter sich um. Schließlich setzt er sich zu mir. Wir kommen ins Tratschen über das Leben im Allgemeinen, über die Fotografie im Speziellen. Er erzählt mir von seiner Hasselblad, für die er einst 10.000 DM bezahlt hatte. In seinem früheren Leben baute er kleine Brauereien in Bayern auf, machte das Marketing dafür selbst, also auch die Fotografie. Er fragte mich ganz neugierig, wo ich denn meine Filme entwickeln lasse und wo ich meine Vergrößerungen anfertigen lasse. Er hätte aufgehört zu fotografieren, als alles digital wurde. Irgendwann rief ihn seine Verwandtschaft, denn sie feierten den 90. Geburtstag seines Bruders. Er musste zurück zu seinen Menschen, schaute mich an und lächelte: „Schön, dass ich Sie getroffen habe, wenn ich wieder am Chiemsee bin, werde ich die Hasselblad wieder herausholen!“

zeitz-analogefotografie-agat18k-hoteis
Herbst-Zeitz-Los Ende September
zeitz-analogefotografie-agat18k-herbst
Herbst-Zeitz-Los Ende September
zeitz-analogefotografie-agat18k-kunstfest
Herbst-Zeitz-Los Ende September
zeitz-analogefotografie-agat18k-strassenlaterne
Herbst-Zeitz-Los Ende September
zeitz-analogefotografie-agat18k-bachlos
Herbst-Zeitz-Los Ende September
zeitz-analogefotografie-agat18k-kapitelschenke
Herbst-Zeitz-Los Ende September
zeitz-analogefotografie-agat18k-dynamodresden
Herbst-Zeitz-Los Ende September
zeitz-analogefotografie-agat18k-2ddrfassade
Herbst-Zeitz-Los Ende September
sachsenanhalt14-ddr-analogefotografie
Herbst-Zeitz-Los Ende September
zeitz-analogefotografie-agat18k-rechtsanwalt
Herbst-Zeitz-Los Ende September
zeitz-analogefotografie-agat18k-bauag
Herbst-Zeitz-Los Ende September
zeitz-analogefotografie-agat18k-ddrzaun
Herbst-Zeitz-Los Ende September
zeitz-analogefotografie-agat18k-konditorei
Herbst-Zeitz-Los Ende September
zeitz-analogefotografie-agat18k-kaffee
Herbst-Zeitz-Los Ende September
zeitz-analogefotografie-agat18k-schloss
Herbst-Zeitz-Los Ende September

Werbung

NÄCHSTER FOTOWORKSHOP

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

2. Oktober 2025

Antje Kröger lebt und arbeitet als freie Fotografin und Fotokünstlerin in Leipzig. Das Spektrum ihrer Tätigkeit reicht vom Portraitieren anspruchsvoller Einzelkunden bis hin zu umfassend fotografisch künstlerischen Arbeiten in den Bereichen Werbung, Musik, Mode, Film, Theater etc. Im Fokus ihrer Arbeiten steht der Mensch, die Kommunikation mit dem Gegenüber ist der Schlüssel ihres Werks.

Latest

Auf den Punkt gekommen
Bewegungsunscharfe Aufnahme einer dicken Frau im Ausfallschritt, gepunkteter Rock, glitzernder Hintergrund, analoge Großformatfotografie, clowneske Dynamik

Auf den Punkt gekommen

Tupfen über Tupfen, schwarz und weiß. Wirklich? Oder sehen wir sie nur schwarz und weiß? Illusion! Gold glitzert im Hintergrund (Woher wissen wir denn das? Es könnte doch auch Silber sein!) Der Raum gleicht einer Zirkuskulisse, die ihr Unterhaltungsversprechen längst gebrochen hat. Die kleinen und großen Punkte. Dots. Das Muster des Clowns, komisch und traurig zugleich, ein Kostüm. Der Körper dick, unverstellt, geöffnet. Kein Grund zur Scham, nur Fleisch
26. August 2026
Rausch-Tod-Imagination
Dicke Frau berührt sanft die roten Haare einer Frau mit verbundenen Augen, Nahaufnahme der Hände im Haar, dunkler strukturierter Hintergrund, konzeptuelle Imagination-Fotoserie

Rausch-Tod-Imagination

rausch als erster taumel. der moment, in dem die grenzen der haut nicht mehr halten, in dem farbe zu blut wird, blut zu farbe, in dem zwei gesichter sich übereinanderlegen, keines mehr das eigene. lametta wie ein vorhang zwischen wachsein und traum, traum und wachsein. gold, das schneidet, licht, das lügt. der körper bemalt, beschriftet, überschrieben. rote linien, die adern nachzeichnen oder sie erfinden. was zuerst nur schatten war, geworfenes licht, wird mit rotem lippenstift nachgezogen, festgehalten, behauptet, der schatten zur wunde gemacht, die vorlage zur handlung. rausch als erster schritt in die auflösung. der mensch selbst verschwimmt darin, er ist nicht einer, der den rausch erlebt, er ist der rausch, sein gesicht löst sich auf, bevor die kamera es fassen kann, seine konturen zerlaufen wie farbe im wasser. bevor der tod kommt, bevor die imagination übernimmt.
26. August 2026
Zauberei
nahporträt tänzerin mit kurzhaarschnitt, kopf geneigt, intimes analoges schwarzweißporträt, fotoserie zauberei

Zauberei

Zauberei. Das Wort klang so viel schöner als das englische: Its magic. Sie wiederholte es ein paar Mal. Sauberrei. Sauberrei. Mit ihrem herrlichen argentinischen Akzent. Sauberrei. Aus dem harten Z wurde ein weiches S, aus dem Rachen-R ein rollendes. Ich verschwand wieder unter dem glitzernden Stoff hinter meiner Großformatkamera, Zauberei. Eine Begegnung wie ein Zufall, der keiner war.
25. August 2026
Neues Website-Design

Neues Website-Design

Lange hab ich es vor mir her geschoben! Aber nun. Nun ist es passiert. Ein neues Design für meine Website. Minimalistisch. Sicher. Übersichtlicher.
22. August 2026
Stanze
extreme nahaufnahme gesicht mit nägeln im mund, bemalte haut mit gitterlinien, expressives selbstporträt stanze-serie

Stanze

Genäht dort, wo etwas heraus gestanzt wurde. Blutunterlaufen. Kreise bildend. Die großen Schrauben halten den Körper weiterhin zusammen. Da, wo das Licht hineindringt, kann der Schmerz nicht zu groß sein. Haut ist Grenze. Blut ist Sprache. Weich gegen hart. Metall gegen Haut. Scherben als Ganzes, der Unterschied als Leichtigkeit. Eine andere Naht versperrt den Mund, die Sprache, die Meinung, die Worte, die Menschlichkeit, die Moralnadel des Kompass.
14. August 2026