Zauberei. Das Wort klang so viel schöner als das englische: It's magic. Sie wiederholte es ein paar Mal. Sauberrei. Sauberrei. Mit ihrem herrlichen argentinischen Akzent. Sauberrei. Aus dem harten Z wurde ein weiches S, aus dem Rachen-R ein rollendes. Ich verschwand wieder unter dem glitzernden Stoff hinter meiner Großformatkamera, Zauberei. Eine Begegnung wie ein Zufall, der keiner war.
Wir wohnen nur wenige Häuser voneinander entfernt und wären uns doch auf der Straße wahrscheinlich nie begegnet. Ein Hinweis über einen Hinweis hat uns zusammengeführt. Zwei sehr unterschiedliche Frauen: unterschiedliches Alter, unterschiedliche Herkunft. Gleich war: beide Frauen, beide arbeiten mit ihrem Körper, beide brennen für die Kunst. Ich Fotokünstlerin, sie Tänzerin. Sie Fahrradfahrerin, ich Fußgängerin. Sie klein, ich groß. Sie beweglich und geschmeidig und stark, ich monumental und stark, sie dunkelkurzhaarig, ich blondlockig.
Wir teilen die Liebe zum analogen Leben. Sie kam ohne Handy zu mir. Im Moment zu sein, das genossen wir beide, ohne Worte darüber verlieren zu müssen. Sie erzählte von ihrer Kindheit mit Discman und Videokassetten, eigentlich viel zu jung dafür, und doch trug sie diese Erinnerungen wie ein kleines Geheimnis mit sich.
Wir einigten uns auf Englisch als unsere Sprache. Manchmal fanden wir die passenden Worte nicht und redeten dann mit dem ganzen Körper. Ich erzählte von Ostdeutschland, der leidvollen Geschichte dahinter. Sie erzählte von den Madres de Plaza de Mayo aus Buenos Aires. Die Wunden unserer Heimaten. Wir hatten uns so viel zu erzählen, zwei Nachbarinnen unterschiedlich gleich, zusammengeführt durch einen Hinweis über einen Hinweis.









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