Ein sonniger Sonnabend. Auf dem Leipziger Augustusplatz dreht sich das Riesenrad durch den blauen Himmel, die Eisläufer drehen vor der Oper ihre eindimensionalen Runden, in den Holzbretterbuden davor gibt es überteuertes Ess und Trink. Ein paar hundert Meter weiter ist der Naschmarkt. Früher fand hier der Mittelalter-Weihnachtsmarkt statt. Ich war lange nicht mehr auf dem Weihnachtsmarkt, also keine Ahnung, ob das immer noch so ist.
Naschmarkt also heute in antifaschistischem Kostüm. Warum aber? In der Alten Handelsbörse findet eine Wahlkampfveranstaltung der AfD mit Cheffe Tino Chrupalla statt. Knapp tausend Menschen demonstrieren deshalb rundherum um diese Veranstaltung. Alerta, Alerta. Auch ich drehe meine Runden. Als Antifaschistin, natürlich. Als Fotografin, auch natürlich. Ich treffe die Omas gegen Rechts, sehr junge Antifaschistinnen, Kermit den Frosch und so viele andere.
Ich sehe aber auch die Menschen, die inmitten des Leipziger Zentrums, unbeeindruckt ob der Pfiffe und lauten Bekundungen gegen diese Wahlveranstaltung und ob des immensen Polizeiaufgebots, weiter ihre Shoppingrunden durch die blinkenden Konsumtempel drehen. Es geht doch um unser aller Zukunft. Es geht doch um eine menschliche Zukunft. Es geht doch um demokratische Verhältnisse.
Und während ich so darüber nachdenke, habe ich schon eine Salve Pfefferspray im Gesicht – zum Glück unterhalb der Augen. Die nächsten zwei Stunden sind anstrengend. Das Polizeizeug ist hartnäckig. Warum war das eigentlich passiert? Irgendwie kam es zu einer Rangelei zwischen jungen Antifaschistinnen und der Polizei. Alles drumherum wurde mit dem Pfefferzeug vernebelt. Ich war nicht mal nah dran am Geschehen. Kurze Zündschnur Staatsmacht?
Ich gehe zu einem Polizeiwagen, um zu erfahren, was das sollte. Da sagte der Polizist: "Verpiss dich!" Ah ja. Ich sage mal so: Verhältnismäßigkeit ist was anderes. Dennoch: Die Sonne scheint weiter. "Alerta, Alerta" verstummt lange nicht, und in München sind zu dieser Zeit Hunderttausende auf den Straßen.
Vielleicht sickert es ja doch langsam durch. Es geht uns alle an!
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Zauberei. Das Wort klang so viel schöner als das englische: Its magic. Sie wiederholte es ein paar Mal. Sauberrei. Sauberrei. Mit ihrem herrlichen argentinischen Akzent. Sauberrei. Aus dem harten Z wurde ein weiches S, aus dem Rachen-R ein rollendes. Ich verschwand wieder unter dem glitzernden Stoff hinter meiner Großformatkamera, Zauberei. Eine Begegnung wie ein Zufall, der keiner war.
Genäht dort, wo etwas heraus gestanzt wurde. Blutunterlaufen. Kreise bildend. Die großen Schrauben halten den Körper weiterhin zusammen. Da, wo das Licht hineindringt, kann der Schmerz nicht zu groß sein. Haut ist Grenze. Blut ist Sprache. Weich gegen hart. Metall gegen Haut. Scherben als Ganzes, der Unterschied als Leichtigkeit. Eine andere Naht versperrt den Mund, die Sprache, die Meinung, die Worte, die Menschlichkeit, die Moralnadel des Kompass.
Zahl, was es dir wert ist – analoge Porträts im August und September
EIN Angebot, bei dem DU entscheidest, was dir meine Arbeit wert ist. August und September 2026 öffne ich mein Atelier in Leipzig für 90-minütige analoge Fotoshootings: Porträt, Akt oder Künstlerfotografie, ganz wie du möchtest. Fotografiert wird mit meiner alten DDR-Großformatkamera, direkt auf Fotopapier – manchmal 50 bis 70 Jahre alt, mit all seinen Eigenheiten, seinem […]
Im Schwanensee thront ein Körper wie ein dunkler Sockel im Wasser, schwer und bewegungslos, als hätte das Licht beschlossen, ihn niemals zu beleuchten. Auf diesem Monument hängt ein weißer Geist, unruhig, ein flatternder Trotz aus Haut und Atem, der sich an das Prachtgefieder klammert, es umarmt, bedrängt, verdreht. Bis aus der Ruhe ein Beben wird und aus dem Beben eine Welle. Kein Sieg, keine Niederlage, sondern jenes gefährliche Dazwischen, in dem der See zuhört und selbst zum verschlingenden Tier mutiert.