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Witwenspitz

In einem Dokumentarfilm über Ihren Vater heißt es, dass einmal eine Frau zu Besuch kam, die lila gekleidet war, und er hat gesagt, das könne er nicht sehen.

Ja, die Farbe Lila ertrug er nicht. Die Farbe war für ihn dramatisch, weil die Toten vom elektrischen Zaun alle lila waren. Gleichzeitig hat er auch diese eskapisti­schen Gedankenspiele gemacht, da haben er und seine Mithäftlinge sich auf den Rücken gelegt und in die Luft geschaut. Wenn sie in den Himmel geblickt haben, sahen sie keinen Stacheldraht. Es gab auch ganz berühmte Leute in diesem Teil des Lagers, wo er war. Der Schriftsteller Elie Wiesel zum Beispiel. Viele haben uns dann später zu Hause besucht. Über Jahre kamen immer wieder Menschen, die mein Vater aus dem Lager kannte. (Martin Moszkowicz. ZeitMagazin 14.8.2025 N0 35)

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Witwenspitz

Ein Raum, durchbrochen vom Licht.
Es fällt in Schichten, in Farben.
Manche schneiden wie Klingen, sie erinnern an den Schrecken.
Andere wärmen, intensiv, beinahe zärtlich.
Auf dem Hocker eine Gestalt, wie ein Monument.
Ein Körper, von Erinnerung überzogen. Sie. 

J’ai la nostalgie de la nostalgie. Constamment. Je suis une veuve du corps. Je n’ai jamais contracté de mariage avec une créature, pourtant beaucoup ont quitté mon monde, le monde du sexe.

Viele Kreaturen sind durch sie geströmt, über sie, in sie hinein.
Eine nach der anderen, verschwunden wie Schatten.
Zurück bleibt ein Raum aus Licht und Stille.
Nur die Farben tragen noch die Geschichte.

Nun sitzt sie da,
unter einem Schleier aus Trauer. Witwenspitz.
Trauer über das Ungesagte, über das Ungelebte, über Fäden, die sich nie verknüpften, über Wege, die nicht zueinander fanden …

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