Farbfoto, Mann mit schwarzer Mütze und Zigarette steht vor einer grün-weiß-rot gestrichenen Hauswand mit zwei gerahmten Porträts, links bärtiger Mann mit Schriftzug, abgeplatzter Putz, Sofia, digital, Leica

Bulgarien (OKT 2026) – Sofia second

Wieder mit dem Zug, diesmal dauert es fünf Stunden für schmale acht Euro. Diese Fahrt zieht sich ganz schön hin. Als der Zug in Sofia hineinfährt, finde ich es ganz schön, wie ein Zurückkommen, wie ein Ankommen, wie ein: Oh, das kenne ich hier schon. Das mag ich. Danach fahre ich mit der Metro in mein neues Hostel. Diesmal habe ich eine Herberge gebucht, die etwas weiter aus dem Zentrum heraus liegt. Ich will in eine andere Gegend, in einen anderen Stadtteil, will nicht im Zentrum sein. So bin ich in einem kleinen Hostel, einer Herberge zwischen Wohngebäuden gelandet, sehr ruhig, sehr wenige Gäste, sehr gut für meine Zwecke.


Am nächsten Tag, es ist Samstag, will ich eigentlich schnurstracks auf den Flohmarkt, der am Stadtrand liegt. Ich laufe zur Metro, werde dann aber durch einen morgendlichen Tiermarkt abgelenkt. Dieser erinnert mich an längst vergangene Zeiten. Als ich Kind war, war ich mit meiner Großmutter regelmäßig auf einem Tiermarkt für Kleintiere, für Tauben und Hühner und Meerschweinchen und Hamster. Jedes Mal gewann ich bei der Tombola irgendein Tier, nur mitnehmen durfte ich es nie, weil die Mutti es nicht erlaubte. Hier stehen lauter Männer herum mit den kleinen Tierchen. Ein wenig irritieren mich die Käfige mit den kleinen Hundewelpen. Ich schlendere fotografisch über diesen Markt und fahre erst dann Richtung Flohmarkt. Auf einmal kommt auch die Sonne wieder heraus. Mittlerweile ist es ja trister Herbst geworden, und die Temperaturen sind sehr zurückgegangen. Ich fahre sehr lange mit dem Bus, während dieser Busfahrt geht es vorbei am Hauptfriedhof von Sofia. Ich klebe an der Fensterscheibe, erkenne ihn natürlich sofort wieder. Vor acht Jahren war ich dort sehr lange fotografisch unterwegs im Schnee und hatte ziemlich wilde Stunden. Da ist wieder dieses Gefühl von: Hier war ich schon mal, das kenne ich. Love it. Aber diesmal habe ich ein anderes Ziel.


Nach gefühlter Ewigkeit steige ich in der Pampe aus dem Bus, laufe einen Berg hoch und denke: Das jetzt hier ist der Flohmarkt? Wo ist der Flohmarkt? Dann sehe ich ihn. Aber alle packen ein. Alle sind fertig. Der Flohmarkt geht nur bis 14:00 Uhr, und es ist Punkt 14:00 Uhr. Das ist aber heute auch mein Glück, denn auf einmal kommen sie: die Schatzsucher und Schatzsucherinnen. Viele Händler lassen einfach ihr Gut auf der Erde liegen, man kann sich daran ergötzen, sich bedienen und Dinge mitnehmen. Ich hebe (m)einen kleinen Flohmarktschatz, bis mein Rucksack voll ist. Mehr kann ich leider nicht mitnehmen, da ich mit dem Flugzeug unterwegs bin und der Koffer schon auf der Hinreise so gepackt war, dass er eigentlich schon voll ist. Das macht mich auch ein wenig traurig, denn ich hätte gerne noch so viel mitgenommen (für all die nächsten Fotoshootings). Mein Feuerzeug in Form einer Waffe, das mir dort jemand schenkt, übersteht sowieso die Gepäckkontrolle am Flughafen nicht, es muss in Bulgarien bleiben. So ist es mit den Schätzen. Manchmal darf man sie einfach nicht mitnehmen. Ungefähr eine Stunde wandere ich über diese große Fläche, die an einen riesigen Parkplatz erinnert, mit meinen Augen und mit meinem scharfen Sinn, fotografiere viel und beobachte, was die Leute sich so mitnehmen. Das ist wirklich ein spannendes Spektakel. All das, was übrigens nicht mitgenommen wird, landet auf dem Müll. Neben dem Flohmarkt ist eine riesige zugemüllte Fläche. Dieser Müll. Hier war er wieder. Ich fahre zurück in meine Herberge. Mache noch einen kleinen Abstecher ins Zentrum. Und treffe eine Alte wieder, der ich vor ein paar Tagen schon mal begegnete. Sie schenkt mir eine Rose.


Bulgarien, letzter Tag, Sofia. Mein Körper ist kaputt. Dieses Jahr war ich so krank, dass ich dennoch sehr stolz bin, so lange durchgehalten zu haben. Die letzte Station: das Kunstmuseum für sozialistische Artefakte. Mehr will ich nicht mehr von Sofia in diesem Oktober, ich will nicht mehr sehen, nicht mehr fühlen, mich nicht mehr bewegen. Also fahre ich schnurstracks zum Ziel, mit der Metro und dem Bus, lande wieder in einem komplett anderen Stadtteil, der an diesem Sonntag wie ausgestorben wirkt. Ich bin im Studentenviertel, mit vielen Wohnblocks für Studierende, die vielleicht noch schlafen. Das Museum mit Garten und der sozialistischen Kunst ist ein schöner Abschied von meinem Aufenthalt in Bulgarien, auf dem Balkan, in diesem Oktober. Es ist sonnig und windig, Lenin und Stalin wachen über was auch immer. Der Eintritt kostet 10 Euro. Bis vor gefühlt „kurzem“ hatte ich noch einen Studentenausweis. Nun will ich voll zahlen. Die Dame fragt mich nach Ermäßigung. Senior. Vielleicht. Ich nickte erschrocken. Vier Euro. Vom Mädchen zur Seniorin. In Bruchteilen von Sekunden. Wenigstens Geld gespart Später will ich nur Pasta essen und nach Hause, aber nicht nach Hause nach Hause, sondern einfach nach Hause, um mich auszuruhen.


Als ich wieder in der Herberge ankomme, habe ich einen neuen Mitbewohner: Costa aus England. Wir haben den schönsten Abschied einer Reise, den ich haben konnte. Wir kochen gemeinsam (ich Pasta, er Fleisch), wir trinken gemeinsam (ich Rotwein, er Sliwowitz), wir führen Gespräche und laufen von Pontius zu Pilatus in unseren Gedanken. Irgendwann schlafen wir, sehr voll mit Eindrücken und auch Alkohol, ein, denn am nächsten Tag geht es für mich nach Hause. Als ich aufwache, ist schon der Kaffee gekocht, meinen Koffer hatte ich schon am Vortag gepackt. Ab zum Flughafen und nach Hause.


Was ist das Fazit meiner Reise? Das Wichtigste: Reisen lohnt sich immer. Reisen macht glücklich. Reisen macht gesund. Reisen macht die Traurigkeit fort. Reisen bildet. Reisen erweitert den Blick auf Menschen. Reisen ist einfach das Wichtigste, der wichtigste Baustein meines Lebens geworden, weil ich auf Reisen so viel lerne. Auf Reisen weitet sich mein Blick, mein Horizont, meine Menschenliebe, aber natürlich auch, es gehören immer zwei Seiten der Medaille dazu, mein „Menschenhass“. Und für die Fotografie ist es wie ein Trainingslager: immer fotografieren, so viele Stunden am Tag, sich konzentrieren, genau hinsehen.

Bis bald, lieber Balkan. Ich komme wieder. Natürlich.

Farbfoto im Hochformat, verfallenes Fenster mit abblätternder weißer Farbe in einer Ziegelmauer, dahinter Ruine mit Laub und Gestrüpp, Sofia, digital, Leica
Fenster ohne Haus
Farbfoto im Hochformat, Fenster mit Spitzenvorhang und Blumenmuster an einer rauen Wand, Zweige mit gelbem Laub, Fallrohr, kleines Metallschild, Sofia, digital, Leica
Gardine
Schwarzweißfoto, drei Hunde unterschiedlicher Größe schauen durch ein schwarzes Gittertor in einen Hof, Ball im Hintergrund, Steinmauer, Sofia, digital, Leica
Drei hinter Gittern
Schwarzweißfoto im Weitwinkel, Mann in dunkler Jacke hält die Heckklappe eines Kombis, im Kofferraum Käfige mit Tauben, Straße und Autos dahinter, Sofia, digital, Leica
Der Händler
Schwarzweißfoto, geöffneter Kleintransporter voller Käfige, in denen kleine Tiere sitzen, ein weißer Hund im unteren Käfig, Napf am Boden, Bäume im Hintergrund, Sofia, digital, Leica
Der Lieferwagen
Schwarzweißfoto in schräger Perspektive, Käfige mit weißen Tauben, Hühnern und Gemüsekiste, ältere Frau auf Klappstuhl, Mann mit Gehstock, Autos mit geöffnetem Kofferraum, Sofia, digital, Leica
Tiermarkt am Kofferraum
Farbfoto, Drahtkäfige mit Enten und einem beigen Kaninchen auf Asphalt vor grüner rostiger Wand, daneben Plastikwannen mit weiteren Tieren, Sofia, digital, Leica
Das Meerschweinchen
Farbfoto, Frau im Leopardenmuster-Mantel mit rosa Rucksack und Strickmütze sucht in Müllcontainern, Gebüsch, Baugerüst im Hintergrund, Sofia, digital, Leica
Am Container
Farbfoto, Mann mit schwarzer Mütze und Zigarette steht vor einer grün-weiß-rot gestrichenen Hauswand mit zwei gerahmten Porträts, links bärtiger Mann mit Schriftzug, abgeplatzter Putz, Sofia, digital, Leica
Rot, Grün, Weiß
Halbformat-Diptychon in Schwarzweiß, zwei großformatige Porträtplakate an einer Hauswand, links historisches Männerporträt mit kyrillischer Schreibschrift, rechts gezeichnetes Porträt eines bärtigen Mannes mit Zitat, Agat 18K, abgelaufener Kodak Tri-X 400, Sofia
Revoluzzer
Farbfoto, graue Trafostation mit Graffiti, links ein Gesicht mit blauer Mütze und Spiralaugen, rechts violette Fratze, gelbes Herbstlaub am Boden, Birken, Sofia, digital, Leica
Die Trafostation
Halbformat-Diptychon in Schwarzweiß, links Betonfassade mit Wellenornament in der Untersicht, rechts gekippte Hochhausfassade mit Fensterreihen, Sofia, Agat 18K, abgelaufener Kodak Tri-X 400
Wellen im beton
Halbformat-Diptychon in Schwarzweiß, links Hochhäuser mit Balkonen und Kugellaterne in der Untersicht, rechts Wohnturm hinter parkenden Autos, Sofia, Agat 18K, abgelaufener Kodak Tri-X 400
Plattenbauten
Farbfoto, Wohnhochhaus mit Klimaanlagen und Satellitenschüssel hinter einem vollen Parkplatz, schiefe Kugellaterne im Vordergrund, Bäume im Herbstlaub, Sofia, digital, Leica
Block im Herbst
Halbformat-Diptychon in Schwarzweiß, links Parkplatz mit Auto und schiefer Laterne vor Wohnblock, rechts Nahaufnahme einer Hausnummer блок 68 an Betonfassade, Sofia, Agat 18K, abgelaufener Kodak Tri-X 400
Блок 68
Farbfoto im Hochformat aus der Froschperspektive, Hochhausfassade mit flammenartigem Betonrelief, Satellitenschüssel, Blattwerk im Anschnitt, Wolkenhimmel, Sofia, digital, Leica
Beton
Farbfoto aus der Untersicht, Plattenbau-Hochhaus mit rostigen Balkonen, teils blau verkleidet, an der Seite weißes Reliefornament, Wolkenhimmel, Sofia, digital, Leica
Der Wohnturm
Farbfoto, blonde Frau mit Pferdeschwanz in roter Lederjacke und schwarzer Fellweste raucht an einer Straße vor Brücke und Altbauten, orangefarbene Tasche, Sofia, digital, Leica
Zigarette an der Brücke
Farbporträt, ältere Frau in beigem Mantel mit dunkler Mütze und geblümtem Schal lehnt an einem graffitibemalten Rollladen in Rot und Gelb, Straße im Hintergrund, Sofia, digital, Leica
Die Dame vor dem Rollladen
Halbformat-Diptychon in Schwarzweiß, links Verteilerkasten mit Fan-Graffiti ГРОБАРИ АРМЕЙЦИ und Totenkopf, rechts Wandbild einer Frau mit Mütze, dahinter Moschee mit Minarett, Sofia, Agat 18K, abgelaufener Kodak Tri-X 400
Гробари Армейци
Schwarzweiß-Diptychon im Hochformat, oben sehr dunkles Wandbild eines Schädels mit Hut, unten verwittertes Schild Chupa Chups an Hausfassade mit Satellitenschüssel, grobes Filmkorn, Agat 18K, abgelaufener Kodak Tri-X 400, Sofia
Totenkopf und Chupa Chups

Malashevtsi – Flohmarkt

Farbfoto, gelbes Cabrio mit Schriftzug PORSCHE und Heckspoiler, ohne Frontstoßfänger und schmutzig, vor Wellblechzaun, auf dem Dach sitzt eine Katze, Sofia, digital, Leica
Porsche mit Katze
Schwarzweißfoto in schräger Perspektive, Frau in Steppjacke mit Einkaufstrolley steht auf dem leeren Platz des Flohmarkts Malashevtsi, im Vordergrund liegt ein großes Plüschtier auf dem Asphalt, Müll und Tüten verstreut, Sofia, digital, Leica
Der Plüschbär
Farbfoto, Männer blättern in einem Berg kyrillischer Bücher auf dem Asphalt, dazwischen ein rotes Tuch und ein gerahmtes Landschaftsbild, Pappkartons, Flohmarkt Malashevtsi, Sofia, digital, Leica
Bücherberg
Halbformat-Diptychon in Schwarzweiß, links zerbrochener Porzellanteller und Schüssel auf Asphalt, rechts Schallplatten, Stofftier und Heftchen auf einer Folie, Sofia, Agat 18K, abgelaufener Kodak Tri-X 400
Flohmarkt Malashevtsi
Schwarzweißfoto, zwei Menschen spielen mit Schlägern zwischen ausgebreiteten Decken und Trödel auf dem Asphalt, ein Kind im gestreiften Pullover holt aus, Marktstände und Bäume im Hintergrund, Flohmarkt Malashevtsi, Sofia, digital, Leica
Tennis auf dem Flohmarkt
Schwarzweißfoto in gekippter Perspektive, lächelnder Mann mit Nike-Mütze sitzt auf einem Koffer, der auf einen Elektroroller montiert ist, blickt über die Schulter, Flohmarkt Malashevtsi mit Wolkenhimmel, Sofia, digital, Leica
Der Koffer als Sitz
Schwarzweißfoto, Frau in Lederjacke mit Fellkapuze kniet über einer Decke mit Kabeln, Gläsern und Kleinelektronik und hält eine Kette mit Kreuz, im Hintergrund ein Mann mit Kinderwagen, Flohmarkt Malashevtsi, Sofia, digital, Leica
Kreuzkette
Schwarzweißfoto, Männer sortieren Bücher, Hefte und Zeitungen, die auf dem Asphalt des Flohmarkts Malashevtsi verstreut liegen, ein Mann mit lockigem Haar und Bart hält einen Stapel, auf einem Buch ein Peace-Zeichen, Sofia, digital, Leica
Bücher auf dem Asphalt
Farbfoto, silbernes Auto mit offenen Türen und aufgehängter Kleidung auf dem Flohmarkt Malashevtsi, an der Heckklappe die bulgarische Fahne in Weiß, Grün und Rot, links kahler Baum mit Fahnenfetzen, grüner Containerzaun, Sofia, digital, Leica
Fahne am Heck
Halbformat-Diptychon in Schwarzweiß, kahler Baum, in dessen Ästen Klappstühle, Töpfe und Tücher hängen, Holzzaun, rechts ein Renault, Sofia, Agat 18K, abgelaufener Kodak Tri-X 400
Der Baum mit den Stühlen
Farbfoto im Hochformat, älterer Mann mit weißem Bart und roter Würth-Kappe beugt sich über eine Müllecke und sortiert kyrillische Bücher, Plastiktüte in der Hand, Herbstlaub, Sofia, digital, Leica
Bücher zwischen Müll
Halbformat-Diptychon in Schwarzweiß, links und rechts Draufsicht auf Audiokassetten, die auf Asphalt zu einem Herz gelegt sind, Sofia, Agat 18K, abgelaufener Kodak Tri-X 400
Kassetten
Farbfoto, auf einer gelben Decke und auf Asphalt verstreute alte Schwarzweißfotos, Briefe und Hefte, Pappkartons mit Bonita Premium Pack, Flohmarkt Malashevtsi, Sofia, digital, Leica
Fotos auf dem Asphalt
Farbfoto, weiße Kinderschuhe mit Schleife, Spielfigur, Tastatur, Platine und rotes Tuch auf einer karierten Decke, Flohmarkt Malashevtsi, Sofia, digital, Leica
Kinderschuhe und Tastatur
Farbporträt im Hochformat, älterer Mann mit zerzaustem Haar und schiefem Lächeln hält Plüschtiere und Buntstifte im Arm, Jeansweste, Parkplatz des Flohmarkts Malashevtsi, Sofia, digital, Leica
Der Käufer
Farbfoto, blaues Auto mit türkischem Kennzeichen, beladen mit Kleidern, Kartons, Spielzeug und Dachbox, auf dem Flohmarkt Malashevtsi mit Metallgestellen, Herbstbäume, Sofia, digital, Leica
Verkaufstisch
Schwarzweißfoto, weiße Oldtimer-Limousine aus sozialistischer Zeit fährt an einem Wellblechzaun vorbei, Oberleitung, Wolkenhimmel, am Flohmarkt Malashevtsi, Sofia, digital, Leica
Weiße Limousine
Farbporträt, ältere Frau mit geblümtem Kopftuch und Steppjacke verkauft Rosen in rosa und rot in einer Unterführung, hinter ihr Werbetafel Dr Witt, Sofia, digital, Leica
Rosen im Untergrund

Museum of Socialist Art and Monument

Halbformat-Diptychon in Schwarzweiß, links gekippte Steinfiguren nackter Menschen vor einer Fensterfront, rechts schmiedeeisernes Gittertor mit Rautenmuster vor einem Flachbau, Museum of Socialist Art, Sofia, Agat 18K, abgelaufener Kodak Tri-X 400
Akte
Schwarzweißfoto, umgestürzte, beschädigte Steinfigur liegt in einem Beet an einer Hauswand, Efeu, Scherben, Museum of Socialist Art, Sofia, digital, Leica
Gefallen
Schwarzweißfoto im Hochformat aus der Untersicht, Granitskulpturen von Frauen und einem Kopf vor einer Museumsfassade mit Klimaanlagen und Glashochhaus, Museum of Socialist Art, Sofia, digital, Leica
Aufblick
Schwarzweißfoto in schräger Perspektive, liegende Granitfigur auf Asphalt neben mächtigen Sockeln und gestapelten Steinblöcken, Museum für sozialistische Kunst, Sofia, digital, Leica
Am Boden
Farbfoto, weiße Büste eines Mannes mit Schnurrbart und Spitzbart auf Betonsockel, davor rot-weißes Absperrband, helle Mauer mit Fenster, Sofia, digital, Leica, Lenin
Büste hinter Flatterband
Schwarzweißfoto, dunkles Bürohochhaus und Museumsflachbau mit Terrassen, im Garten zwei Besucher im Gespräch zwischen Skulpturen, rechts ein kriechender Kopf mit Helm, Museum of Socialist Art, Sofia, digital, Leica
Zwischen Hochhaus und Hof
Schwarzweißfoto, Skulptur eines Paares mit Gewehr, Mann und Frau Schulter an Schulter auf Steinsockel, im Hintergrund Skulpturenpark, Büros und Hochhäuser, Museum of Socialist Art, Sofia, digital, Leica
Paar mit Gewehr
Schwarzweißfoto im Hochformat, zwei Bronzeskulpturen von Frauen mit Kopftüchern und Hacken zwischen Büschen und Pappel, Bürogebäude im Hintergrund, Museum für sozialistische Kunst, Sofia, digital, Leica
Zwei Arbeiterinnen
Schwarzweißfoto aus der Froschperspektive, Skulptur einer Arbeiterin mit Kopftuch und geschulterter Hacke im Gebüsch, dahinter Plattenbau, Museum of Socialist Art, Sofia, digital, Leica
Die Hacke
Halbformat-Diptychon in Schwarzweiß, Skulpturen zweier Arbeiterinnen mit Kopftüchern und Schürzen im hohen Gras, grobes Filmkorn, sozialistische Kunst im Museum of Socialist Art, Sofia, Agat 18K, abgelaufener Kodak Tri-X 400
Die Frauen mit Kopftuch
Halbformat-Diptychon in Schwarzweiß, riesiger Skulpturenkopf aus Bronze, links gekippt, rechts neben einer stehenden Figur, im Hintergrund ein Bürohochhaus, Skulpturenpark des Museum of Socialist Art, Sofia, Agat 18K, abgelaufener Kodak Tri-X 400
Der große Kopf
Schwarzweißfoto, Granitbüste eines Gesichts mit Kapuze und kyrillischer Inschrift am Sockel, im Park dahinter Museumsgebäude, Statuen und eine Figur mit Sack, Museum of Socialist Art, Sofia, digital, Leica
Durch die Ferne
Halbformat-Diptychon in Schwarzweiß, links Frauenbüste vor einer Figur, rechts stehende Bronzefigur auf Sockel im Skulpturenpark mit Bäumen und Gebäuden, Museum of Socialist Art, Sofia, Agat 18K, abgelaufener Kodak Tri-X 400
Redner
Halbformat-Diptychon in Schwarzweiß, links Bronzefigur mit erhobenen Fäusten auf Betonsockel, rechts gebückte Figur im Umhang, im Hintergrund weitere Statuen und ein Hochhaus, Museum für sozialistische Kunst, Sofia, Agat 18K, abgelaufener Kodak Tri-X 400
Die erhobenen Fäuste
Halbformat-Diptychon in Schwarzweiß, links Büste eines jungen Mannes mit Mütze vor sitzender Figur, rechts sitzende Bronzefigur eines bärtigen Mannes auf Sockel, Wiese, Flachbau mit Klimaanlagen, Museum of Socialist Art, Sofia, Agat 18K, abgelaufener Kodak Tri-X 400
Büste und Sitzende
Schwarzweißfoto im Hochformat, Skulptur eines Kindes mit ausgestrecktem Arm von hinten, im Skulpturenpark dahinter Statuen zwischen Pappeln und Zypressen, Museum für sozialistische Kunst, Sofia, digital, Leica
Das Kind zeigt
Halbformat-Diptychon in Schwarzweiß, links Bronzefigur eines Arbeiters mit Schiebermütze vor Wohnblocks im Skulpturenpark, rechts gekippter Kopf einer Skulptur vor Nadelgehölz, Museum für sozialistische Kunst, Sofia, Agat 18K, abgelaufener Kodak Tri-X 400
Erzarbeiter
Farbfoto, großes Gemälde dreier Figuren in Weiß und Blau vor einem Baugerüst, daneben ein Mann mit Lanyard in grauem Hemd, der über die Schulter schaut, Ausstellungsraum mit Skulptur im Hintergrund, Museum of Socialist Art, Sofia, digital, Leica
Im Museum
Halbformat-Diptychon in Schwarzweiß, links Plattenbau hinter Oberleitungen und Ampel, parkende Autos, rechts Straßenszene mit Hund, Passanten und leerem
Hund und Karren
Farbfoto im Hochformat, Kontrollturm des Flughafens Sofia mit Streifen in Weiß, Grün und Rot vor tiefblauem Himmel, im Vordergrund zwei Männer beim Handschlag, gelbe Taxis, Spiegelungen auf der Busscheibe, gekippte Perspektive, Sofia, digital, Leica
Der Tower
Farbfoto, ausgemustertes Passagierflugzeug Tupolev 134 A-3 der Bulgarian Airlines mit rot-grünem Streifen und Schriftzug БАЛКАН, dahinter Hallenfassade, im Vordergrund Warnschild Внимание!, Zaun, Herbstlaub, Sofia, digital, Leica
Балкан

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1. November 2026

Antje Kröger lebt und arbeitet als freie Fotografin und Fotokünstlerin in Leipzig. Das Spektrum ihrer Tätigkeit reicht vom Portraitieren anspruchsvoller Einzelkunden bis hin zu umfassend fotografisch künstlerischen Arbeiten in den Bereichen Werbung, Musik, Mode, Film, Theater etc. Im Fokus ihrer Arbeiten steht der Mensch, die Kommunikation mit dem Gegenüber ist der Schlüssel ihres Werks.

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Bulgarien (OKT 2026) – Stara Sagora (Stara Zagora)
Die-Verteidiger-von-Stara-Zagora-brutalismus, Schwarzweißfoto mit sepiafarbenem Stich, Betonkreuz mit weißem Kreuzausschnitt über einem Hügel, dahinter das Soldatendenkmal mit Bajonetten, Kugellaterne, Nadelbäume, Vignettierung und körniger Himmel, abgelaufener Kodak Tri-X 400, Stara Zagora

Bulgarien (OKT 2026) – Stara Sagora (Stara Zagora)

Von Plowdiw weiter nach Stara Zagora oder Stara Sagora. Um den Namen korrekt auszusprechen oder zu verstehen, brauche ich eine Weile. Eine kleinere Stadt (120.000 Menschen zirka), rund 100 Kilometer von Plowdiw entfernt. Ziemlich unbeliebt bei Touristen. Eine Studentenstadt. Ich fahre mit dem Zug, zwei Stunden, vier Euro. Fühle mich gleich bahn-heimisch, denn ich sitze in einem alten ICE der Deutschen Bundesbahn. Die Zugfahrt ruckelt wieder so vor sich hin, ganz langsam. Alle Züge bisher aber pünktlich. Unterwegs gibt es sogar einen Halt mit einer Pause für die rauchenden Menschen. Die Zugfahrt ist sehr billig, aber auch sehr bummelig. Als Ausgleich habe ich eine nährende Aussicht auf Dörfer oder brutalistische Bahnhöfe beispielsweise, auf Strommasten mit Storchennestern, auf alte Ruinen, aus denen Schafe herauslaufen. Was ich aus dem Zugfenster sehe, ist entweder malerisch oder sozialistisch (verfallen). Das eine schließt das andere auch nicht aus. Heute denke ich mir, man könnte eine Zugfahrt auch so beschreiben: so viele Fotos, die nur meine Augen sehen und kein Apparat festhalten kann. 
Diesmal gönne ich mir ein Einzelzimmer in einem „Studio“ mit vielen Bauarbeitern, sehr ruhig, gleich hinter dem Bahnhof. Outside of the center, aber ich kann mit dem Bus ganz problemlos in die Stadt reinfahren. Das mache ich am nächsten Tag auch. Ich warte ganz brav an der ausgewiesenen Haltestelle, aber der Bus hält natürlich nicht dort, sondern 30 Meter entfernt. Der Fahrer winkt mir ganz wild zu und gestikuliert: Komm hierher zu mir. Er fragt mich sehr höflich, wo ich denn hin möchte, ich sage ins Zentrum. Als wir dort ankommen, ruft er durch den Bus: „Madame, wir sind im Zentrum. Sie können aussteigen.“ Schön. Ich bin angekommen in Stara Zagora. 
Warum bin ich überhaupt in Stara Zagora? Ich will Brutalismus. Brauche eine kleine Menschen-Auszeit. Am Rand der Stadt gibt es ein Memorial zum Gedenken an die Schlacht der Osmanen mit den Bulgaren (1877). Rund 14.000 bis 14.500 bulgarische Zivilisten kamen ums Leben, und tausende Frauen und Mädchen wurden in die Sklaverei verkauft. Mein erstes Ziel. Das Samara Flag Monument. Nachdem die Sonne hochgekrabbelt ist, bin ich ganz alleine auf weiter Flur und kann die Größe und die ganze Brutalität genießen und auch den Ausblick auf die Stadt. All das ist möglich, nachdem ich die vielen (100) Treppen tapfer bezwungen habe. Ich fühle mich ganz winzig neben den riesigen Beton-Soldaten und der Betonfahne. Die Sonne wärmt so schön, dass ich eine ganze Weile bleibe… Den Rest des Tages verbringe ich im Zentrum. Ich führe ein paar kleine, nette Gespräche (treffe eine Romafamilie, die Jungs wollen mir unbedingt ihre Ohrringe zeigen), mache Fotos, suche weiteren Brutalismus und laufe. Ich laufe und laufe. Das merkt mein Körper am Abend und ist ganz erschöpft. Diese Stadt hat irgendeinen Charme, den ich nicht benennen kann. Ich bleibe zwei Nächte, dann zurück nach Sofia. In meiner Erinnerung wird Stara Zagora immer schwarz-weiß sein. Denn alle Fotos habe ich auf Film gemacht. Und der war monochrom.
1. November 2026
Bulgarien (OKT 2026) – Plowdiw (Philippopel)
Farbfoto, Rückenansicht einer Frau mit langem schwarzem Haar in rosa Kleid mit voluminösen Rüschenärmeln, glitzernde Handtasche in der Hand, roter Teppich, Gäste, Kinder und Kameramann bei einem Fest, rosa Luftballons, Stolipinowo, Plowdiw, digital, Leica

Bulgarien (OKT 2026) – Plowdiw (Philippopel)

Ich fahre mit dem Zug, drei Stunden von Sofia nach Plowdiw. Die Sonne scheint. Der Zug ist alt, die Strecke ist alt, und der Zug fährt sehr langsam. Es gibt dieses wunderbare Sechserabteil ganz im dunklen Blau und verschiedene Momente mit Menschen, die sehr interessant und inspirierend sind. Leo spricht mich an. Er hat 16 Jahre in Münster gelebt und ist seit einem halben Jahr zurück in Sofia. Er möchte wieder in Bulgarien in seiner Heimat sein, auch wegen der Eltern und Freunde. Ich frage ihn, wie es ist, als schwuler Mann in Sofia zu leben. Er erzählt mir, dass es nicht so sicher ist wie in Deutschland, aber in der Hauptstadt eigentlich kein Problem darstellt. Wir reden eine Stunde lang. Als ich ankomme, stelle ich fest, dass dieser Bahnhof echt hübsch ist. Sonst ist der erste Eindruck eher durchschnittlich. Mein Hostel liegt in der Altstadt, und die Altstadt ist sehr touristisch. Es erinnert mich ein bisschen an Mostar in Bosnien. Das Hostel ist ganz pittoresk, ein ganz altes Gebäude, umgebaut, sehr charmant, aber auch mit sehr vielen Treppen. Wie ich überhaupt meinen Koffer in die Herberge bekommen hab, frage ich mich. Treppen, Berg, unbefestigte Straße, echt kein leichtes Ankommen. Am Abend schleppe ich mich noch kurz ins Zentrum und kaufe Wein, Snacks und Essen für die nächsten Tage ein. Wieder das böse Erwachen. Alles mindestens doppelt so teuer wie in Deutschland. Fast alles aber auch importiert. Da stellt sich eine spannende Frage: Wo sind all die bulgarischen Produkte? Am Abend gönne ich mir tatsächlich einen Döner. Der ist ziemlich „fancy“. Lange Schlange. Aber auch sehr lecker. Mit meinem Bettnachbarn aus Großbritannien trinke ich mich in meinen Geburtstag hinein. Denn auch er hat noch Wein besorgt. Wein und politische Gespräche bis in meinen Geburtstag hinein.
1. November 2026
Bulgarien (OKT 2026) – Sofia first
älterer Mann in roter Fleecejacke mit Stock und Kappe sitzt in der Straßenbahn, Fahrgäste im Hintergrund, digital mit der Leica

Bulgarien (OKT 2026) – Sofia first

Bulgarien, also Bulgarien wie schon vor acht Jahren. Damals nur Sofia, und damals Winter. Heute Herbst, und heute ein bisschen mehr als Sofia. Warum Bulgarien? Damals schrieb ich in meiner Reisereportage, dass ich wiederkommen werde. Viele Jahre sind vergangen, und jetzt, jetzt ist es an der Zeit. 2026: mein Bulgarienjahr. Eigentlich hatte ich diese Reise schon für das Frühjahr vorgesehen, aber da wollte das Leben andere Dinge von mir. Viele Dinge von mir gewollt, viel Kraft geraubt, und nun ist’s eben doch erst der Herbst. Anyway, das Leben spielt seine eigene Musik und klopft den eigenen Rhythmus. Gut so. Oktober, Bulgarien, ich komme. Diesmal geht alles ratzfatz. Ich bin so schnell von Leipzig nach Berlin gekommen, dass ich mich gar nicht zweimal umdrehen konnte. Genauso ratzfatz fliege ich von Berlin nach Sofia, ratzfatz bin ich in meinem Hostel, und ratzfatz bin ich diesmal so gar nicht vorbereitet. Das gab es noch nie. Immer wieder erste Male. Aber erst ankommen, Orte wiedererkennen.
1. November 2026