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Im Zwischen der Zeiten

Hast du den vollen Mond der vergangenen Nacht auch angestarrt, so wie ich? Hat dich der volle Mond in seinem tiefen Orange genauso kirre in die Nacht entlassen, so wie mich? Hat dich der volle Mond auch daran erinnert, wie wir beide einst an unseren Fenstern standen, um ihn gemeinsam durch das Telefon anzuheulen? Du, der Straßenköter, ich, die Wälin. Dieser Mond. Mondin. Immer bereit, alles in Wallung zu bringen. Und es wallt ordentlich gerade. Nicht einmal die Worte wollen aus mir herausfließen, die Ohren summen eine disharmonische Melodie, der Schlaf will nicht schlafen, das Haus bricht unter den Füßen ganz langsam zusammen. Es quält mich. Ich quäle mich. Der Staub der krachenden Gemäuer kriecht in jede Faser meines Körpers, meine Lungenbläschen kollabieren, meine Äuglein schauen trübe zu. Ich friere. Keine Hände können mich wärmen, keine Zunge kann die Worte formen, die ich brauche, keine Härte befriedigt mich im heißen Schoß. Ich friere. Die Zeit rinnt durch meine Finger. Alle Erinnerungen in Kisten gepackt. Auf der Deponie abgeladen. Alles möchte bis zum Anschlag gefühlt werden. Nichts ist wichtig. Die Schatten werden größer, die Kante des Abgrunds kommt näher. Ich friere. Die Mondin kennt uns. Sie sah uns damals, als wir uns gegen die Nacht lehnten, getrennt und doch zusammen, vereint im Geheul, das durch die Drähte vibrierte. Jetzt schweigt das Telefon. Kein Echo mehr, nur Stille. Ich irre durch Räume, die mich nicht mehr kennen. Ich stehe zwischen den Zeiten, verwaist. Und die Mondin, rund und leuchtend, schaut zu, wie ich mich verliere.

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18. März 2025

Antje Kröger lebt und arbeitet als freie Fotografin und Fotokünstlerin in Leipzig. Das Spektrum ihrer Tätigkeit reicht vom Portraitieren anspruchsvoller Einzelkunden bis hin zu umfassend fotografisch künstlerischen Arbeiten in den Bereichen Werbung, Musik, Mode, Film, Theater etc. Im Fokus ihrer Arbeiten steht der Mensch, die Kommunikation mit dem Gegenüber ist der Schlüssel ihres Werks.

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