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Ruinöse Coma-töse


Die Worte wollten zuerst nicht fließen. Zu viel Aufgewühltheit in der Seele. Zu viel Wut, zu viel der Emotionen, um die richtigen Schlüsse zu ziehen. Die Spaltung hat so richtig Fahrt aufgenommen in den vergangenen Monaten. Spürbar mit jeder Körperfaser, wenn wir spüren wollen, sehbar mit allen Objektiven, die wir besitzen, wenn wir sehen wollen, hörbar in jedem akustischen Signale, wenn wir denn hören wollen! Ich mag manchmal auch nicht mehr spüren, sehen, hören. Aber was bleibt mensch anderes übrig, wenn er/sie/es nicht ein Täubling, eine Täublingina werden will?


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Ruinöse Coma-töse

Da sind Orte, Räume, Plätze.

Da sind Menschen.

Nur in wenigen Fällen passen diese wirklich zueinander. Spüren sich wechselseitig, lassen Weite zum Atmen, reiben sich aneinander ab, wachsen zusammen.

Räume, Orte, Plätze sind geübter als Menschen. Meist. Oftmals hatten sie einfach mehr Zeit zu lernen, zu spüren, verschiedene Menschenarten auszuprobieren. Ob gewollt oder ungewollt. Viel öfter ungewollt, natürlich. Der ungewollte Mensch im Raum. Wie fühlt dieser sich an? Was macht das mit dem Raum? Wann ist Raum ein eigener Raum? Welche Zustände lässt Mensch des Wohlstandes zu am Raum? Dann, wenn dieser vorzeigbar im Hochglanzkatalog erscheinen könnte? Dann, wenn dieser sauber, aufgehübscht ist, in den Zeitgeist passt?

Spürt jemensch Räume überhaupt? Kann er diese auch sich selbst überlassen? Dürfen Räume besetzt, umzäunt oder gar zu Eigentum gemacht werden? Dürfen Räume gekauft, verkauft, gemietet, verpachtet, gepachtet werden? Wem gehört Raum? Ist Raum, über den der Mensch des Wohlstandes Wohlstand legt, noch ein Raum? Darf der Mensch Raum einfach zerstören? Warum zerstört Mensch Raum? Durch Aneignung, Urbanisierung, Krieg beispielsweise.

Wann ist Raum ein Raum und darf bleiben? Sind die vielen kleinen Räume Teil eines ganzen, großen Raumes? Und was sagt Raum über mensch aus? Ich habe viel mehr Fragen als Antworten. Viel mehr Gespür für Raum oftmals als für Menschen. Menschen werden mir immer fremder. Vor allem der Mensch des Wohlstandes, der sich daran erfreut, durch Ruinen zu streunen. Um das einzuatmen, was ein Raum einfach so zu verschenken hat und dem Wohlstands-Homo abhandengekommen ist: Liberté, Égalité, Fraternité.

Wann genau wurde aus der Gestaltung Zerstörung? Wann genau begann der Mensch des Wohlstandes mit der Besetzung des Raumes? Wann genau wurden aus Ruinen, Baulücken und unsanierten Prachtstückchen zoologische Gärten, Orte für Brot und Spiele oder Belustigung und billigem Vergnügen? Wann genau fiel der Mensch des Wohlstandes in diesen komatösen Schlaf?


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26. Februar 2023

Antje Kröger lebt und arbeitet als freie Fotografin und Fotokünstlerin in Leipzig. Das Spektrum ihrer Tätigkeit reicht vom Portraitieren anspruchsvoller Einzelkunden bis hin zu umfassend fotografisch künstlerischen Arbeiten in den Bereichen Werbung, Musik, Mode, Film, Theater etc. Im Fokus ihrer Arbeiten steht der Mensch, die Kommunikation mit dem Gegenüber ist der Schlüssel ihres Werks.

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