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“Wie heißt denn deine Puppe?”

Einfache Frage. 

Die Antwort für mich selbst ernüchternd. 

“Sie hat keinen Namen.” Danach Schweigen. Ich überlege. 

War das schon immer so? Meine längste Begleiterin im Leben eine “madame without a name”?

In meinem Schlafzimmer sitzt noch eine original DDR-Babypuppe, nur ein paar Jahre jünger als der Lockenkopf. Ich weiß noch, sie kam an einem Weihnachtsfeste zu mir. Wie das Jesuskind. Sie blieb immer namenlos, auch. Vielleicht nannte ich sie “Baby”. 


Wir warten vor dem Zentrum Warenhaus der Kreisstadt. Oma und ich. 40 Jahre alt ist dieser Augenblick. Das Leuchten des vergrauten Gebäudes spiegelt in meinen Kinderaugen. Schlaraffenland vor mir. Die Spielzeugabteilung im zweiten Stock. An Omas Hand stehe ich artig auf den fahrenden Stufen der Rolltreppe. Gibt es einen Anlass für meine Vorfreude? Wahrscheinlich nicht. Ich genieße alle Momente zusammen mit der Großmama. Sie kann neue Räume schaffen für mich, ohne ein Wimpernzucken, sie liebt ohne Bedingung und sie läßt niemals eine Hand los, die noch nicht genug gegessen hatte!

An diesem speziellen Tag gibt es für das kleine Menschen-Mädchen an Omas Hand ein Mädchen-Puppen-Geschenk. Beide Körper, einer aus Plastik, einer aus Fleisch sind gleich groß oder gleich klein. Naja, ungefähr zumindest. Stolz trage ich mein Geschenk in Omas Haus. Ich trenne mich niemals von dieser, meiner ersten Puppe. Aber einen Namen gebe ich ihr wohl nie. Sie bekommt neue Anziehsachen, meist gestrickt oder gehäkelt von Omama, ich kämme ihren Wuschelkopf und erzähle ihr Gute-Nacht-Geschichten. 

Ich schaue mich um. Nichts, was mir nichtmenschlich lieb ist, hat einen Namen. Wirklich nichts. Gar nichts. Die Dinge bleiben Ding. Auf ewig. Meine Verbundenheit frei von einer Namensvergabe. Nur ich, ich wollte als Mädchen zweimal meinen Namen wechseln, Sandra und Jennifer wollte ich heißen. The power of music. 


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8. Juli 2022

Antje Kröger lebt und arbeitet als freie Fotografin und Fotokünstlerin in Leipzig. Das Spektrum ihrer Tätigkeit reicht vom Portraitieren anspruchsvoller Einzelkunden bis hin zu umfassend fotografisch künstlerischen Arbeiten in den Bereichen Werbung, Musik, Mode, Film, Theater etc. Im Fokus ihrer Arbeiten steht der Mensch, die Kommunikation mit dem Gegenüber ist der Schlüssel ihres Werks.

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ich bin die form, in der diese serie (und auch ein seminar, welches ich anbieten werde) überhaupt erst denkbar wird. mein körper, mein status quo, hier und jetzt, inszeniert, gestellt, verstellt vor meinen kameras. beziehung ist das wort für das, was zwischen mir und der fotografie entsteht. zwischen mir und mir, zwischen dem, wer ich gerade bin, was ich weitergeben will, und dem, was ich selbst noch lerne. deshalb zeigt sich die serie „zweimal“: analog mit großformatkamera, auf altem orwo-fotopapier, das aus einem land stammt, in dem auch ich sozialisiert wurde, bevor es aufhörte zu existieren. und digital, in farbe, mit der technik unserer zeit. denn ich bin beides: das damals und das jetzt, ohne dass eines das andere widerlegt.
24. September 2026