Fotograf Leipzig Antje Kröger

Odem

„Jetzt will ich leben. Ein paarmal noch kommt die Schwester herein und hebt meine Hand auf. Dann, gegen Morgen, kommen Pfleger und heben mein Bett auf Gummiräder und fahren es in den Krankensaal zurück. Plötzlich, denke ich, hat der Atem des Mannes vor mir aufgehört. Ich will nicht sterben, denke ich. Jetzt nicht. Der Mann hat plötzlich zu atmen aufgehört. Kaum hatte er zu atmen aufgehört, waren die graugekleideten Männer von der Prosektur hereingekommen und hatten ihn in den Zinkblechsarg gelegt. Die Schwester hat es nicht mehr erwarten können, daß er zu atmen aufgehört hat, dachte ich. Auch ich hätte zu atmen aufhören können. Wie ich jetzt weiß, war ich gegen fünf Uhr früh wieder zurückgebracht worden in den Krankensaal. Aber die Schwestern, möglicherweise auch die Ärzte, waren sich nicht sicher gewesen, sonst hätten mir die Schwestern nicht gegen sechs in der Früh von dem Krankenhauspfarrer die sogenannte Letzte Ölung geben lassen. Ich hatte das Zeremoniell kaum wahrgenommen. An vielen andern habe ich es später beobachten und studieren können. Ich wollte leben, alles andere bedeutete nichts. Leben, und zwar mein Leben leben, wie und solange ich es will. Das war kein Schwur, das hatte sich der, der schon aufgegeben gewesen war, in dem Augenblick, in welchem der andere vor ihm zu atmen aufgehört hatte, vorgenommen. Von zwei möglichen Wegen hatte ich mich in dieser Nacht in dem entscheidenden Augenblick für den des Lebens entschieden. Unsinnig, darüber nachzudenken, ob diese Entscheidung falsch oder richtig gewesen ist. Die Tatsache, daß die schwere, nasse Wäsche nicht auf mein Gesicht gefallen war und mich nicht erstickt hatte, war die Ursache dafür gewesen, daß ich nicht aufhören wollte zu atmen. Ich hatte nicht, wie der andere vor mir, aufhören wollen zu atmen, ich hatte weiteratmen und weiterleben wollen. Ich mußte die sicher auf meinen Tod eingestellte Schwester zwingen, mich aus dem Badezimmer heraus- und in den Krankensaal zurückführen zu lassen, und also mußte ich weiteratmen. Hätte ich nur einen Augenblick in diesem meinem Willen nachgelassen, ich hätte keine einzige Stunde länger gelebt. Es war an mir, ob ich weiteratmete oder nicht. Nicht die Leichenträger in ihren Prosekturkitteln waren in das Badezimmer hereingekommen, um mich abzuholen, sondern die weißen Pfleger, die mich in den Krankensaal zurückgebracht haben, wie ich es wollte. Ich bestimmte, welchen der beiden möglichen Wege ich zu gehen hatte. Der Weg in den Tod wäre leicht gewesen. Genauso hat der Lebensweg den Vorteil der Selbstbestimmung. Ich habe nicht alles verloren, mir ist alles geblieben. Daran denke ich, will ich weiter.“

Thomas Bernhard, Die Autobiographie

Fotograf Leipzig Antje Kröger
Odem
Fotograf Leipzig Antje Kröger
Odem
Fotograf Leipzig Antje Kröger
Odem
Fotograf Leipzig Antje Kröger
Odem
Minimalistische Kunstfotografie über Atem und Körper, weibliches Porträt
Odem
Zeitgenössische Körperstudie mit Atemmaske, konzeptuelle Fotografie
Odem
Die Fotografie versteht den menschlichen Körper als Ort von Erfahrung und Begrenzung. Die Atemmaske markiert einen Übergang zwischen Innen und Außen, zwischen Körper und Umwelt. Die ruhige Komposition und der weiche Lichteinsatz verleihen dem Bild eine intime, beinahe meditative Wirkung. Die Arbeit ist Teil einer zeitgenössischen Auseinandersetzung mit Körper, Wahrnehmung und Präsenz.
Odem
Der Atem wird sichtbar, der Körper zum stillen Schauplatz. In dieser Fotografie verschmelzen Haut, Blick und Technik zu einem fragilen Gleichgewicht. Die Szene wirkt zugleich intim und fremd – ein Moment zwischen Leben, Kontrolle und Loslassen. Das Bild entfaltet seine Wirkung langsam und fordert dazu auf, genauer hinzusehen.
Odem
Poetische Kunstfotografie über Atem und Körper, weibliches Porträt
Odem
Zeitgenössisches Porträt mit Atemmaske, Körper zwischen Kontrolle und Ohnmacht
Odem
Diese zeitgenössische Fotografie zeigt einen Körper an der Grenze. Die Atemmaske wird zum starken visuellen Zeichen und verstärkt die emotionale Spannung des Porträts. Zwischen direktem Blick und technischer Barriere entsteht eine intensive Bildwirkung, die Fragen nach Körper, Kontrolle und Verletzlichkeit aufwirft. Ein Bild, das konfrontiert und fasziniert zugleich.
Odem
Ein Blick, der bleibt. Eine Atemmaske, die irritiert. Diese Fotografie zieht Betrachter:innen unmittelbar in einen Moment zwischen Nähe und Verletzlichkeit. Der Körper wirkt präsent und zugleich fragil, der Atem sichtbar und bedeutungsvoll. Das Bild öffnet Raum für Fragen nach Existenz, Abhängigkeit und Körpererfahrung – und lädt dazu ein, länger hinzusehen.
Odem
Kunstfotografie einer Frau mit Atemmaske, intensives Porträt über Körper und Atem
Odem
Fotograf Leipzig Antje Kröger
Odem

Nicht jeder darf selbst bestimmen. Die Welt ist schwerer geworden. Mit der Last ist jede Entscheidung Kraftakt.

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2 thoughts on “Odem”

  • Sehr eindrückliches Er-leben, nachdenkliche Sätze und der spürbare Wille, dass dieses Leben weiter werden kann.
    Danke für all die guten Einträge hier … ich schaue über FB jedesmal hier vorbei.
    Hermann Josef

  • Beeindruckende Fotostrecke zu einem zutiefst menschlichen Thema, dem Atmen. Besonders gefällt mir das Bild mit dem direkten Blickkontakt. Nach meinem Verständnis spielen die Augen, der Blick in der Menschenfotografie eine besondere Rolle.
    LG Konrad

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10. September 2015

Antje Kröger lebt und arbeitet als freie Fotografin und Fotokünstlerin in Leipzig. Das Spektrum ihrer Tätigkeit reicht vom Portraitieren anspruchsvoller Einzelkunden bis hin zu umfassend fotografisch künstlerischen Arbeiten in den Bereichen Werbung, Musik, Mode, Film, Theater etc. Im Fokus ihrer Arbeiten steht der Mensch, die Kommunikation mit dem Gegenüber ist der Schlüssel ihres Werks.

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ich bin die form, in der diese serie (und auch ein seminar, welches ich anbieten werde) überhaupt erst denkbar wird. mein körper, mein status quo, hier und jetzt, inszeniert, gestellt, verstellt vor meinen kameras. beziehung ist das wort für das, was zwischen mir und der fotografie entsteht. zwischen mir und mir, zwischen dem, wer ich gerade bin, was ich weitergeben will, und dem, was ich selbst noch lerne. deshalb zeigt sich die serie „zweimal“: analog mit großformatkamera, auf altem orwo-fotopapier, das aus einem land stammt, in dem auch ich sozialisiert wurde, bevor es aufhörte zu existieren. und digital, in farbe, mit der technik unserer zeit. denn ich bin beides: das damals und das jetzt, ohne dass eines das andere widerlegt.
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