"1. Januar 1933; A: Berlin, E: Berlin, masch. (Augsb.) Liebe Helli, ich schreibe, statt zu sprechen, weil das leichter ist, gegen das Sprechen habe ich eine solche Abneigung, das ist immer ein Kämpfen. Für gewöhnlich ist es bei uns so: aus kleinen psychischen Verstimmungen, die viele Ursachen haben können und meist unaufklärbar sind, teils Mißverständnisse […]
Dieser Sommer atmete am Ende viel warme Luft hinaus. Und wir, wir atmeten mit, jeden Tag, machten das Wasser zu unserem Heim, das mecklenburgische Wasser, das wir alle so sehr lieben - schwammen, sonnten, alberten, ruhten, aßen und tranken, immer wieder aufs neue - meine Familienjungs und ich. Das Wasser war warm und spritzig, wir erkundeten es, Meter […]
Der Liebe wird alles wichtig und lieb: eine Schattenmulde in der Wange, das Runzelgeflecht ums Auge, eine Kindheitsnarbe unter den Zehen, ein verborgener Makel der Haut, eine sichtbar werdende Ader und die kahle Stelle im Haar. Jeder Verlust wird auch Gewinn und mehrt die Erinnerung. Treuer als Lust macht Zärtlichkeit, die Schmerz um Vergängliches erneuert. Aus […]
Mein Schelm ist zurück - von seiner großen Reise. Wieder in den heimatlichen Gefilden. Er schelmte während unserer Begegnung, eine große Zeit lang, aber stimmte auch sehr leise Melodien an. Was war in der Zwischenzeit passiert? Fast vierzehn Monate lang hüpfte, schwamm, kroch, lief, fuhr, der Rothaarige über den fernen grünen Kontinent, bestaunte jeden Tag das Meer und seine hohen Wellen […]
»Um es kurz zu machen«, begann der Schafprofessor. »Das Schaf ergriff von mir Besitz im Sommer 1935. Bei der Erkundung geeigneter Weideplätze nahe der mandschurisch-mongolischen Grenze verirrte ich mich und verbrachte die Nacht in einer Höhle, die ich zufällig entdeckt hatte. Im Traum erschien mir ein Schaf, das mich fragte, ob es in mich hinein dürfte. Ich sagte, […]
Schlingen die Würde als Tunika um deinen Torso—gleitet der Stoff ab von deinen Schultern. Gescholten will die Würde sein? Nein, nicht gescholten. Abgeschlagen, zerschlagen…aus kristallinen Knochen wieder aufgebaut. Dann geraubt. Raubt die Würde den Verstand. Raubgut sich dir an die Fesseln band. Die Schultern ihre Gelenke nach ObenVorne gerückt. Ins rechte Licht - dich stechen […]
Aber eines ist in unserer Seele, welches, wenn wir es gehörig ins Auge fassen, wir nicht aufhören können, mit der höchsten Verwunderung zu betrachten, und wo die Bewunderung rechtmäßig, zugleich auch seelenerhebend ist; und das ist: die ursprüngliche moralische Anlage in uns überhaupt. – Was ist das (kann man sich selbst fragen) in uns, wodurch […]
Heiajaheia! Heiajaheia!Wallalallalala leiajahei!Rheingold! Rheingold!Leuchtende Lust, wie lachst du so hell und hehr!Glühender Glanz entgleisset dir weihlich im Wag!Heiajahei, Heiajaheia!Wache, Freund, wache froh!Wonnige Spiele spenden wir dir:flimmert der Fluss, flammet die Flut,umfliessen wir tauchend, tanzend und singend,im seligen Bade dein Bett.Rheingold! Rheingold!Heiajaheia! Wallalaleia heiajahei! Richard Wagner, Rheingold Sie sind nicht die Rheinschwestern, sie sind nicht die […]
Sommer.Festival.Heimat.Musik.Tanzwut.Zeltplatzromantik.Polaroid. Ich war auf dem Uckeralmfestival, in Grünz. So als Mecklenburgerin wusste ich gar nicht, dass die Uckermark auch in Mcpomm liegt. Das Lernen hört nie auf. Meine Polaroidkamera war dabei, und ich habe ein paar Momente festgehalten. Zusätzlich muss ich mich bei all denen entschuldigen, die ich nicht fotografieren wollte, denn mein Filmmaterial war […]
Was kann sich schärfer widersprechen als diese beiden Denkbestimmungen? Wie ist es möglich, daß beide identisch seien, daß das Zufällige notwendig und das Notwendige ebenfalls zufällig sei? Der gemeine Menschenverstand und mit ihm die große Menge der Naturforscher behandelt Notwendigkeit und Zufälligkeit als Bestimmungen, die einander ein für allemal ausschließen. Ein Ding, ein Verhältnis, ein […]