Die-Verteidiger-von-Stara-Zagora-brutalismus, Schwarzweißfoto mit sepiafarbenem Stich, Betonkreuz mit weißem Kreuzausschnitt über einem Hügel, dahinter das Soldatendenkmal mit Bajonetten, Kugellaterne, Nadelbäume, Vignettierung und körniger Himmel, abgelaufener Kodak Tri-X 400, Stara Zagora

Bulgarien (OKT 2026) – Stara Sagora (Stara Zagora)

Von Plowdiw weiter nach Stara Zagora oder Stara Sagora. Um den Namen korrekt auszusprechen oder zu verstehen, brauche ich eine Weile. Eine kleinere Stadt (120.000 Menschen zirka), rund 100 Kilometer von Plowdiw entfernt. Ziemlich unbeliebt bei Touristen. Eine Studentenstadt. Ich fahre mit dem Zug, zwei Stunden, vier Euro. Fühle mich gleich bahn-heimisch, denn ich sitze in einem alten ICE der Deutschen Bundesbahn. Die Zugfahrt ruckelt wieder so vor sich hin, ganz langsam. Alle Züge bisher aber pünktlich. Unterwegs gibt es sogar einen Halt mit einer Pause für die rauchenden Menschen. Die Zugfahrt ist sehr billig, aber auch sehr bummelig. Als Ausgleich habe ich eine nährende Aussicht auf Dörfer oder brutalistische Bahnhöfe beispielsweise, auf Strommasten mit Storchennestern, auf alte Ruinen, aus denen Schafe herauslaufen. Was ich aus dem Zugfenster sehe, ist entweder malerisch oder sozialistisch (verfallen). Das eine schließt das andere auch nicht aus. Heute denke ich mir, man könnte eine Zugfahrt auch so beschreiben: so viele Fotos, die nur meine Augen sehen und kein Apparat festhalten kann.


Diesmal gönne ich mir ein Einzelzimmer in einem „Studio“ mit vielen Bauarbeitern, sehr ruhig, gleich hinter dem Bahnhof. Outside of the center, aber ich kann mit dem Bus ganz problemlos in die Stadt reinfahren. Das mache ich am nächsten Tag auch. Ich warte ganz brav an der ausgewiesenen Haltestelle, aber der Bus hält natürlich nicht dort, sondern 30 Meter entfernt. Der Fahrer winkt mir ganz wild zu und gestikuliert: Komm hierher zu mir. Er fragt mich sehr höflich, wo ich denn hin möchte, ich sage ins Zentrum. Als wir dort ankommen, ruft er durch den Bus: „Madame, wir sind im Zentrum. Sie können aussteigen.“ Schön. Ich bin angekommen in Stara Zagora.


Warum bin ich überhaupt in Stara Zagora? Ich will Brutalismus. Brauche eine kleine Menschen-Auszeit. Am Rand der Stadt gibt es ein Memorial zum Gedenken an die Schlacht der Osmanen mit den Bulgaren (1877). Rund 14.000 bis 14.500 bulgarische Zivilisten kamen ums Leben, und tausende Frauen und Mädchen wurden in die Sklaverei verkauft. Mein erstes Ziel. Das Samara Flag Monument. Nachdem die Sonne hochgekrabbelt ist, bin ich ganz alleine auf weiter Flur und kann die Größe und die ganze Brutalität genießen und auch den Ausblick auf die Stadt. All das ist möglich, nachdem ich die vielen (100) Treppen tapfer bezwungen habe. Ich fühle mich ganz winzig neben den riesigen Beton-Soldaten und der Betonfahne. Die Sonne wärmt so schön, dass ich eine ganze Weile bleibe… Den Rest des Tages verbringe ich im Zentrum. Ich führe ein paar kleine, nette Gespräche (treffe eine Romafamilie, die Jungs wollen mir unbedingt ihre Ohrringe zeigen), mache Fotos, suche weiteren Brutalismus und laufe. Ich laufe und laufe. Das merkt mein Körper am Abend und ist ganz erschöpft. Diese Stadt hat irgendeinen Charme, den ich nicht benennen kann. Ich bleibe zwei Nächte, dann zurück nach Sofia. In meiner Erinnerung wird Stara Zagora immer schwarz-weiß sein. Denn alle Fotos habe ich auf Film gemacht. Und der war monochrom.

Schwarzweiß-Diptychon im Hochformat, oben Schriftzug ГАРА СТАРА ЗАГОРА in großen Buchstaben auf Fliesenwand, unten Bahnhofsuhr, grobes Filmkorn, Agat 18K, abgelaufener Kodak Tri-X 400, Stara Zagora
Гара Стара Загора

Samara Flag Monument

Die-Verteidiger-von-Stara-Zagora-brutalismus, Schwarzweißfoto mit violett-braunem Farbstich, breite Granitstufen führen zu einem Betonkreuz mit weißem Kreuzausschnitt auf einer Anhöhe, Zypressen und Kugellaternen, düsterer Himmel, grobes Filmkorn, abgelaufener Kodak Tri-X 400, Stara Zagora
Treppe zur Flagge
Die-Verteidiger-von-Stara-Zagora-brutalismus, Schwarzweißfoto, riesiges Betonkreuz auf einer Anhöhe, davor Freitreppe, Soldatendenkmal zwischen Zypressen, Kugellaternen, grobes Filmkorn, abgelaufener Kodak Tri-X 400, Stara Zagora
Die Flagge
Die-Verteidiger-von-Stara-Zagora-brutalismus, Schwarzweißfoto mit sepiafarbenem Stich, Betonkreuz mit weißem Kreuzausschnitt über einem Hügel, dahinter das Soldatendenkmal mit Bajonetten, Kugellaterne, Nadelbäume, Vignettierung und körniger Himmel, abgelaufener Kodak Tri-X 400, Stara Zagora
Flagge im Gegenlicht
Die-Verteidiger-von-Stara-Zagora-brutalismus,
Das Monument
Die-Verteidiger-von-Stara-Zagora-brutalismus,
Flagge aus Betoon über der Stadt
Die-Verteidiger-von-Stara-Zagora-brutalismus, Schwarzweißfoto im Hochformat aus der Untersicht, Soldatenfiguren mit Helmen und Bajonetten ragen aus mächtigen Granitblöcken, links Betonkreuz mit Sternrelief, Wolkenhimmel, grobes Filmkorn, abgelaufener Kodak Tri-X 400, Stara Zagora
Drei Köpfe
Die-Verteidiger-von-Stara-Zagora-brutalismus. Schwarzweißfoto, frontale Ansicht des Soldatendenkmals mit sieben Figuren auf Granitblöcken, Bajonette, Zypresse, Treppe links, abgelaufener Kodak Tri-X 400, Stara Zagora
Das Denkmal
Die-Verteidiger-von-Stara-Zagora-brutalismus, Schwarzweißfoto aus der Untersicht, Soldatenfiguren mit Bajonetten wachsen aus schrägen Granitblöcken, Gegenlicht, Filmkorn, abgelaufener Kodak Tri-X 400, Stara Zagora
Reihe der Soldaten
Die-Verteidiger-von-Stara-Zagora-brutalismus, Schwarzweißfoto aus der Froschperspektive, Betonkreuz und Soldatenköpfe mit Helmen über Granitquadern, Antennen und Bajonette im Himmel, grobes Korn, abgelaufener Kodak Tri-X 400, Stara Zagora
Köpfe über dem Block
Die-Verteidiger-von-Stara-Zagora-brutalismus. Schwarzweißfoto, geometrisch gepflasterte Terrasse mit hellen Streifenmustern, dahinter Blick auf Stara Zagora mit Hochhäusern, Zypressen und Hügeln, abgelaufener Kodak Tri-X 400
Terrasse
Schwarzweiß-Diptychon im Hochformat, oben Rohbau eines Wohnhauses mit Zypressen und Parkplatz, unten Betonkreuz mit weißem Kreuzausschnit
Rohbau und Flagge
Die-Verteidiger-von-Stara-Zagora-brutalismus, Schwarzweiß-Diptychon, links geometrisch gepflasterte Terrasse mit großem Betonkreuz und Denkmal, rechts Kugellaterne vor Hochhäusern und Hügeln, Agat 18K, abgelaufener Kodak Tri-X 400, Stara Zagor
Flagge und Laterne
Die-Verteidiger-von-Stara-Zagora-brutalismus, Schwarzweiß-Diptychon im Hochformat, Denkmalblöcke mit Soldatenköpfen im Gegenlicht, oben Sonnenreflex und Lichtschleier, unten dunkle Silhouetten mit Bajonetten, extremes Filmkorn, Agat 18K, abgelaufener Kodak Tri-X 400, Stara Zagora
Gegenlicht
Schwarzweiß-Diptychon aus der Froschperspektive, Soldatenreliefs mit Gewehren und Bajonetten, die aus Betonquadern wachsen, Agat 18K, abgelaufener Kodak Tri-X 400, Stara Zagora, Die-Verteidiger-von-Stara-Zagora-brutalismus
Aus dem Stein
Schwarzweiß-Diptychon, links Blick von einer Anhöhe auf Stara Zagora mit Plattenbauten und Hügeln, rechts Betonblöcke des Denkmals mit Bajonetten, geometrisch gepflasterte Terrasse, Agat 18K, abgelaufener Kodak Tri-X 400
Blick auf die Stadt
Schwarzweiß-Diptychon, monumentale Betonskulptur mit Soldatenfiguren, Bajonetten und Helmen auf Quaderblöcken, links im Dunst, rechts im Gegenlicht, Agat 18K, abgelaufener Kodak Tri-X 400, Stara Zagora
Die Soldaten
Schwarzweiß-Diptychon, links Verbotsschild Забранено за кучета (Hunde verboten) mit durchgestrichenem Schäferhund und Aufklebern, rechts Schild Разрешено (erlaubt), Hund nur an der Leine bis 2 m, Agat 18K, abgelaufener Kodak Tri-X 400, Stara Zagora
Забранено / Разрешено – Verboten und Erlaubt
Schwarzweißporträt im Hochformat
Er ist gestorben
Schwarzweißfoto im Hochformat, unscharf, gerahmtes Trauerporträt eines Mannes mit kyrillischem Text vor Hausschild РОДОПИ 61, schmiedeeisernes Geländer, Blumen, gebückte Gestalt im Hintergrund, grobes Korn, abgelaufener Kodak Tri-X 400, Stara Zagora
Родопи 61
Brutalismus
Der Brief
Schwarzweißfoto aus der Untersicht, historisches Verwaltungsgebäude mit Uhrenturm, Rundbogenfenstern und Balkon, Baumzweige im Anschnitt, kyrillischer Schriftzug am linken Rand, abgelaufener Kodak Tri-X 400, Stara Zagora
Das Postamt
Schwarzweißfoto im Hochformat, Hauswand voller Aushänge mit kyrillischen Todesanzeigen und Gedenkblättern (Възпоминание) mit Porträtfotos, abgerissene Papierkanten, grobes Filmkorn, abgelaufener Kodak Tri-X 400, Stara Zagora
Todesanzeigen
Brutalismus, Schwarzweißfoto in schräger Perspektive, brutalistisches Bürogebäude mit Stahlfachwerk-Vorbau, Klimaanlagen in den Fenstern, abgelaufener Kodak Tri-X 400, Stara Zagora
Literatur inside
Schwarzweiß-Diptychon im Hochformat, oben brutalistisches Gebäude mit Stahlfachwerk-Vorbau und Freitreppe, kleine Person mit heller Tasche am Eingang, unten Doppelleuchte mit Kugeln vor Geäst, Agat 18K, abgelaufener Kodak Tri-X 400, Stara Zagora
Treppe und Laterne
Schwarzweißfoto aus der Untersicht, Straßenkreuzung mit Ampel, Oberleitungen und Kabelgewirr zwischen Wohnhäusern, Wolken, abgelaufener Kodak Tri-X 400, Stara Zagora
Drähte
Brutalismus, Schwarzweißfoto, antike Ausgrabungsstätte mit Pflasterstraße und Mauerresten, dahinter modernes Bürogebäude, Bäume, abgelaufener Kodak Tri-X 400, Stara Zagora
Ruinen
Schwarzweißporträt im Hochformat, Mann in Kapuzenjacke sitzt auf einer Parkbank, ein kleiner weiß-brauner Hund steht auf seinem Bein, Park mit Laterne und Autos, abgelaufener Kodak Tri-X 400, Stara Zagora
Schoßhund
Schwarzweißporträt, junge Frau mit großen Creolen hält ein Baby in Collegejacke mit Aufnähern PARIS, Weitwinkel, Jugendstilhaus im Hintergrund, abgelaufener Kodak Tri-X 400, Stara Zagora
Der Ohrring
Schwarzweißporträt im Hochformat, Junge mit verkehrt herum getragener gemusterter Kappe und Ohrstecker blickt zur Seite, grobes Filmkorn, Straße unscharf, abgelaufener Kodak Tri-X 400, Stara Zagora
Der Ohrring 2
Brutalismus. Schwarzweißfoto, in einer Glasscheibe spiegelt sich eine Frau mit Kamera und Rucksack, rechts Rasenfläche, schräg abgestützter Mast, Laternen und Wohnblock, abgelaufener Kodak Tri-X 400, Stara Zagora
Selbstporträt im zersprungenen Spiegel
Schwarzweiß-Diptychon, links Plakat Trip Club vom 25.02. mit liegender Figur an einer Wand, rechts Doppelleuchte vor Hochhaus mit Antenne, Agat 18K, abgelaufener Kodak Tri-X 400, Stara Zagora
Trip Club
Schwarzweiß-Diptychon, ägyptisch gestaltete Fassade eines verlassenen Spielhallengebäudes mit Flügelsymbol, Reliefs, Wagenlenker, Göttin und Schriftzug GAMIN IZI, Bauzaun, Schild КРЕДИТИ, Agat 18K, abgelaufener Kodak Tri-X 400, Stara Zagora
Gamin Izi
Schwarzweiß-Diptychon, links Betonbau mit Reliefornamenten und Lüftungsschlitzen, rechts historische Moschee mit Wabenfenstern und Zypresse, davor dünner Mast mit Strahlenkranz, Agat 18K, abgelaufener Kodak Tri-X 400, Stara Zagora
Beton und Moschee
Schwarzweiß-Diptychon im Hochformat, oben Passanten und Kehrer mit Besen auf gepflastertem Weg in hartem Gegenlicht, unten verzierte Straßenuhr vor Betonfassade mit Lochmuster, Agat 18K, abgelaufener Kodak Tri-X 400, Stara Zagora
Laubfegen, Uhr
Brutalismus, Schwarzweißfoto im Gegenlicht, Betonfassade mit Reliefband und Lochmuster, Doppellaterne, Nadelbaum und Äste im Anschnitt, sehr grobes Korn, abgelaufener Kodak Tri-X 400, Stara Zagora
Relief und Laterne
Brutalismus, Schwarzweißfoto, Fassade eines Betonbaus mit Reliefband und Lüftungsgittern, links ein Kiosk, rechts ein Blumenstand, gepflasterter Platz, abgelaufener Kodak Tri-X 400, Stara Zagora
Kiosk am Beton
Schwarzweißfoto mit hohem Kontrast, Eckansicht eines brutalistischen Gebäudes mit Spiralreliefs und Lüftungsschlitzen, kahle Äste im Vordergrund, abgelaufener KodakTri-X 400, Stara Zagora, Brutalismus
Spiralen im Beton
Schwarzweißfoto im Hochformat, Plattenbau mit vielen Klimaanlagen, darunter schwarze Spielhalle mit Schriftzug ИГРАЛНА ЗАЛА, LAS VEGAS, JACKPOT, SLOTS und Porträt einer Frau mit Spielkarte, Geländer und Stufen, abgelaufener Kodak Tri-X 400, Stara Zagora
Игрална зала
Schwarzweißfoto, sechs ältere Frauen sitzen an einer Bushaltestelle mit Einkaufstaschen und Rollwagen, eine telefoniert, eine birgt das Gesicht in den Händen, Aushänge an der Scheibe, Pflaster, abgelaufener Kodak Tri-X 400, Stara Zagora
Warten
Schwarzweiß-Diptychon, links Plakat der Kinderoper Пинокио (Pinocchio) vom 5. Februar mit Marionette auf aufgeschlagenem Buch, rechts schräg stehender Altkleidercontainer mit Aufschrift Дрехи и обувки (Kleidung und Schuhe) im Park, Agat 18K, abgelaufener Kodak Tri-X 400, Stara Zagora
Пинокио
Schwarzweiß-Diptychon im Hochformat, oben Fassade mit Portal, Graffiti-Tag und aufgemaltem Auge, unten Eckgebäude mit Oberleitungen, Ampel und Auto, kontrastreiches Korn, Agat 18K, abgelaufener Kodak Tri-X 400, Stara Zagora
Das Auge
Schwarzweiß-Diptychon durch eine Scheibe, links Lada mit Kennzeichen CT 6746 CB vor Altbau, rechts weiterer Lada am Straßenrand, dunkle Flecken auf dem Glas, grobes Korn, Agat 18K, abgelaufener Kodak Tri-X 400, Stara Zagora
Lada
Schwarzweiß-Diptychon, links Mann mit Kappe und Angelruten wischt sich über das Gesicht, Lidl-Tüte, Bahnsteig, rechts Frau in der Zugtür mit Besen und Kartons, graffitibemalter Waggon, Agat 18K, abgelaufener Kodak Tri-X 400, Stara Zagora
Die Reinigungskraft
Schwarzweiß-Diptychon, links Wegweiser Изход / Exit und Център / City Center mit Pfeil über einem Bahnhofsaufgang, verwischte Gestalt mit Rucksack und Graffiti-Zug, rechts älterer Mann mit Kappe und Angelruten, Lidl-Tüte in der Hand, Bahnsteig mit Gleisen, Agat 18K, abgelaufener Kodak Tri-X 400, Stara Zagora
Exit / City Center
Leica
Der Zugschreiber
Schwarzweiß-Diptychon, links Bahnhofsschild Stara Zagora, ЖП Гара, Railway Station, rechts Schaffner mit Dienstmütze und Kelle am Zug, Frau an der Tür, Agat 18K, abgelaufener Kodak Tri-X 400, Stara Zagora
Der Schaffner

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One thought on “Bulgarien (OKT 2026) – Stara Sagora (Stara Zagora)”

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1. November 2026

Antje Kröger lebt und arbeitet als freie Fotografin und Fotokünstlerin in Leipzig. Das Spektrum ihrer Tätigkeit reicht vom Portraitieren anspruchsvoller Einzelkunden bis hin zu umfassend fotografisch künstlerischen Arbeiten in den Bereichen Werbung, Musik, Mode, Film, Theater etc. Im Fokus ihrer Arbeiten steht der Mensch, die Kommunikation mit dem Gegenüber ist der Schlüssel ihres Werks.

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Farbfoto, Mann mit schwarzer Mütze und Zigarette steht vor einer grün-weiß-rot gestrichenen Hauswand mit zwei gerahmten Porträts, links bärtiger Mann mit Schriftzug, abgeplatzter Putz, Sofia, digital, Leica

Bulgarien (OKT 2026) – Sofia second

Wieder mit dem Zug, diesmal dauert es fünf Stunden für schmale acht Euro. Diese Fahrt zieht sich ganz schön hin. Als der Zug in Sofia hineinfährt, finde ich es ganz schön, wie ein Zurückkommen, wie ein Ankommen, wie ein: Oh, das kenne ich hier schon. Das mag ich. Danach fahre ich mit der Metro in mein neues Hostel. Diesmal habe ich eine Herberge gebucht, die etwas weiter aus dem Zentrum heraus liegt. Ich will in eine andere Gegend, in einen anderen Stadtteil, will nicht im Zentrum sein. So bin ich in einem kleinen Hostel, einer Herberge zwischen Wohngebäuden gelandet, sehr ruhig, sehr wenige Gäste, sehr gut für meine Zwecke.
1. November 2026
Bulgarien (OKT 2026) – Plowdiw (Philippopel)
Farbfoto, Rückenansicht einer Frau mit langem schwarzem Haar in rosa Kleid mit voluminösen Rüschenärmeln, glitzernde Handtasche in der Hand, roter Teppich, Gäste, Kinder und Kameramann bei einem Fest, rosa Luftballons, Stolipinowo, Plowdiw, digital, Leica

Bulgarien (OKT 2026) – Plowdiw (Philippopel)

Ich fahre mit dem Zug, drei Stunden von Sofia nach Plowdiw. Die Sonne scheint. Der Zug ist alt, die Strecke ist alt, und der Zug fährt sehr langsam. Es gibt dieses wunderbare Sechserabteil ganz im dunklen Blau und verschiedene Momente mit Menschen, die sehr interessant und inspirierend sind. Leo spricht mich an. Er hat 16 Jahre in Münster gelebt und ist seit einem halben Jahr zurück in Sofia. Er möchte wieder in Bulgarien in seiner Heimat sein, auch wegen der Eltern und Freunde. Ich frage ihn, wie es ist, als schwuler Mann in Sofia zu leben. Er erzählt mir, dass es nicht so sicher ist wie in Deutschland, aber in der Hauptstadt eigentlich kein Problem darstellt. Wir reden eine Stunde lang. Als ich ankomme, stelle ich fest, dass dieser Bahnhof echt hübsch ist. Sonst ist der erste Eindruck eher durchschnittlich. Mein Hostel liegt in der Altstadt, und die Altstadt ist sehr touristisch. Es erinnert mich ein bisschen an Mostar in Bosnien. Das Hostel ist ganz pittoresk, ein ganz altes Gebäude, umgebaut, sehr charmant, aber auch mit sehr vielen Treppen. Wie ich überhaupt meinen Koffer in die Herberge bekommen hab, frage ich mich. Treppen, Berg, unbefestigte Straße, echt kein leichtes Ankommen. Am Abend schleppe ich mich noch kurz ins Zentrum und kaufe Wein, Snacks und Essen für die nächsten Tage ein. Wieder das böse Erwachen. Alles mindestens doppelt so teuer wie in Deutschland. Fast alles aber auch importiert. Da stellt sich eine spannende Frage: Wo sind all die bulgarischen Produkte? Am Abend gönne ich mir tatsächlich einen Döner. Der ist ziemlich „fancy“. Lange Schlange. Aber auch sehr lecker. Mit meinem Bettnachbarn aus Großbritannien trinke ich mich in meinen Geburtstag hinein. Denn auch er hat noch Wein besorgt. Wein und politische Gespräche bis in meinen Geburtstag hinein.
1. November 2026
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älterer Mann in roter Fleecejacke mit Stock und Kappe sitzt in der Straßenbahn, Fahrgäste im Hintergrund, digital mit der Leica

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Bulgarien, also Bulgarien wie schon vor acht Jahren. Damals nur Sofia, und damals Winter. Heute Herbst, und heute ein bisschen mehr als Sofia. Warum Bulgarien? Damals schrieb ich in meiner Reisereportage, dass ich wiederkommen werde. Viele Jahre sind vergangen, und jetzt, jetzt ist es an der Zeit. 2026: mein Bulgarienjahr. Eigentlich hatte ich diese Reise schon für das Frühjahr vorgesehen, aber da wollte das Leben andere Dinge von mir. Viele Dinge von mir gewollt, viel Kraft geraubt, und nun ist’s eben doch erst der Herbst. Anyway, das Leben spielt seine eigene Musik und klopft den eigenen Rhythmus. Gut so. Oktober, Bulgarien, ich komme. Diesmal geht alles ratzfatz. Ich bin so schnell von Leipzig nach Berlin gekommen, dass ich mich gar nicht zweimal umdrehen konnte. Genauso ratzfatz fliege ich von Berlin nach Sofia, ratzfatz bin ich in meinem Hostel, und ratzfatz bin ich diesmal so gar nicht vorbereitet. Das gab es noch nie. Immer wieder erste Male. Aber erst ankommen, Orte wiedererkennen.
1. November 2026