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Der Teufel ist Kaiserin

Mittwegs auf unsres Lebens Reise fand

In finstren Waldes Nacht ich mich verschlagen,

Weil mir die Spur vom graden Wege schwand.

Wie hart ists, ach, von diesem Walde sagen,

Wie wild und rauh und dicht sein Dickicht droht:

Dran denken nur macht noch aufs neu mich zagen!

So bitter ists, daß bittrer kaum der Tod.

Die Göttliche Komödie, Dante Alighieri

Das sind die ersten Zeilen der Göttlichen Komödie von Dante Alighieri. Wir befinden uns in der Hölle, dem ersten Teil von Dreien; irgendwann folgen das Fegefeuer und der Himmel. Wir befinden uns auch in meinem fotografischen Jahresthema 2024. Festgelegt hatte ich es bereits irgendwann zwischen September und Oktober des letzten Jahres. Bisher hatte ich nur noch nicht wirklich den emotionalen Zugang zum Werk und der Verbindung zu mir gefunden. Theoretisch war alles klar, praktisch ging gar nichts. Das liebe Leben eben. Doch auf einmal platzte der Knoten; es war Anfang Februar. Ich begann die einzelnen Gesänge des Dante zu lesen und mich an ihnen zu ergötzen. Warum die Göttliche Komödie als Thema für Fotokunst, meiner Fotokunst und das ein ganzes Jahr lang? Wie auf viele Fragen des Lebens gibt es nicht die eine Antwort. Eher ein Konglomerat an Antworten.

Zum ersten Mal begegnete mir die Komödie sehr eindrücklich bei Auguste Rodin und seinem „Höllentor“. Ein halbes Leben lang (37 Jahre) arbeitete dieser an seinem Werk, am Inferno, wo alle Figuren auf die unterschiedlichste Weise mit dem Tod ringen und der Hoffnungslosigkeit, die mit ihm scheinbar einhergeht. Diese skulpturale Arbeit faszinierte mich; sie verfolgte mich irgendwie auch unterschwellig in den letzten 15 Jahren. Auch auf allen Reisen nach Italien, durch Italien. Ich liebe dieses Land, die Sprache, die Menschen, die Natur, das Essen, die Musik. Die Komödie des Dante war das erste große Werk in italienischer Sprache. Dante ist so etwas wie ein Held der Italiener. Überall begegnete er mir schon; Straßen, Plätze sind nach ihm benannt, seine Büste ist zu sehen. Dabei hat das Werk fast 700 Jahre auf dem Buckel. Dennoch hat es nichts eingebüßt über die Erzählung vom Menschen, seinem Sein, seinen Ängsten, Sorgen, Wünschen usw. Es ist erstaunlich aktuell und ziemlich poetisch. Der Dante schrieb es, während er sich im politischen Exil befand. Immer wieder musste er seinen Aufenthaltsort wechseln. Das, was für sein persönliches Leben wahrscheinlich ziemlich anstrengend daherkam, war für sein literarisches Schaffen Gold wert. Dante Alighieri, der nicht nur Dichter war, sondern auch Philosoph und politischer Mensch des Mittelalters. Er selbst liebt, leidet, irrt und lernt. Er ist Hauptakteur seines stilisierten Spiels. Ich hoffe im Laufe des Jahres aus der Hölle hinauszukommen, über das Fegefeuer zum Paradiso. In dieser Serie stelle ich mein Inferno vor. Es kommt daher im Triumvirat der göttlichen Farben: schwarz, weiß und rot. Und, da gleichen Dante und ich uns. Beide haben wir eine große Vorliebe für Zahlensymbole.


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15. Februar 2024

Antje Kröger lebt und arbeitet als freie Fotografin und Fotokünstlerin in Leipzig. Das Spektrum ihrer Tätigkeit reicht vom Portraitieren anspruchsvoller Einzelkunden bis hin zu umfassend fotografisch künstlerischen Arbeiten in den Bereichen Werbung, Musik, Mode, Film, Theater etc. Im Fokus ihrer Arbeiten steht der Mensch, die Kommunikation mit dem Gegenüber ist der Schlüssel ihres Werks.

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