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Welker Sommer

Alles leuchtet im doppelten Licht. Licht, Licht, Schatten. Von Zeit zu Zeit überragen diese Schatten ihre Figuren. Sie übersteigen die Vorstellung, dehnen sich wie schwarze Löcher aus, auf eine Größe, die für das Denken unvorstellbar ist, und legen sich selbst über das doppelte Licht. Mehr Licht, mehr Schatten. Noch mehr Licht, noch mehr Schatten. Ein Mehr des einen bedingt auch ein Mehr des anderen. Gegengewichte tarieren sich aus. Das Gesetz des Gleichgewichts gilt. Es gilt immer. Gerät das Konstrukt aus Licht und Licht und Schatten in eine Schieflage, implodiert das System.

In diesem Jahr begann der Sommer früh zu welken. Das Spiel der Lüste, voller Wechsel zwischen Licht und Licht und Schatten, endete schneller als gedacht. Die Welt außerhalb des Sommers war nämlich in eine Unwucht geraten. Doch sie begriff es nicht, war auch nicht darauf vorbereitet. Sie torkelte dahin, geriet aus den Fugen. Alle machten mit, wie selbstverständlich. Gleichschritt voran. Zwei Richtungen: links und rechts. Bitte entscheiden. Licht oder Schatten. Bitte sofort. Jetzt.

Dabei dachte ich felsenfest, der Sommerraum sei sicher. Ihm könne nichts etwas anhaben. Alle Spielenden wären resilient gegenüber dem Wahnsinn. Aber nein. Die Wahnsinnigen beteiligten sich am Wahnsinn. Schlossen sich zuerst an, aus Angst vor Ausgrenzung, aus Angst vor Verlust. Aus Angst. Wahnsinniger Angst. Die Sommerblätter welkten so schnell, dass mir die Tränen in die Augen schossen. Gerade war ich angekommen: in der Lust, im Fallen, im Auflösen, im Sterben. Da begann der Raum zu wackeln. Die Blätter welkten in Lichtgeschwindigkeit. Die Banalität des Seins, der Entscheidungen, des Lebens hatte eine ungekannte Wucht.

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4. August 2025

Antje Kröger lebt und arbeitet als freie Fotografin und Fotokünstlerin in Leipzig. Das Spektrum ihrer Tätigkeit reicht vom Portraitieren anspruchsvoller Einzelkunden bis hin zu umfassend fotografisch künstlerischen Arbeiten in den Bereichen Werbung, Musik, Mode, Film, Theater etc. Im Fokus ihrer Arbeiten steht der Mensch, die Kommunikation mit dem Gegenüber ist der Schlüssel ihres Werks.

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1. September 2026
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rausch als erster taumel. der moment, in dem die grenzen der haut nicht mehr halten, in dem farbe zu blut wird, blut zu farbe, in dem zwei gesichter sich übereinanderlegen, keines mehr das eigene. lametta wie ein vorhang zwischen wachsein und traum, traum und wachsein. gold, das schneidet, licht, das lügt. der körper bemalt, beschriftet, überschrieben. rote linien, die adern nachzeichnen oder sie erfinden. was zuerst nur schatten war, geworfenes licht, wird mit rotem lippenstift nachgezogen, festgehalten, behauptet, der schatten zur wunde gemacht, die vorlage zur handlung. rausch als erster schritt in die auflösung. der mensch selbst verschwimmt darin, er ist nicht einer, der den rausch erlebt, er ist der rausch, sein gesicht löst sich auf, bevor die kamera es fassen kann, seine konturen zerlaufen wie farbe im wasser. bevor der tod kommt, bevor die imagination übernimmt.
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