Sein Atelier hat er auf einer Burg eingerichtet – deshalb nenne ich ihn den Burgfotografen. Einmal kam er nach Leipzig und nahm an einem meiner Foto-Workshops teil. Dann zogen Jahre ins Land. Wolken auf und ab, Regen und Sonne im Wechsel. Irgendwann kam ich ihm wieder in den Sinn. Wir telefonierten. Er wollte von mir lernen – individuell, fordernd, ernsthaft. Er wollte ein Meister werden und von der Meisterin lernen. Vier Monate folgten. Viele Gespräche, viele Übungen, viel Kritik, viel Aushalten, viel Disziplin. Und ich war sehr oft sehr stolz. Mein ältester Schüler – mit solchen Fortschritten, solchem Willen, solcher Freude am Fotografieren. Und genauso viel Freude vor der Kamera. Vor meiner Kamera.
Sie bat den jungen Kerl, sie ab nun während ihres Balzverhaltens immer sein Greisenmädchen zu nennen. Aber ist es denn überhaupt eine Balz, wenn es nicht mehr um Reproduktion geht? Egal. Sie mochte die Wortschöpfung. Greisig. Klang wie auf dem Weg ins Morgenland, zu all den Weisen, mit denen sie Schritt halten konnte. Mädchen. Das Attribut hatte sie niemals aufgegeben. Immer die Wangen rosig, immer auf der Flucht vor Verantwortung, immer ein naiver und doch wacher Blick in die Ferne.
Der Liebe wird alles wichtig und lieb: eine Schattenmulde in der Wange, das Runzelgeflecht ums Auge, eine Kindheitsnarbe unter den Zehen, ein verborgener Makel der Haut, eine sichtbar werdende Ader und die kahle Stelle im Haar. Jeder Verlust wird auch Gewinn und mehrt die Erinnerung. Treuer als Lust macht Zärtlichkeit, die Schmerz um Vergängliches erneuert. Aus […]
Ich denke an Ivan.Ich denke an die Liebe.An die Injektionen von Wirklichkeit.An ihr Vorhalten, so wenige Stunden nur.An die nächste, die stärkere Injektion.Ich denke in der Stille,Ich denke, daß es spät ist.Es ist unheilbar. Und es ist zu spät.Aber ich überlebe und denke.Und ich denke, es wird nicht Ivan sein.Was immer auch kommt, es wird […]
Sie war Teilnehmerin meines Aktworkshops am vergangenen Wochenende. Die ersten zwei Stunden nahm ich sie kaum wahr, sie saß da, sie hörte zu, sie brachte sich nicht ein. Doch dann war sie an der Reihe, ich erinnere mich noch so genau an ihre ersten Worte, fast waren diese wie eine Offenbarung, aber in jedem Fall […]