Porträtfotografie schwarz weiß Leipzig

Das Mitbringsel

Der Rock fand zu mir in ’nem Flohmarkt-Eckladen des Istanbuler Stadtteils Fener. Es gibt wenige Plätze in dieser Stadt, wo Dinge beherbergt sind, die schon ein anderes Leben hinter sich haben. Um so glücklicher war ich, diesen einen gefunden zu haben. Es standen da auch ’ne Menge russischer Kameras herum. Aber ich entschied mich diesmal für Leder und Stoff. Der Rock war versteckt, ich mochte sein Muster. Es war schnell klar, dass er mit mir zurückreisen würde.

Dieser Rock steht für so viel, über das ich mir Gedanken machte während meiner Zeit in der Türkei. Traditionen, die Rolle der Frau, Feminismus im Islam. Seitdem ich denken kann, bewege ich mich als Frau frei durch diese Welt. Es gab weder von meiner Familie noch von anderen Menschen Vorschriften und Erwartungen über meinen Umgang mit Leben, meinen (beruflichen) Wünschen, meiner Selbstverständlichkeit als gleichberechtigtes Wesen. Ich führte viele Gespräche während meiner Zeit in Istanbul, die Rolle der Frau betreffend. Spannend, was dies derzeit mit mir macht, es arbeitet in mir, weil mein Selbstverständnis von Gleichberechtigung an vielen anderen Orten infrage gestellt wurde / wird – erklärt mit Religion und traditionell, konservativem Wertesystem. Ich danke meiner Mama, dass sie mich zur freien Frau erzogen hat, die ihre Wege alleine gehen darf, denn niemand muss bis zum Bosporus reisen, um auch in unseren Breiten Frauen zu treffen, die unfrei sind.

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Das Mitbringsel
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3 thoughts on “Das Mitbringsel”

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31. Oktober 2015

Antje Kröger lebt und arbeitet als freie Fotografin und Fotokünstlerin in Leipzig. Das Spektrum ihrer Tätigkeit reicht vom Portraitieren anspruchsvoller Einzelkunden bis hin zu umfassend fotografisch künstlerischen Arbeiten in den Bereichen Werbung, Musik, Mode, Film, Theater etc. Im Fokus ihrer Arbeiten steht der Mensch, die Kommunikation mit dem Gegenüber ist der Schlüssel ihres Werks.

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ich bin die form, in der diese serie (und auch ein seminar, welches ich anbieten werde) überhaupt erst denkbar wird. mein körper, mein status quo, hier und jetzt, inszeniert, gestellt, verstellt vor meinen kameras. beziehung ist das wort für das, was zwischen mir und der fotografie entsteht. zwischen mir und mir, zwischen dem, wer ich gerade bin, was ich weitergeben will, und dem, was ich selbst noch lerne. deshalb zeigt sich die serie „zweimal“: analog mit großformatkamera, auf altem orwo-fotopapier, das aus einem land stammt, in dem auch ich sozialisiert wurde, bevor es aufhörte zu existieren. und digital, in farbe, mit der technik unserer zeit. denn ich bin beides: das damals und das jetzt, ohne dass eines das andere widerlegt.
24. September 2026