Epiphanie Fotoserie Antje Kroeger

Epiphanie

Nicht alle blitzartigen Erscheinungen sind zwangsläufig fragmentarischer Natur. Eine Epiphanie ist kein Fragment. Ein Organismus ist kein Fragment. Natürlich gibt es zeitlich begrenzte Zustände, die außergewöhnlich intensiv sind und einen auf eine andere Bewußtseinsebene zu heben scheinen oder einem Zugang zu etwas schaffen, das man vorher nicht kannte. Der Zugang mag, um ein Bild aus dem Alten Testament zu benutzen, ein Nadelöhr sein, eine winzige Öffnung – dort hindurchzugehen ist, wenn Sie so wollen, eine Art Aufblitzen, aber was folgt, ist etwas anderes. Die Tatsache, dass etwas kurz oder flüchtig ist, macht es nicht automatisch zu einer blitzartigen Erscheinung. Beim Fragment wiederum geht es um andere Dinge.

Das Fragment scheint die angemessene Kunstform unserer Zeit zu sein, und jeder, der über Kunst und Geist nachgedacht hat, hat sich damit auseinandergesetzt. Roland Barthes hat erst kürzlich gesagt, all seine Anstrengungen richten sich auf die Überwindung des Fragments. Die Frage ist nur: Kann man das überhaupt? Es gibt einen Grund, warum das Fragment seit der Romantik zur prominenten Kunstform geworden ist, die den Dingen mehr Wahrheit, Authentizität und Intensität verleiht. Es gibt außergewöhnliche Augenblicke des Genusses und der Erkenntnis, und einige Dinge sind intensiver als andere, weil wir auch in unserem Bewusstsein an vielen verschiedenen Orten leben. Aber die Tatsache, dass man bestimmte Momente als außergewöhnlich erlebt – und das nicht nur, weil sie erinnerungswürdig sind, sondern weil sie einen verändert haben -, bedeutet nicht, dass es sich dabei um Fragmente handelt.

Susan Sontag, Jonathan Cott; The Doors und Dostojewski – Das Rolling-Stone-Interview
Epiphanie Fotoserie Antje Kroeger
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13. Januar 2019

Antje Kröger lebt und arbeitet als freie Fotografin und Fotokünstlerin in Leipzig. Das Spektrum ihrer Tätigkeit reicht vom Portraitieren anspruchsvoller Einzelkunden bis hin zu umfassend fotografisch künstlerischen Arbeiten in den Bereichen Werbung, Musik, Mode, Film, Theater etc. Im Fokus ihrer Arbeiten steht der Mensch, die Kommunikation mit dem Gegenüber ist der Schlüssel ihres Werks.

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ich bin die form, in der diese serie (und auch ein seminar, welches ich anbieten werde) überhaupt erst denkbar wird. mein körper, mein status quo, hier und jetzt, inszeniert, gestellt, verstellt vor meinen kameras. beziehung ist das wort für das, was zwischen mir und der fotografie entsteht. zwischen mir und mir, zwischen dem, wer ich gerade bin, was ich weitergeben will, und dem, was ich selbst noch lerne. deshalb zeigt sich die serie „zweimal“: analog mit großformatkamera, auf altem orwo-fotopapier, das aus einem land stammt, in dem auch ich sozialisiert wurde, bevor es aufhörte zu existieren. und digital, in farbe, mit der technik unserer zeit. denn ich bin beides: das damals und das jetzt, ohne dass eines das andere widerlegt.
24. September 2026