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Antifaschistinnen in Riesa gegen die Kälte der Zeit

13. Januar 2025:
Es wurde viel diskutiert in den letzten zwei Tagen. Über Polizeigewalt, über „fast noch Kinder“, die bereit waren für Auseinandersetzungen, welcher Art auch immer. Über Demonstrierende, die die Stadt Riesa lahmlegten. Über Hunde, die auf Menschen gehetzt wurden. Über verletzte Politiker*innen und Journalistinnen. Über den viel zu schnellen Einsatz von Pfefferspray durch die staatliche Gewalt. Über Tausende legal Demonstrierende, die über eine enge Fußgängerbrücke in einen Kessel geschickt wurden. Über Protest, über die Demokratie, über einen Parteitag einer Partei, die von vielen nicht als demokratisch wahrgenommen wird. Über eine Partei, deren Verbot immer wieder gefordert und diskutiert wird.

Und das ist doch gut. Es ist gut, dass so viel diskutiert wird. Es ist gut, dass Menschen sich miteinander auseinandersetzen und nicht noch mehr separieren. Wir sind alle schon viel zu sehr auseinandergerückt in unseren Utopien – wie wir leben wollen. Fangen wir doch an, nach Gemeinsamkeiten zu suchen. Wir brauchen genügend Geld auf unseren Konten, um ein gutes Leben zu führen. Und zwar ALLE. Deswegen: Für mich müssen Antifaschismus, Demokratie, Solidarität und Antikapitalismus dringend zusammengedacht werden. Dann haben vielleicht auch Themen wie Migration, Akzeptanz und die Bekämpfung des Klimawandels wieder den richtigen und fairen Platz in den Debatten.


11.1. 2025

Ich kenne Riesa von den Zündhölzern. Vor allem. Und von Großmutters Einkaufstouren, noch in den Tiefen der DDR. Und ich kenne den Bahnhof von Riesa von den Durchfahrten nach Dresden oder Richtung Prag. An diesem Tag, am Anfang des 25. Jahres dieses Jahrhunderts und Jahrtausends, lernte ich Riesa aus der Perspektive von Zehntausenden Antifaschistinnen kennen.

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Antifaschistinnen in Riesa gegen die Kälte der Zeit

Schon in der Leipziger Tram am frühen, sehr frühen Samstagmorgen war klar: Viele, viele Menschen, ausgestattet mit Tupperdosen, Thermoskannen, mehreren Schichten Kleidung sowie Fahnen und Plakaten, wollten sich auf den Weg nach Riesa machen, um den Parteitag der AfD zu stören oder einfach gegen die AfD zu demonstrieren. Gleis 21 am Hauptbahnhof war um halb sieben nicht nur gut gefüllt, sondern überfüllt. Der Regionalzug nach Dresden kam – und rollte wieder weg. Nicht einmal die Hälfte der Menschen konnte er in seinen Bauch aufnehmen. Ich saß kurzzeitig tatsächlich in diesem Bauch, ließ mich dann aber wieder ausspeien. Meine kleine Panik in mir wollte nicht bleiben.

An einem anderen Gleis stand ein Intercity. Sein Bauch nahm alle anderen Demonstrationswilligen auf. Auch dieser Zug war voll. Aber Atmen war noch möglich. Auf Riesas Bahnhof sah es noch wuchtiger aus. Hier kamen volle Züge aus Dresden und Leipzig an. Es dauerte also eine ganze Weile, bis der Tross überhaupt bis vor das Bahnhofsgebäude gelangte, von wo sich die geplante Großdemonstration in Gang setzen sollte. Schon hier ein ordentliches Polizeiaufgebot. Es war verboten, den Bahnhofsvorplatz zu verlassen. Immer wenn es ein paar Menschen versuchten, liefen die Staatsangestellten hinterher. Ich musste pullern. Aber auch ein Ausflug in die Büsche war auf keinen Fall erlaubt. Also standen morgens um acht Uhr tausend oder zweitausend Menschen am Bahnhof herum und durften sich nicht fortbewegen.

Dies war dann eine Stunde später möglich. Es gab eine angemeldete Route, von der durfte nicht abgewichen werden. Immer mal wieder sperrten Polizisten große Kreuzungen ab, die aber als Route vorgesehen waren. Tohuwabohu. Mehrmals kam es zum Katz-und-Maus-Spiel. Einmal mussten Tausende Menschen eine Fußgängerbrücke überqueren – ziemlich eng –, um dann für mehr als eine halbe Stunde in einem Kessel zu landen. Das Ende vom Lied: Erst gegen elf Uhr kamen die Demonstrierenden, die mit Zügen nach Riesa gereist waren, am Gelände an, wo zu diesem Zeitpunkt bereits der AfD-Parteitag in vollem Gange war. So gewollt? Ein Narr, der Böses dabei denkt.

Der Platz vor der „Parteitagshalle“ war bereits bunt gefüllt mit Menschen. Auf der Bühne spielte gerade Team Scheiße. Ein Fahnenmeer wehte in der Mittagssonne. Es war knackig kalt. Aber hier gab es auch Aufwärmzelte und Toiletten. Die Buntheit der Menschen war spektakulär. Und auch ihr Verhalten. Selten habe ich eine Demonstration erlebt, bei der gegenseitig so viel Acht gegeben wurde. Selten habe ich so verschiedene Menschen getroffen, die aber alle eines gemeinsam hatten: Sie sind Antifaschistinnen.

Die Polizei hatte an diesem Tag eine ziemlich kurze Zündschnur. Eine Polizistin erzählte mir, dass es auch daran liege, dass sie viel zu wenige seien für die vielen Menschen, die nach Riesa gekommen waren. Das sei keine Entschuldigung, aber sie wollte etwas erklären. Wie auch immer. Für mich war dieser Tag wichtig. Er zeigte mir, dass so viele Menschen bereit sind, sich gegen die Nazis in, aber auch außerhalb der AfD, zu stellen – oder zu setzen.


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