Drei Jahre (2022, 2023, 2024), 1692 analoge Fotografien, mehrere tausend Zugkilometer. Alles war mehr Zufall als geplant. Seit vielen Jahren fuhr ich schon mit dem Zug, zuerst durch Deutschland, später auch durch Europa und vor allem Osteuropa. Außerdem drängte sich die analoge Fotografie wieder stärker in mein Leben – so wie alles begonnen hatte mit der Fotografie, damals, vor mehr als drei Jahrzehnten.
Es begann in den Sommermonaten des Jahres 2022, mit dem 9-Euro-Ticket und einem Ausflug mit dem Ferienkind nach Görlitz. Zunächst wollte ich nur Orte in Ostdeutschland besuchen und diese auf analoges Filmmaterial bannen, doch dann weitete sich mein Begehren aus. Ich reiste vornehmlich durch Ostdeutschland (zwei westdeutsche Ausnahmen eingeschlossen, da ich diese Städte aus anderen Gründen besuchte).
„Der Plan: Mit dem 9-Euro-Ticket all die Orte im Osten der Republik abfahren, die ich noch nie sah in meinem Leben, um die Besuche analog auf Filmmaterial festzuhalten, also den Status Quo dieser Plätze einzufrieren. Das 9-Euro-Ticket ist Geschichte. Mittlerweile nenne ich ein Deutschlandticket mein Eigen. Wenn die Sonne zwischen den Wolken durchschaut, es nicht regnet, ich Zeit habe und fotografische Lust verspüre, mache ich mich immer wieder auf den Weg. Meine Themen sind Brutalismus, sozialistische Überbleibsel, Mensch und Raum, Vergangenes, Vergilbtes, Totes, Skulpturen und alles, was meinen Geist und meine Ästhetik anspringen mag.“
Der Korb meines Rotkäppchens war irgendwann gefüllt mit Sorgen, bis zum Rand. Sorge. Vorsorge. Sorge vor Sorge. Versorgen, umsorgen, (selbst)fürsorgen. Wo war das niedliche, furchtlose Mädchen geblieben? Angst oder Furcht. Egal. Beides in ordentlichem Maße vorhanden. Nur die Sehnsucht war geblieben. Natürlich. Und wenn sie nicht gestorben sind… Aber so viel(e) war(en) schon gestorben. Die Großmama natürlich. Aber auch die ein oder andere Utopie. Menschen. Vorhaben. Lieben, die Leichtigkeit.
Auf dem Nachttischchen aus Holz, das neben dem knarrenden Omabett stand, lag dieses wunderschöne DDR-Märchenbuch. Es war ein dicker Brocken und die Seiten waren mit einem goldenen Schnitt verziert. Als Kind dachte ich, dieses Buch wäre ein Schatz. Denn immer, nachdem Omama mir daraus vorgelesen hatte, verschwand es wieder in einer roten Box aus dicker Pappe. Dann war das wunderschöne Cover nicht mehr sichtbar, welches mich durch meine gesamte Kindheit begleitete.
ich bin die form, in der diese serie (und auch ein seminar, welches ich anbieten werde) überhaupt erst denkbar wird. mein körper, mein status quo, hier und jetzt, inszeniert, gestellt, verstellt vor meinen kameras. beziehung ist das wort für das, was zwischen mir und der fotografie entsteht. zwischen mir und mir, zwischen dem, wer ich gerade bin, was ich weitergeben will, und dem, was ich selbst noch lerne. deshalb zeigt sich die serie „zweimal“: analog mit großformatkamera, auf altem orwo-fotopapier, das aus einem land stammt, in dem auch ich sozialisiert wurde, bevor es aufhörte zu existieren. und digital, in farbe, mit der technik unserer zeit. denn ich bin beides: das damals und das jetzt, ohne dass eines das andere widerlegt.