IM LICHT
Das Holz knackt morschtrocken. Kein Lüftchen weht. Auch kein laues. Die Wipfel der halbstarken Bäume haben sich zu einer Krone vereinigt, sie lassen wirklich wenig Licht hindurch. Wenn aber, dann schießt es wie Patronensalven auf alles Sein und kreiert harte, herrliche Schatten. Liebstes Schattenlicht. Aus dem Revolver der Sonne. Das ist die Welt im Garten der verzweigten Lichter. Der Efeu rankt, abgebrochene dünne und auch dicke Äste liegen wie Stolperfallen auf den nicht vorhandenen Wegen. Spinnennetze hängen ausschweifend wie Weihnachtsschmuck in der Luft, gehalten von Zweigen und Zweigchen. Das tiefe Licht des Herbstes wird von Zeit zu Zeit von flauschigen Wolken verschluckt. Dann ersäuft der Garten in einer Dunkelheit, an die die Augen sich erst gewöhnen müssen. Im Garten der verzweigten Lichter. Wir Wesen, wir schreiten durch den Garten. Es knackt. Wir stolpern. Getier ist in der Luft, bevölkert unsere Körper. Der Garten wächst in jedem Moment, rankt, wuchert, wildert vor sich hin. Der Müll der Menschheit wird eingewickelt in Blätter, bedeckt von verwelktem Laub, eingegraben in frische Erde. Wir Wesen dürfen hier keine Menschlein sein. Das erlaubt der Garten nicht. Wir sind hier Wesen wie alle anderen auch. Gesetze und Regeln gelten für alle. Ausnahmslos. Natürliche Gleichberechtigung. Eigen in den Wesenszügen, gleich in der Vergänglichkeit. Wir werden alle irgendwann eingewickelt in Blätter, bedeckt von verwelktem Laub, eingegraben in frische Erde. Der Garten wartet nicht. Er wuchert einfach weiter. Immer weiter.

















Der Garten der verzweigten Lichter – IM LICHT



IM SCHATTEN









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