Frau mit Totenmaske breitet Umhang aus, steht im Badekostüm am Seeufer, Schilf hinter ihr, analoges Schwarz-Weiß-Foto auf Kodak T-Max 100, Serie „El Pasaje"

El Pasaje (I)

Der Wind.
Die Sonne.
Das Türkis des Wassers.
Das Alleinsein.
Das Schilf.
Die Maske.
Das Seil.
Das Gelb des dünnen Mantels.
Die Sprossen des Weidenkätzchens.
Der Ziegelstein.
Die Fäden des Lametta.
Die dunklen Wolken.
Der Geruch des Frühlings.


Ziemlich lange nicht mehr hier gewesen.
Räume und Zustände haben sich geändert.
Die Zeit macht dies alleine und regelmäßig.
Der Vergänglichkeit in den letzten Jahren beim Vergehen zugeschaut.
Hunderte kleine Tode gestorben.
Dennoch gefeiert und dem Rausch die Stirn geboten.
Das tanzende Glitzer in den verschiedenen Farben aufgehängt.
Dem Abschied und dem Schmerz mit einem Lachen begegnet.
Die Sonnenstrahlen an der Nase kitzeln,
das Kalt des Wassers an der Haut abprallen lassen.
Die Augenringe im Spiegel mit Herzen eingerahmt.
Ausgehalten und dabei so viel gelebt.
Innegehalten und laut nach draußen gebrüllt.
Abstand gehalten und so viel Neues in die Nähe gelassen.
Fremdes Schweigen ertragen.
Fremde Haut gespürt.
Ruhe nicht ausgehalten.
Nach Utopien Ausschau gehalten.
Gelebt.
Er-lebt.
Die Freiheit.

Schilf am Seeufer mit Silberfäden und Schädel, weite Landschaft, kein Mensch, analoges Schwarz-Weiß-Foto auf Kodak T-Max 100, Serie „El Pasaje"
El Pasaje
Schädel lugt aus dem Schilf am Wasser hervor, wehende Silberfäden, kein Mensch sichtbar, analoges Schwarz-Weiß-Foto auf Kodak T-Max 100, Serie „El Pasaje"
El Pasaje
Frau ohne Maske steht im Schilf, hält Schädel in der Hand, daneben Silberlametta-Bündel, analoges Schwarz-Weiß-Foto auf Kodak T-Max 100, Serie „El Pasaje"
El Pasaje
Maskierte Gestalt mit Totenmaske steht zusammengekauert im Schilf am Wasser, Silberlametta, analoges Schwarz-Weiß-Foto auf Kodak T-Max 100, Serie „El Pasaje"
El Pasaje
Maskierte Gestalt im Profil, hält Silberlametta-Bündel, Schilf im Hintergrund, analoges Schwarz-Weiß-Foto auf Kodak T-Max 100, Serie „El Pasaje"
El Pasaje
Maskierte Gestalt fast verborgen hinter Silberlametta-Bündel und Schilf, Totenmaske kaum sichtbar, analoges Schwarz-Weiß-Foto auf Kodak T-Max 100, Serie „El Pasaje"
El Pasaje
Maskierte Gestalt streckt Arme mit Seil aus, steht im Schilf am Wasser, bewölkter Himmel, analoges Schwarz-Weiß-Foto auf Kodak T-Max 100, Serie „El Pasaje"
El Pasaje
Maskierte Gestalt mit Seil gefesselt und Silberlametta am Kopf, steht im Schilf am Wasser, bewölkter Himmel, analoges Schwarz-Weiß-Foto auf Kodak T-Max 100, Serie „El Pasaje"
El Pasaje
Maskierte Gestalt mit Seil gefesselt steht im Profil am Wasser, Schilf und Silberlametta links, analoges Schwarz-Weiß-Foto auf Kodak T-Max 100, Serie „El Pasaje"
El Pasaje
Maskierte Gestalt mit Seil gefesselt, überwältigt von Silberlametta-Bündel, Schilf und Seil im Vordergrund, analoges Schwarz-Weiß-Foto auf Kodak T-Max 100, Serie „El Pasaje"
El Pasaje
Maskierte Gestalt mit Seil gefesselt steht am Seeufer, Kopf zurückgeworfen, weite Wasserfläche, analoges Schwarz-Weiß-Foto auf Kodak T-Max 100, Serie „El Pasaje"
El Pasaje
Maskierte Gestalt wirft Seil ins Wasser, in Bewegung, Schilf und See im Hintergrund, analoges Schwarz-Weiß-Foto auf Kodak T-Max 100, Serie „El Pasaje"
El Pasaje
Maskierte Gestalt hält Seil in Händen, steht vor Silberlametta-Bündel und kahlen Ästen, analoges Schwarz-Weiß-Foto auf Kodak T-Max 100, Serie „El Pasaje"
El Pasaje
Maskierte Gestalt sitzt auf Baumstumpf im Schilf, hält Ziegelstein mit Öffnungen, analoges Schwarz-Weiß-Foto auf Kodak T-Max 100, Serie „El Pasaje"
El Pasaje
Maskierte Gestalt sitzt auf Baumstumpf und hält Ziegelstein, explodierendes Silberlametta im Hintergrund, analoges Schwarz-Weiß-Foto auf Kodak T-Max 100, Serie „El Pasaje"
El Pasaje

Fortsetzung folgt…

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13. März 2026

Antje Kröger lebt und arbeitet als freie Fotografin und Fotokünstlerin in Leipzig. Das Spektrum ihrer Tätigkeit reicht vom Portraitieren anspruchsvoller Einzelkunden bis hin zu umfassend fotografisch künstlerischen Arbeiten in den Bereichen Werbung, Musik, Mode, Film, Theater etc. Im Fokus ihrer Arbeiten steht der Mensch, die Kommunikation mit dem Gegenüber ist der Schlüssel ihres Werks.

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Bulgarien (OKT 2026) – Sofia second

Wieder mit dem Zug, diesmal dauert es fünf Stunden für schmale acht Euro. Diese Fahrt zieht sich ganz schön hin. Als der Zug in Sofia hineinfährt, finde ich es ganz schön, wie ein Zurückkommen, wie ein Ankommen, wie ein: Oh, das kenne ich hier schon. Das mag ich. Danach fahre ich mit der Metro in mein neues Hostel. Diesmal habe ich eine Herberge gebucht, die etwas weiter aus dem Zentrum heraus liegt. Ich will in eine andere Gegend, in einen anderen Stadtteil, will nicht im Zentrum sein. So bin ich in einem kleinen Hostel, einer Herberge zwischen Wohngebäuden gelandet, sehr ruhig, sehr wenige Gäste, sehr gut für meine Zwecke.
1. November 2026
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Die-Verteidiger-von-Stara-Zagora-brutalismus, Schwarzweißfoto mit sepiafarbenem Stich, Betonkreuz mit weißem Kreuzausschnitt über einem Hügel, dahinter das Soldatendenkmal mit Bajonetten, Kugellaterne, Nadelbäume, Vignettierung und körniger Himmel, abgelaufener Kodak Tri-X 400, Stara Zagora

Bulgarien (OKT 2026) – Stara Sagora (Stara Zagora)

Von Plowdiw weiter nach Stara Zagora oder Stara Sagora. Um den Namen korrekt auszusprechen oder zu verstehen, brauche ich eine Weile. Eine kleinere Stadt (120.000 Menschen zirka), rund 100 Kilometer von Plowdiw entfernt. Ziemlich unbeliebt bei Touristen. Eine Studentenstadt. Ich fahre mit dem Zug, zwei Stunden, vier Euro. Fühle mich gleich bahn-heimisch, denn ich sitze in einem alten ICE der Deutschen Bundesbahn. Die Zugfahrt ruckelt wieder so vor sich hin, ganz langsam. Alle Züge bisher aber pünktlich. Unterwegs gibt es sogar einen Halt mit einer Pause für die rauchenden Menschen. Die Zugfahrt ist sehr billig, aber auch sehr bummelig. Als Ausgleich habe ich eine nährende Aussicht auf Dörfer oder brutalistische Bahnhöfe beispielsweise, auf Strommasten mit Storchennestern, auf alte Ruinen, aus denen Schafe herauslaufen. Was ich aus dem Zugfenster sehe, ist entweder malerisch oder sozialistisch (verfallen). Das eine schließt das andere auch nicht aus. Heute denke ich mir, man könnte eine Zugfahrt auch so beschreiben: so viele Fotos, die nur meine Augen sehen und kein Apparat festhalten kann. 
Diesmal gönne ich mir ein Einzelzimmer in einem „Studio“ mit vielen Bauarbeitern, sehr ruhig, gleich hinter dem Bahnhof. Outside of the center, aber ich kann mit dem Bus ganz problemlos in die Stadt reinfahren. Das mache ich am nächsten Tag auch. Ich warte ganz brav an der ausgewiesenen Haltestelle, aber der Bus hält natürlich nicht dort, sondern 30 Meter entfernt. Der Fahrer winkt mir ganz wild zu und gestikuliert: Komm hierher zu mir. Er fragt mich sehr höflich, wo ich denn hin möchte, ich sage ins Zentrum. Als wir dort ankommen, ruft er durch den Bus: „Madame, wir sind im Zentrum. Sie können aussteigen.“ Schön. Ich bin angekommen in Stara Zagora. 
Warum bin ich überhaupt in Stara Zagora? Ich will Brutalismus. Brauche eine kleine Menschen-Auszeit. Am Rand der Stadt gibt es ein Memorial zum Gedenken an die Schlacht der Osmanen mit den Bulgaren (1877). Rund 14.000 bis 14.500 bulgarische Zivilisten kamen ums Leben, und tausende Frauen und Mädchen wurden in die Sklaverei verkauft. Mein erstes Ziel. Das Samara Flag Monument. Nachdem die Sonne hochgekrabbelt ist, bin ich ganz alleine auf weiter Flur und kann die Größe und die ganze Brutalität genießen und auch den Ausblick auf die Stadt. All das ist möglich, nachdem ich die vielen (100) Treppen tapfer bezwungen habe. Ich fühle mich ganz winzig neben den riesigen Beton-Soldaten und der Betonfahne. Die Sonne wärmt so schön, dass ich eine ganze Weile bleibe… Den Rest des Tages verbringe ich im Zentrum. Ich führe ein paar kleine, nette Gespräche (treffe eine Romafamilie, die Jungs wollen mir unbedingt ihre Ohrringe zeigen), mache Fotos, suche weiteren Brutalismus und laufe. Ich laufe und laufe. Das merkt mein Körper am Abend und ist ganz erschöpft. Diese Stadt hat irgendeinen Charme, den ich nicht benennen kann. Ich bleibe zwei Nächte, dann zurück nach Sofia. In meiner Erinnerung wird Stara Zagora immer schwarz-weiß sein. Denn alle Fotos habe ich auf Film gemacht. Und der war monochrom.
1. November 2026
Bulgarien (OKT 2026) – Plowdiw (Philippopel)
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Bulgarien (OKT 2026) – Plowdiw (Philippopel)

Ich fahre mit dem Zug, drei Stunden von Sofia nach Plowdiw. Die Sonne scheint. Der Zug ist alt, die Strecke ist alt, und der Zug fährt sehr langsam. Es gibt dieses wunderbare Sechserabteil ganz im dunklen Blau und verschiedene Momente mit Menschen, die sehr interessant und inspirierend sind. Leo spricht mich an. Er hat 16 Jahre in Münster gelebt und ist seit einem halben Jahr zurück in Sofia. Er möchte wieder in Bulgarien in seiner Heimat sein, auch wegen der Eltern und Freunde. Ich frage ihn, wie es ist, als schwuler Mann in Sofia zu leben. Er erzählt mir, dass es nicht so sicher ist wie in Deutschland, aber in der Hauptstadt eigentlich kein Problem darstellt. Wir reden eine Stunde lang. Als ich ankomme, stelle ich fest, dass dieser Bahnhof echt hübsch ist. Sonst ist der erste Eindruck eher durchschnittlich. Mein Hostel liegt in der Altstadt, und die Altstadt ist sehr touristisch. Es erinnert mich ein bisschen an Mostar in Bosnien. Das Hostel ist ganz pittoresk, ein ganz altes Gebäude, umgebaut, sehr charmant, aber auch mit sehr vielen Treppen. Wie ich überhaupt meinen Koffer in die Herberge bekommen hab, frage ich mich. Treppen, Berg, unbefestigte Straße, echt kein leichtes Ankommen. Am Abend schleppe ich mich noch kurz ins Zentrum und kaufe Wein, Snacks und Essen für die nächsten Tage ein. Wieder das böse Erwachen. Alles mindestens doppelt so teuer wie in Deutschland. Fast alles aber auch importiert. Da stellt sich eine spannende Frage: Wo sind all die bulgarischen Produkte? Am Abend gönne ich mir tatsächlich einen Döner. Der ist ziemlich „fancy“. Lange Schlange. Aber auch sehr lecker. Mit meinem Bettnachbarn aus Großbritannien trinke ich mich in meinen Geburtstag hinein. Denn auch er hat noch Wein besorgt. Wein und politische Gespräche bis in meinen Geburtstag hinein.
1. November 2026