Blutmond, eine dicke schöne Frau in rotes Licht getaucht fotografiert in Leipzig

Blutmond

Der Mond, schon immer hatte er Einfluss, Einfluss auf sie, auf ihr Er-Leben. Der Mond, schon immer sehnte sie sich nach dem hellen Licht der Völle. Der Mond, schon immer wusste sie, dass er der Kamerad war, der ihre Gedanken weiter flüsterte in die Ohren, die sie empfangen sollten, egal ob er schmal oder kugelrund war. Der Mond, ihr Begleiter, nachdem sie immer Ausschau gehalten hatte. Der Mond, ihr Freund in guten und in schlechten Zeiten. Der Mond, ihre Sicherheit im Sein von Raum und Zeit. Doch manchmal verändert er sein Antlitz. Er leuchtet nicht mehr in kalter Klarheit, sondern färbt sich dunkelrot, als hätte er das Blut der Welt getrunken. Ein Blutmond hängt am Himmel, schwer, drängend, unentrinnbar. 

Sie wollte das Spektakel um den Blutmond beobachten, doch Schmerz kam dazwischen. Während draußen das Treiben tobte, Schatten, die tanzten, Flammenfarben, die den Himmel vergifteten, fand sie sich allein wieder. Der Blutmond sah einfach zu. Und da war das Gewand, es hing bereit, aus magischen Fäden gewebt, versprach Schönheit, versprach Schutz. Sie streckte die Hände danach aus, denn der Schmerz in ihr verlangte nach einem Mantel, nach etwas, das ihn verbergen könnte. Als sie hineinschlüpfte, legte sich das Gewand wie eine zweite Haut um sie, für einen Moment fühlte sie sich aufgehoben, als könnte nichts ihr etwas anhaben. Doch der Stoff war schwer, die Muster verschwammen, der Gürtel schloss sich enger und enger. Bald merkte sie, dass dieses Kleid kein Schutz war, sondern ein Käfig. Es verbarg den Schmerz, doch es nahm ihm nicht die Macht. Es verbarg die Risse, doch sie blieben beharrlich. Und unter dem roten Blick des Blutmondes leuchtete das Gewand noch schöner, noch trügerischer, während sie darin gefangen war.

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Antje Kröger lebt und arbeitet als freie Fotografin und Fotokünstlerin in Leipzig. Das Spektrum ihrer Tätigkeit reicht vom Portraitieren anspruchsvoller Einzelkunden bis hin zu umfassend fotografisch künstlerischen Arbeiten in den Bereichen Werbung, Musik, Mode, Film, Theater etc. Im Fokus ihrer Arbeiten steht der Mensch, die Kommunikation mit dem Gegenüber ist der Schlüssel ihres Werks.

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ich bin die form, in der diese serie (und auch ein seminar, welches ich anbieten werde) überhaupt erst denkbar wird. mein körper, mein status quo, hier und jetzt, inszeniert, gestellt, verstellt vor meinen kameras. beziehung ist das wort für das, was zwischen mir und der fotografie entsteht. zwischen mir und mir, zwischen dem, wer ich gerade bin, was ich weitergeben will, und dem, was ich selbst noch lerne. deshalb zeigt sich die serie „zweimal“: analog mit großformatkamera, auf altem orwo-fotopapier, das aus einem land stammt, in dem auch ich sozialisiert wurde, bevor es aufhörte zu existieren. und digital, in farbe, mit der technik unserer zeit. denn ich bin beides: das damals und das jetzt, ohne dass eines das andere widerlegt.
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