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Schümanns Küche

Schon als sie ein kleines Mädchen war, betrachtete sie mit ihrer Oma die alten schwarz-weißen Fotos mit gezacktem Rand aus der Hauswirtschaftsschule der späten 1930er Jahre. Auf diesen Bildern standen junge Frauen nebeneinander, schauten gezwungen freundlich in die Kamera. Sie trugen weiße Schürzen über Röcken, die die Knie bedeckten. Dabei hätte ihre Großmutter lieber Abitur gemacht. Doch ihr Geschlecht gab nur eine Richtung vor: Richtung Ehefrau, Richtung Mutter, Richtung Haushalt. Kochen, Nähen, Betten machen. Klug und wirtschaftlich einen Haushalt führen – das wurde in dieser Schule gelehrt.

Sie selbst lernte ihre Großmutter erst in deren „alten“ Jahren kennen. So wusste sie nicht, ob diese Hauswirtschaftsschule wirklich eine gute Hausfrau aus der Oma gemacht hatte, eine gute Mutter, eine kluge Wirtschafterin. Was sie jedoch wusste: Wie gerne sie mit der Großmutter Zeit in der altmodischen Küche verbrachte. In jener Küche, die noch mit Holz und Briketts erwärmt werden musste; manchmal kam im kalten Winter noch ein kleiner Stromofen dazu. In der kleinen Küche der Großmutter spielte sich fast das ganze Leben ab. Und hier lernte auch sie kochen – und so manchen Kniff für das Leben.

Später, in ihrer Wohngemeinschaftsküche, saßen sie und viele andere Menschen nächtelang zusammen: Sie spielten, tranken, rauchten, diskutierten, kochten, aßen, zofften sich, vertrugen sich wieder. Die Küche war der wichtigste Raum der Wohnung. Sie war riesig, viele Leute hatten Platz, oft kam Besuch. Die Küche als Seelen-Umschlagsplatz. Als Ort der Kommunikation. Als Platz der Wärme, des Diskurses, des Geschmacks, des Zusammenkommens.

Sie liebt die Energien in Küchen, die Mischung aus Arbeit und Kreativität, aus Tun und Genuss, aus Schöpfung und Kommunikation, aus „Dreck“ und „Ästhetik“. Wäre sie Architektin, würde sie immer zuerst die Küche planen; alle anderen Räume müssten sich unterordnen, würden von ihr viel weniger beachtet werden.

Küchenkinder aller Länder, vereinigt euch.

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8. Mai 2025

Antje Kröger lebt und arbeitet als freie Fotografin und Fotokünstlerin in Leipzig. Das Spektrum ihrer Tätigkeit reicht vom Portraitieren anspruchsvoller Einzelkunden bis hin zu umfassend fotografisch künstlerischen Arbeiten in den Bereichen Werbung, Musik, Mode, Film, Theater etc. Im Fokus ihrer Arbeiten steht der Mensch, die Kommunikation mit dem Gegenüber ist der Schlüssel ihres Werks.

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FORM | BEZIEHUNG | INHALT (auch ein Fotoseminar)
selbstporträt inszeniert, sandkastenform als maske vor auge, grüner lidschatten, analog-digitaler remix, konzeptuelle porträtfotografie

FORM | BEZIEHUNG | INHALT (auch ein Fotoseminar)

ich bin die form, in der diese serie (und auch ein seminar, welches ich anbieten werde) überhaupt erst denkbar wird. mein körper, mein status quo, hier und jetzt, inszeniert, gestellt, verstellt vor meinen kameras. beziehung ist das wort für das, was zwischen mir und der fotografie entsteht. zwischen mir und mir, zwischen dem, wer ich gerade bin, was ich weitergeben will, und dem, was ich selbst noch lerne. deshalb zeigt sich die serie „zweimal“: analog mit großformatkamera, auf altem orwo-fotopapier, das aus einem land stammt, in dem auch ich sozialisiert wurde, bevor es aufhörte zu existieren. und digital, in farbe, mit der technik unserer zeit. denn ich bin beides: das damals und das jetzt, ohne dass eines das andere widerlegt.
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