Die Wälin Fotoserie Antje Kröger

Die Wälin

Wasser hat keine eigene Farbe, es ist die Welt ringsherum, die ihm seine Farbe verleiht, die Spiegelung des Himmels, der Umgebung, Wasser ist nie einfach nur Wasser.
Wasser nimmt alles auf und wirbelt um alles herum, mit dem es in Berührung kommt.
Wasser ist Humus, Sand, Lehm, Plankton.
Wasser färbt sich vom Boden, den es bedeckt.
Wasser spiegelt die Welt.

…

Normalerweise sind sie paarweise oder in der Gruppe unterwegs, im Winter waren hunderte Wale an der neuseeländischen Küste gestrandet, sie strandeten und kamen nicht rechtzeitig weg, weil sie aufeinander warteten, die kleinsten Wale hätten es schaffen können, bei Hochwasser wären sie freigekommen, aber sie blieben, verließen ihre Eltern nicht, blieben bei ihrer Herde und starben mit ihr.
Auch dieser Wal kann nicht allein sein, er hat sicher einen Partner oder ein Kind ganz in der Nähe und davon abgesehen das ganze Meer unter sich, mit all seinem Leben, seinen ungeahnt vielen Arten, nur ich bin allein hier oben, nur ich und das weite Meer und die unendliche Leere über mir. Ich bin ein Kreuz auf einer Karte, ein Punkt auf einer Fläche, unbedeutend, fast unsichtbar, so wie wir alle, denn aus der Ferne, von oben, verschwindet jeder von uns, aus dem Weltraum ist nur das Wasser zu sehen, das Meer, die Wolken, die Tropfen, die der Erde Leben geben, der blaue Planet, so anders als alle anderen Planeten, die wir kennen, genauso einsam im Universum wie jeder von uns hier unten.
Du musst bleiben, lieber Wal, du musst hier bei mir bleiben, bitte bleib.
Doch im selben Moment verschwindet er, ohne Vorwarnung ist er weg, keine Kräuselungen auf den Wellen, keine Blasen im Wasser, hinterlässt nur die glatte Oberfläche, diese riesige, unbeherrschbare Wasserfläche mit ihrem unbegreiflichen System aus Wellen und Strömungen, die nicht fest ist und doch verschlossen.
Und der Wal kommt nicht zurück.

Maja Lunde, Die Geschichte des Wassers
Die Wälin Fotoserie Antje Kröger
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21. Januar 2019

Antje Kröger lebt und arbeitet als freie Fotografin und Fotokünstlerin in Leipzig. Das Spektrum ihrer Tätigkeit reicht vom Portraitieren anspruchsvoller Einzelkunden bis hin zu umfassend fotografisch künstlerischen Arbeiten in den Bereichen Werbung, Musik, Mode, Film, Theater etc. Im Fokus ihrer Arbeiten steht der Mensch, die Kommunikation mit dem Gegenüber ist der Schlüssel ihres Werks.

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ich bin die form, in der diese serie (und auch ein seminar, welches ich anbieten werde) überhaupt erst denkbar wird. mein körper, mein status quo, hier und jetzt, inszeniert, gestellt, verstellt vor meinen kameras. beziehung ist das wort für das, was zwischen mir und der fotografie entsteht. zwischen mir und mir, zwischen dem, wer ich gerade bin, was ich weitergeben will, und dem, was ich selbst noch lerne. deshalb zeigt sich die serie „zweimal“: analog mit großformatkamera, auf altem orwo-fotopapier, das aus einem land stammt, in dem auch ich sozialisiert wurde, bevor es aufhörte zu existieren. und digital, in farbe, mit der technik unserer zeit. denn ich bin beides: das damals und das jetzt, ohne dass eines das andere widerlegt.
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