Analoges Filmsoup-Porträt zwischen Materialität und Mensch von Antje Kröger

Weisser Mantel (I)

Als sie den weißen Mantel zum ersten Mal wahrnahm, war er sorgfältig geglättet hinterlegt auf einem Stromkasten am Ende ihrer Straße. Es war diese Zeit zwischen den Jahren, diese Zeitlosigkeit in der schnellsten aller Welten, die sie so liebte. Kalt war es, die Straßen leer von Automobilen, Menschen und Lärm. Das weiße Gewand schimmerte ganz ruhig in der Mittagssonne. So rein wie in diesem Augenblick würde es nie wieder erstrahlen, niemals wieder so unschuldig. Sie lächelte bei diesem Gedanken und ging weiter ihrer Wege. Am Abend kam sie wieder vorbei, am weißen Mantel. Seine Reinheit war in der Abenddämmerung nur noch zu erahnen. Er flehte sie an: „Nimm mich mit, nimm mich mit.“ Wie einst die Brote bei Frau Holle, die baten: „Hol uns hier raus, hol uns hier raus, sonst verbrennen wir.“ Sie dachte an verkohltes Brot, hatte den Geruch sofort in der Nase, drehte sich herum zum weißen Kleid auf dem Stromkasten und legte es zusammen, deponierte es in ihrer Tasche und setzte den Weg nach Hause fort. Dort hängte sie es auf einen hölzernen Bügel. Sie schlug einen kleinen Nagel in die Wand, ihrem Sessel gegenüber. Dann hängte sie den weißen Mantel auf dem hübschen Bügel an den kleinen Nagel. Sie setzte sich in ihren verschlingenden Sessel und starrte auf das Ensemble aus Klarheit, Unschuld und sauberer Schönheit. Während sie diese Worte schreibt, hängt der weiße Mantel wieder an diesem Platz, doch nun besudelt schön.

Analoges Farbfoto mit inszeniertem weiblichen Porträt und pinken Handschuhen, Filmsoup
Weisser Mantel (I)
Poetisches Farbporträt, analog fotografiert von Antje Kröger, Filmsoup
Weisser Mantel (I)
Zeitgenössisches Analogporträt mit performativem Ausdruck, Antje Kröger, Filmsoup
Weisser Mantel (I)
Analoges Farbfotografie-Porträt mit inszenierter Geste, Filmsoup
Weisser Mantel (I)
Analoges Filmsoup-Porträt mit Lichtspuren, fotografiert von Antje Kröger
Weisser Mantel (I)
Filmsoup-Porträt in analoger Fotokunst von Antje Kröger
Weisser Mantel (I)
Künstlerisches Analogporträt mit Filmsoup-Technik von Antje Kröger
Weisser Mantel (I)
Analoges Filmsoup-Porträt zwischen Materialität und Mensch von Antje Kröger
Weisser Mantel (I)
Künstlerisches Filmsoup-Porträt: Mensch im Widerstand des Materials
Weisser Mantel (I)

Werbung

NÄCHSTER FOTOWORKSHOP

2 thoughts on “Weisser Mantel (I)”

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

18. Januar 2026

Antje Kröger lebt und arbeitet als freie Fotografin und Fotokünstlerin in Leipzig. Das Spektrum ihrer Tätigkeit reicht vom Portraitieren anspruchsvoller Einzelkunden bis hin zu umfassend fotografisch künstlerischen Arbeiten in den Bereichen Werbung, Musik, Mode, Film, Theater etc. Im Fokus ihrer Arbeiten steht der Mensch, die Kommunikation mit dem Gegenüber ist der Schlüssel ihres Werks.

Latest

октомври
inszeniertes Selbstporträt, dicke Frau im zu engen orangenen Kleid auf dem Bett, Blick nach oben, Fliege am Hals, Pferdeschwanz mit Glocke auf der Decke, Leica

октомври

Ein halbes Jahrhundert nach dem ersten Schrei. Aus den traurigen Kleidern der Kindheit war sie herausgewachsen, fast immer. Neue, viel buntere, lagen auf der Straße. Irgendwo in der Ostferne. Eines hob sie auf, orangene Provokation, sie zwängte sich hinein. Es passte nicht. Sie blieb trotzdem drin. Dick, laut, zu viel, genau richtig falsch. Der Stoff […]
20. Oktober 2026
Piroska (Zweie)
rotkäppchen wald zweig berühren weidenkorb boden, rotes cape kapuze, inszenierte märchenfotografie piroska

Piroska (Zweie)

Der Korb meines Rotkäppchens war irgendwann gefüllt mit Sorgen, bis zum Rand. Sorge. Vorsorge. Sorge vor Sorge. Versorgen, umsorgen, (selbst)fürsorgen. Wo war das niedliche, furchtlose Mädchen geblieben? Angst oder Furcht. Egal. Beides in ordentlichem Maße vorhanden. Nur die Sehnsucht war geblieben. Natürlich. Und wenn sie nicht gestorben sind… Aber so viel(e) war(en) schon gestorben. Die Großmama natürlich. Aber auch die ein oder andere Utopie. Menschen. Vorhaben. Lieben, die Leichtigkeit.
4. Oktober 2026
Piroska (Einse)
rotkäppchen haarbürste neonlicht wald, geschlossene augen, inszenierte fotografie piroska selbstfürsorge

Piroska (Einse)

Auf dem Nachttischchen aus Holz, das neben dem knarrenden Omabett stand, lag dieses wunderschöne DDR-Märchenbuch. Es war ein dicker Brocken und die Seiten waren mit einem goldenen Schnitt verziert. Als Kind dachte ich, dieses Buch wäre ein Schatz. Denn immer, nachdem Omama mir daraus vorgelesen hatte, verschwand es wieder in einer roten Box aus dicker Pappe. Dann war das wunderschöne Cover nicht mehr sichtbar, welches mich durch meine gesamte Kindheit begleitete.
4. Oktober 2026