Zweikampf, Fotoserie von Antje Kroeger

Zweikampf

Sie dachte, was auch geschehen war, man würde es ihr sicher bald mitteilen. Doch niemand kam. Das Telefon klingelte nicht; die Gartenpforte wurde nicht geöffnet. Sie konnte keinen Verkehrslärm hören, sie wusste nicht einmal, in welcher Richtung die Straße lag – oder der Weg, falls sie draußen auf dem Lande war. Sie musste aus dem Haus hinaus, in dem die Luft schwer und stickig war.
Als sie herauskam, fiel es ihr wieder ein. Sie erinnerte sich, dass sie das Baby irgendwo draußen gelassen hatte, bevor der Schnee gefallen war. Lange, bevor der Schnee gefallen war. Diese Erinnerung, diese Gewissheit überkam sie mit Entsetzen. Es war, als erwachte sie aus einem Traum. Innerhalb ihres Traums erwachte sie aus einem Traum, zu einem Wissen von ihrer Verantwortung und ihrem Fehler. Sie hatte ihr Baby über Nacht draußen gelassen, sie hatte es vergessen. Es irgendwo liegen lassen, wie eine Puppe, die ihr langweilig geworden war. Und vielleicht hatte sie das nicht am vorigen Abend, sondern vor einer Woche oder vor einem Monat getan. Eine ganze Jahreszeit oder mehrere Jahreszeiten lang hatte sie ihr Baby draußen gelassen. Sie war mit anderem beschäftigt gewesen. Es konnte sogar sein, dass sie von hier weggefahren und gerade erst zurückgekommen war, ohne zu wissen, zu was sie zurückkehrte.
Sie ging umher und suchte unter Hecken und breitblättrigen Stauden. Sie hatte vor Augen, wie stark das Baby eingeschrumpft sein musste. Tot, braun und verschrumpelt, sein Kopf wie eine Nuss, auf seinem winzigen, verschlossenen Gesicht ein Ausdruck nicht der Qual, sondern von schmerzlichem Verlust, von lange und geduldig ertragenem Leid. Keinerlei Anklage gegen sie, seine Mutter – nur diese Miene der Geduld und der Hilflosigkeit, mit der es auf seine Rettung oder sein Schicksal gewartet hatte.
Alice Munro, Der Traum meiner Mutter

Zweikampf, Fotoserie von Antje Kroeger
Zweikampf
Minimalistische Fotokunst Mensch groß klein Schwarzweiß
Zweikampf
Zeitgenössische Schwarzweißfotografie eines großen und eines kleinen Menschen, konzeptuelle Fine-Art-Fotografie
Zweikampf
Diese Schwarzweißfotografie zeigt zwei Menschen unterschiedlicher Größe in räumlicher Nähe. Die Beziehung bleibt bewusst offen und vermeidet narrative Zuschreibungen. Durch Licht, Körperhaltung und Komposition entsteht ein stilles Spannungsfeld zwischen Schutz, Präsenz und Verletzlichkeit. Die Arbeit positioniert die Künstlerin im Bereich zeitgenössischer, konzeptueller Fine-Art-Fotografie.
Zweikampf
Diese ausdrucksstarke Schwarzweißfotografie zeigt eine Mutter in inniger Umarmung mit ihrem Baby. Die reduzierte Lichtführung und die ruhige Komposition verleihen dem Bild eine zeitlose, fast skulpturale Qualität. Die Künstlerin arbeitet mit Nähe, Verletzlichkeit und stiller Stärke und erschafft ein emotionales Fine-Art-Porträt über Mutterschaft, Bindung und Schutz. Ideal für Kunstsammler:innen, Galerien und Editorial-Kontexte.
Zweikampf
Zweikampf, Fotoserie von Antje Kroeger
Zweikampf
Zweikampf, Fotoserie von Antje Kroeger
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Zweikampf, Fotoserie von Antje Kroeger
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23. Februar 2016

Antje Kröger lebt und arbeitet als freie Fotografin und Fotokünstlerin in Leipzig. Das Spektrum ihrer Tätigkeit reicht vom Portraitieren anspruchsvoller Einzelkunden bis hin zu umfassend fotografisch künstlerischen Arbeiten in den Bereichen Werbung, Musik, Mode, Film, Theater etc. Im Fokus ihrer Arbeiten steht der Mensch, die Kommunikation mit dem Gegenüber ist der Schlüssel ihres Werks.

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Der Korb meines Rotkäppchens war irgendwann gefüllt mit Sorgen, bis zum Rand. Sorge. Vorsorge. Sorge vor Sorge. Versorgen, umsorgen, (selbst)fürsorgen. Wo war das niedliche, furchtlose Mädchen geblieben? Angst oder Furcht. Egal. Beides in ordentlichem Maße vorhanden. Nur die Sehnsucht war geblieben. Natürlich. Und wenn sie nicht gestorben sind… Aber so viel(e) war(en) schon gestorben. Die Großmama natürlich. Aber auch die ein oder andere Utopie. Menschen. Vorhaben. Lieben, die Leichtigkeit.
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ich bin die form, in der diese serie (und auch ein seminar, welches ich anbieten werde) überhaupt erst denkbar wird. mein körper, mein status quo, hier und jetzt, inszeniert, gestellt, verstellt vor meinen kameras. beziehung ist das wort für das, was zwischen mir und der fotografie entsteht. zwischen mir und mir, zwischen dem, wer ich gerade bin, was ich weitergeben will, und dem, was ich selbst noch lerne. deshalb zeigt sich die serie „zweimal“: analog mit großformatkamera, auf altem orwo-fotopapier, das aus einem land stammt, in dem auch ich sozialisiert wurde, bevor es aufhörte zu existieren. und digital, in farbe, mit der technik unserer zeit. denn ich bin beides: das damals und das jetzt, ohne dass eines das andere widerlegt.
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